Ein Naturtalent strebt nach Höherem: Jakub Mayer (15) träumt von einer Ringer-Karriere

Von Thomas Mühlbauer · 6. September 2024 um 11:00

Es geht mit unter ganz schön körperlich zur Sache in der Sportart Ringen. Einer, der auf dem Weg sein könnte, ein ganz Großer zu werden ist Jakub Mayer vom ASV Cham. Der 15-Jährige hat bei den zurückliegenden Wettkämpfen und Meisterschaften derart überzeugt, dass ihn der Ringer-Bundesligist SV Johannis Nürnberg 07 verpflichtet hat. Zunächst wird Mayer in den Nachwuchsstaffeln eingesetzt und besucht gleichzeitig das dortige Sportinternat.

Wer denkt, dass man, um so ein Talent zu werden, eine gute Sporthalle benötigt, der irrt sich.

Jakub Mayer trainiert auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in Ried am Pfahl. Ein Landwirt hat ihm einen Raum über einem landwirtschaftlich genutzten Gebäude zur Verfügung gestellt.

Ebenfalls bemerkenswert – der späte Zeitpunkt, an dem der Oberpfälzer mit dem Ringen begonnen hat. Jakub Mayer spielte bis zu seinem elften Lebensjahr Fußball, ehe er einfach mal so – wie seine Eltern Beata und David Mayer sagten – Ringen ausprobieren wollte. Mayer sagt dazu selbst: „Als ich angefangen habe, wusste ich gar nicht, was ist das für eine Sportart, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich eigentlich nur Fußball im Kopf.“ Denn eigentlich wollte er Profifußballer werden.

Doch dann probierte er sich im Ringen aus. Zunächst trainierte er in Willmering, ehe schon bald eine weiter Fügung dazukam. Andreas Schegerer, der in Cham mit dem Ringen verbunden ist, wie wohl kein Zweiter, wurde auf ihn aufmerksam. Fortan unterstützte er ihn als Mentor. „Ich habe ihm Trainingspläne zur Verfügung gestellt, die er abgearbeitet hat“, erzählt Schegerer.

Und schnell wurde klar, dass Mayer ein außergewöhnliches Talent besitzt. Auch für sich selbst merkte er, dass das Ringen genau das ist, was er machen möchte.

So wurde vor rund 18 Monaten der Trainingsplatz in Ried am Pfahl eingerichtet, zumal die Möglichkeit in Willmering zu ringen mehr oder weniger nicht mehr bestand.

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In dem Obergeschoss trainiert Mayer sowohl im Sommer als auch im Winter drei Mal pro Woche. Diese „ganz spezielle Halle“, landläufig auch gerne als „Schupfa“ bezeichnet – hat aber auch ihre Tücken, gerade im Sommer wenn es sehr heiß ist, oder im Winter, wenn es sehr kalt werden kann. „Gerade im Winter kämpfst du mit zwei Pullis, langer Hose, Thermoanzüge. Da ist es unweigerlich, dass man oft krank wird“, sagt Mayer.

Zudem fährt er zweimal in der Woche nach Geiselhöring zu einem befreundeten Ringerclub.

19 Turniere, 17 Podestplätze

Doch wie kam es dazu, dass Mayer dann ins Blickfeld des Bundesligisten SV Johannis Nürnberg 07 geriet? Es gibt eine sehr simple Erklärung: „Er hat einfach bei den Meisterschaften und Wettkämpfen überzeugt“, sagt Schegerer.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Denn in den Wettkämpfen ab April 2023 bis Juli 2024 kämpfte er auf 19 Turnieren, davon belegte er 17 Mal den ersten oder zweiten Platz. Bei den diesjährigen deutschen Meisterschaften in Mannheim in der Altersklasse U17 bis 65 Kilogramm wurde es am Ende Platz 15. Der 15-Jährige weiß auch, dass es im Ringen Rückschläge gibt, dass man auch einmal als Verlierer von der Matte geht. „Dann heißt es aber, weiter hart und konzentriert zu trainieren“, sagt Mayer.

Dieses Jahr klopften dann die Nürnberger an und fragten, ob er zu ihnen wechseln möchte. Für den Teenager, der bislang für den ASV Cham gekämpft hat, eine Möglichkeit, nicht nur dabei zu sein, sondern auch hier sein Potenzial zu zeigen. „Mein erstes Ziel wäre, die Bayerische Meisterschaft zu gewinnen und dann auch bei der deutschen Meisterschaft zu triumphieren“, sagt Mayers. Doch das soll nicht das Ende aller Träume sein. Die erklärte Zukunftsvision: Mayer träumt von der Teilnahme an den Europameisterschaften. Und sowieso: „Wenn ich dann zu den Männern gewechselt bin, würde ich die Meisterschaften am liebsten immer gewinnen“, sagt er.

Wichtig, wie eigentlich bei allen Nachwuchsathleten, ist die Förderung aus dem familiären Umfeld. Mayer macht deutlich – wenn ihn seine Eltern Beata und David Mayer nicht von Anfang an so unterstützt hätten – wäre er bislang nicht so weit gekommen. „Das war wichtig, gerade als ich noch jünger war. Sie haben mich immer motiviert, auch in Zeiten, wo ich dabei war, aufzugeben.“ ‚

Den Eltern fällt es dabei oft nicht leicht, beim Training zuzuschauen, wie Mutter Beata sagt: „Es gibt schon Situationen, da halte ich mir lieber die Hände vor’s Gesicht oder schaue einfach gar nicht mehr hin.“

Doch sowohl Mutter als auch Vater betonen unisono, dass sie ihren Sohn auf seinem weiteren Weg immer unterstützen werden, wobei bei der Mutter hörbar Wehmut mitschwingt: „Zum einen macht es mich stolz, dass er zu einem Bundesligisten ins Sportinternat wechseln kann, auf der anderen Seite bin ich auch traurig, ihn von daheim ziehen lassen zu müssen.“

Wie hart und intensiv trainiert wird, zeigte Jakub Mayer in einer Einheit mit seinem Sparringspartner Rudi Kraus (TV Geiselhöring) und freute sich hinterher: „Das Training war heute sehr gut.“

Kritik von Schegerer

Mentor Andreas Schegerer, macht es stolz, so einen Athleten unterstützen zu können, gleichzeitig legt er aber auch den Finger ganz tief in die Wunde des Ringersports im Landkreis Cham: „Ich habe in den letzten zehn Jahren als Mentor schon mehrere Athleten zur deutschen Meisterschaft gebracht, ich unterstütze das sehr gerne. Wenn ich es nicht machen würde, hätten wir wohl bald keine Ringertalente mehr, die man im Landkreis fördern kann, denn es gibt keine Ringer mehr, die helfen und unterstützen.“

Dabei ist es für Andreas Schegerer auch unverständlich, dass es kein Verein einem breit gefächerten Landkreis schafft, eine Wettkampfsportart Ringen im Ligabetrieb am Leben zu halten, beziehungsweise an dieser teilzunehmen.