Beschützer und Begleiter: Assistenzhund unterstützt gelähmtes Mädchen aus Schwandorf

Leni ist überglücklich. „Supi“ gehe es ihr, sagt die Zwölfjährige strahlend. Grund dafür ist vor allem Assistenzhund Mochi, der dem gelähmten Mädchen aus Schwandorf seit wenigen Wochen als Begleiter und Beschützer zur Seite steht und sie bei lebenspraktischen Tätigkeiten unterstützt.
22.000 Euro hat das speziell ausgebildete Tier gekostet. Ermöglicht wurde Mochi durch ein Crowdfunding vor zwei Jahren, bei dem 35.310 Euro innerhalb weniger Tage gespendet wurden. Familie Friedl war überwältigt und bewarb sich sofort bei „Partnerhunde Österreich“. Ein Jahr werde es dauern, bis ein Hund zur Verfügung stehe, hieß es nach vielen Gesprächen und einem Auswahlverfahren. Denn die Ausbildung dauere eineinhalb Jahre und beinhalte strenge Vorgaben und viele Prüfungen. Nur zwölf Hunde im Jahr erhalten auf diesem Hundehof das Zertifikat zum Assistenzhund.
Leni überstand zahlreiche Operationen
Doch leider konnte Familie Friedl erst beim dritten angebotenen Hund zusagen, denn Leni war – wieder einmal – schwer krank. Eine elfstündige Bauch-Operation musste durchgeführt werden, auf die weitere OPs infolge vieler Komplikationen folgten. Leni war über viele Wochen so schwach, dass sie nicht einmal das Handy zum Telefonieren halten konnte, berichtet ihre Mutter Katrin Friedl. Die Haare mussten vor einer Gehirn-OP komplett abrasiert werden. Leni ist traurig darüber, nimmt es jedoch tapfer. „Wenn ich zwei der OPs nicht gehabt hätte, wäre ich gestorben“, stellt sie fest. „Aber ich habe schon sehr oft geweint.“
Eine schlimme Zeit sei es gewesen, erklärt auch Katrin Friedl, die die gesamten zwölf Wochen im Klinikum Erlangen an Lenis Seite war – was einen Spagat bedeutete, denn ihre jüngere Tochter, die achtjährige Romi, sah sie in dieser Zeit selten. Leni hat eine angeborene, inkomplette Querschnittslähmung und einen shuntversorgten Hydrocephalus und musste in ihrem Leben schon viele Not-OPs überstehen.
Doch dieses Mal war es anders. Die Aussicht auf einen Assistenzhund gab Leni Hoffnung und machte die Schmerzen zumindest hin und wieder erträglicher. Viel Wichtiges musste schließlich überlegt werden, wie der Name des Hundes, oder wie das Leben mit ihm wohl sein werde. Dann war es soweit. Leni durfte nach Hause, und die ersehnte Nachricht erreichte die Familie: Ein Hund stehe zur Verfügung.
Leni kann Mochi überall mit hin nehmen, er ist speziell trainiert
Eine spannende folgte. Die Familie fuhr nach Österreich, zunächst zum Kennenlernen. Mochi, der zuvor einen anderen „Dienstnamen“ hatte, habe sofort perfekt zu Leni gepasst, berichtet die Mutter. Es war Liebe auf den ersten Blick. Mochi weist wie jeder Assistenzhund spezielle Eigenschaften auf, besonders einen Mangel an Aggressivität. Denn die Mitnahme des Hundes sollte an jeden Ort möglich sein. Außerdem sollte er gern mit Menschen zusammenarbeiten. All das trifft bei Mochi zu, der dann auch die Ausbildung und Prüfung meisterte.
Aber auch Leni und ihre Mutter mussten Team-Trainingskurse und Tests absolvieren, in Theorie und Praxis. Die Kommandos an einen ausgebildeten Assistenzhund klingen nämlich komplett anders als für gewöhnliche Hunde: Es handelt sich um italienische und englische Begriffe, die man auch noch in einem bestimmten Tonfall sagen muss. „Wir mussten 29 Fremdwörter lernen“, sagt Leni und zeigt, wie vorbildlich sie und ihr Hund alles beherrschen: Pfote geben, Handy holen, wenn es klingelt, Geldstück aufheben oder beim An- und Ausziehen helfen.
Assistenzhund kann Kleidungsstücke in der richtigen Reihenfolge holen
Der Hund kann Kleidungsstücke sogar in der richtigen Reihenfolge holen: erst Socken, dann Hose und T-Shirt. Einmal jährlich müssen Mochi und Leni in Zukunft erneut Tests in Österreich bestehen. Denn nur wer seinen Hund gut führen und fordern kann, kann das ganze Potenzial ausschöpfen.
Leni soll schließlich so selbstständig wie möglich werden, betont die Mutter. „Wenn sie erwachsen ist, ist der Hund eine besonders große Hilfe für Leni, um auch allein etwas unternehmen zu können.“ Aber Mochi kann noch viel mehr. Vor allem ist er Lenis emotionale Stütze und ihr Beschützer. Das Mädchen kann nachts oft nicht schlafen, und dann ist Mochi an ihrer Seite. Seit drei Tagen schläft er sogar am Fußende ihres Betts. Mochi ist einfach immer bei ihr – nur in der Schule nicht.
Obwohl Mochi internationale und europäische Zertifikate als Assistenzhund hat, muss das Schulamt erst seine Mitnahme zum Unterricht prüfen. Das Teilhabestärkungsgesetz soll Assistenzhunden eigentlich den Zutritt zu öffentlichen Gebäuden, Arztpraxen oder Lebensmittelläden ermöglichen. Im Jahr 2021 ist ergänzend bundesweit die Assistenzhundeverordnung in Kraft getreten.
Die Erlaubnis muss überall eingeholt werden, damit der Hund zum Beispiel mit in den Supermarkt kann
Aber dennoch müssen, wie im Supermarkt, Erlaubnisse eingeholt werden. „Wir müssen unsere Rechte für Menschen mit Behinderung immer vehement fordern. Das kostet viel Kraft“, beklagt Katrin Friedl. Auch die Aufnahme des Mädchens in Kindergärten und Schulen sei bisher nicht einfach gewesen. Zehn Kindergärten hätten Leni nicht angenommen, erst in Krondorf war es möglich. Nun geht Leni in die Mittelschule Wackersdorf, denn ihre eigentlich zuständige Schule Dachelhofen ist nicht barrierefrei. Und Leni soll unbedingt in eine Regelschule gehen, das ist den Eltern und auch der Zwölfjährigen wichtig. „Ich bin ja ein ganz normaler Mensch“, stellt Leni fest.
Teilhaben kann sie dennoch nicht an allem. „Ich bin enttäuscht von der Stadt Schwandorf, die beim Spielplatz im Stadtpark nicht an Menschen mit Behinderung dachte“, sagt die Mutter. Leni indes kämpft weiter und ist überzeugt, alles erreichen zu können. Schließlich hat sie ein großes Ziel: Sie will Tierärztin werden. Und sollte sie wieder einmal ins Krankenhaus müssen: Mochi wird ihr treu zur Seite stehen. Dort ist es erlaubt.
So läuft die Ausbildung eines Assistenzhundes
Unterricht: 390 Unterrichtsstunden hat der Barbet-Labrador Mochi absolviert und am Ende vor einer strengen Prüfungskommission einen dreistufigen Test bestanden.
Aufgaben: Es wurden diverse Aufgaben beurteilt wie das Öffnen und Schließen von Türen oder Bringen von Gegenständen.

