Regensburger Tausendsassa öffnet privates Amphitheater erstmals für Publikum

Von Heike Haala · 6. September 2024 um 17:00

Ob wegen der 24-Autohöfe oder als ehemaliger Geschäftsführer im Businesspark: Konrad Habbel ist für große Würfe bekannt. Jetzt hat der 79-Jährige mit einem Amphitheater etwas gebaut, das zwar um einige Nummern kleiner ist, dafür aber maximal ungewöhnlich.

Das Rondell aus langgezogenen Granitquadern steht in einem waldigen Hang, der sich bei Kneiting zur Donau neigt. Obwohl der Weg dorthin in der Hitze des Spätsommers durchaus schweißtreibend ist, steigt die Motivation, sich von dieser grünen Lunge einsaugen zu lassen, bei jedem Schritt: Stufe um Stufe wird es kühler.

Fantastische Ausblicke

Hoch über der Donau öffnet sich das Grün zu einer Lichtung. An einer Seite endet sie an einer senkrecht aufsteigenden Felswand. Am vorderen Rand geben die Büsche fantastische Ausblicke über die Donau, auf das Regensburger Westenviertel und die Silhouette von Königswiesen frei. Zwischen den gelben Blüten einiger Wetterkerzen und Goldrouten liegt das Bauwerk aus Steinquadern.

Nachdem seine Gattin das Grundstück erworben hatte, fand Habbel die Klötze in Massen auf dem Grundstück. Seines Wissens nach habe einer der Vorbesitzer etwas damit bauen wollen, was aber nie passierte. Weil sich an den Steinen schwarze Markierungen und Bohrlöcher finden, geht er davon aus, dass diese einmal als Begrenzung genutzt worden sein könnten.

Auch Habbel ließ der Gedanke nicht mehr los, etwas aus diesen Steinen zu machen. Beim Anblick des kleinen Anstiegs, an den sich inzwischen eine Tribüne mit Platz für etwa 90 Menschen schmiegt, packte ihn die Idee von einem Amphitheater. Bisher nutzte Habbel das Kleinod mit der halbrunden Bühne während seiner privaten Gartenfeste. Immer hatte er aber auch schon den Gedanken, diesen Ort kulturell zu bespielen. Jetzt ist es soweit. Gerade plant ein Ensemble eine Lesung, dessen Mitglieder bei Kulturfans aus der Stadt und dem Landkreis keine Unbekannten sind.

Am 15. September will Anton Zimmermann, der ehemalige persönliche Referent der früheren Regensburger Intendantin Marietheres List, ein weiteres Mal Ivan Turgenevs Briefe aus der Korrespondenz mit Gustave Flaubert lesen. Die Inszenierung hatte im Frühjahr Premiere im Café Klein. Die Regie führt Joseph Berlinger, der etwa mit dem Stück „Mei Fähr Lady“ im Turmtheater Erfolge feiert. Flauberts Rolle wird bei der Lesung unter dem Titel „Der Wutbürger und der Weltbürger“ Joerg Eckarth übernehmen. Rainer Johannes Hofmann spielt Akkordeon. Die Moderation übernimmt Zimmermanns Tochter Josefine.

Von dem Rondell hat Zimmermann über einen Freund erfahren, der zu Gast auf einem von Habbels Sommerfesten gewesen ist. Als Zimmermann es zum ersten Mal zusammen mit Berlinger besuchte, war er von Anfang an hin und weg. „Das hier ist romantisch, zauberhaft und magisch“, sagt er. Zudem begeistert es den Kulturmenschen, dass sich Privatpersonen derlei Bühnen in den Garten stellen. Habbel sieht in der Lesung ein Experiment. Er kann sich durchaus vorstellen, dass er sein Amphitheater nicht nur einmal für Publikum öffnet. Wie oft und in welcher Form das der Fall sein könnte, ist aber noch offen.

Ein Fass samt Diener

Zimmermann kündigt einen ungewöhnlichen Briefwechsel an, der thematisch mehr zu bieten hat, als das Fachsimpeln zweier Autoren über ihre Literatur und die anderer. Er sagt, dass sich Flaubert und Turgenev sehr nahe standen. Ob finanzielle oder gesundheitliche Probleme – die beiden klagten einander ihr Leid. Gleichzeitig machten sie sich kulinarische Geschenke, die Gourmets verzücken dürften. Zimmermann spricht von einer Textstelle, an der sich Flaubert für Turgenevs köstlichen Lachs bedankt. Der wiederum schwärmt in einem anderen Brief von dem Cidre, den Flaubert ihm zukommen ließ: Um sicher sein zu können, dass der Apfelwein seinem Freund korrekt serviert wird, schickte der Literat lieber auch gleich noch einen Diener mit, der mit dem Zapfen des Getränks vertraut war.

Wer die Lesung besuchen möchte, ist um eine Kartenvorbestellung bei Zimmermann gebeten und sollte sich ein Sitzkissen sowie Mückenspray einpacken. Geparkt werden soll am Rand der Straße Zur alten Mühle. Geplant ist zudem einen Shuttle-Service für alle, die sich schwer mit einem Spaziergang im Hang tun.

Die Lesung beginnt am 15. September um 18 Uhr auf Konrads Waldbühne Zur alten Mühle 22 in Kneiting. Tickets können unter 0178/9057884 reserviert werden.

Der Blick vom Waldgrundstück nach Königswiesen
Ein Steinbruch hinter der Bühne
Lieblingsplatz: eine Bank mit Blick über die Donau