Zum Schluss gab es heiße Liebe: Beliebter TV-Koch Roland Trettl datet Oberpfälzer Gourmets

Von Isolde Stöcker-Gietl · 5. September 2024 um 17:00

Roland Trettl ist nicht nur ein charmanter Liebesbote, sondern auch ein hervorragender Koch. Zwischen Rote-Beete-Knödel und Heißer Liebe zum Dessert spricht er darüber, warum er sich nichts mehr aus Michelin-Sternen macht und verrät sein Liebesrezept.

Rot. Knallrot. Ein Sößchen voller Liebe, sozusagen. Roland Trettl rührt kräftig darin. Normalerweise jeden Abend im TV-Programm von „Vox“, wo der Südtiroler als Gastgeber der Show „First Dates“ Singles verkuppelt. Am Mittwochabend zeigt er im Restaurant Zwischengrün in Sinzing (Lkr. Regensburg), dass er nicht nur ein charmanter Liebesbote ist, sondern auch ein hervorragender Koch. Zwischen Rote-Beete-Knödel und Heißer Liebe zum Dessert spricht er darüber, warum er sich nichts mehr aus Michelin-Sternen macht und verrät sein Liebesrezept.

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Roland Trettl gehört zu einer besonderen Gattung von Köchen. Jenen, die nicht nur in der Küche, sondern auch im Showgeschäft ihren Senf dazugeben. Mit Kollege Tim Mälzer hat sich der Zögling von Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann Duelle in „Kirchen Impossible“ geliefert und die „Karawane der Köche“ angeführt. Er war Juror in „The Taste“ und bei „Grill den Profi“. Nicht alle Kollegen, die in den Shows vermarktet werden, können kochen, verrät Trettl im Interview mit der Mediengruppe Bayern. Doch trotz Nachbohrens nennt der 53-Jährige keine Namen. „Tim Mälzer ist es nicht. Der kann kochen.“ Mehr ist ihm nicht zu entlocken.

Bei Witzigmann und Haas

Trettl selbst hat mit 14 Jahren in Südtirol eine Kochausbildung begonnen. Wenige Jahre später schickt er eine Bewerbung, die er auf ein Holzbrettchen schreibt, an Sternekoch Witzigmann – und wird engagiert. In den 1990er Jahren kocht er im „Aubergine“ und im „Tantris“ in München unter Küchenchef Hans Haas. Dort lernt er ehrgeizige Kollegen wie den späteren Drei-Sterne-Koch Christian Jürgens kennen, der auch einige Jahre auf Burg Wernberg in der Oberpfalz Sterneküche serviert. Auch Trettl rückt in die erste Riege auf. Im Ca‘s Puers auf Mallorca erkocht er für das Restaurant einen Platz im Guide Michelin, später wiederholt er diesen Erfolg mit dem Restaurant Ikarus im Hangar 7 am Flughafen Salzburg. Inzwischen sieht Trettl den Hype um die Michelin-Sterne äußerst kritisch. Das Konzept ist überholt, findet er. In den Küchen herrsche Druck und Anspannung, weil man der Meinung eines einzelnen Kritikers ausgesetzt sei. „Dabei geht es doch um nichts Ernstes. Wir operieren schließlich nicht am offenen Herzen.“ Für ihn sei ein Essen dann gut, wenn in der Küche eine gute Stimmung bei der Zubereitung herrsche. „Das merkt der Gast!“ Und nur darauf komme es an. Dass das Essen dem Gast schmecke.

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Im „Zwischengrün“, wo Küchenchef Martin Kagerer regelmäßig Spitzenköche zu Events in den Sinzinger Minoritenhof holt, findet Trettl ein erprobtes Team, das seine Idee von Gastlichkeit routiniert umsetzt. Noch bis kurz vor dem Eintreffen der Gäste feilt der Star des Abends an den Arrangements. Die Zutaten wurden bis aus Südtirol eingeflogen. Etwa ein spezielles Knödelbrot. Den 81 Gästen tischt Trettl unter anderem Südtiroler Graukaskrapfen, Miso Suppe, Hirschkalbstartar, Saibling, Jakobsmuscheln und Kalbsbäckchen auf. Trotz Akribie auf dem Teller nimmt es der Spitzenkoch locker, dass das Besteck nicht für alle acht Gänge reicht. „Dann essen die Gäste die drei Vorspeisen eben mit derselben Gabel“, wischt er das Problem vom Tisch.

Sieben Köche, 750 Teller

Küchenchef Kagerer erlebt den Abend als hoch professionell. „Trettl legt größten Wert auf die Präsentation und alles wird von ihm persönlich abgeschmeckt.“ Trotz seiner Fernseherfahrung habe er für die Gäste keine Show abgeliefert, sondern vorrangig in der Küche gewirkt, sagt Kagerer. Insgesamt standen sieben Köche am Herd. Zwei hatte Trettl zur Unterstützung mitgebracht. „Und so haben wir fast 750 Teller serviert“, resümiert Kagerer. Vor allem handwerklich habe ihn der Südtiroler beeindruckt.

Ein Lieblingslebensmittel habe er nicht, sagt Trettl. „Ich mag alles und arbeite gerne mit der Vielfalt.“ Lediglich auf eine Zutat könne er beim Kochen nicht verzichten: „Salz. Denn ohne Salz schmeckt alles nach nichts.“ Bleibt am Ende eines langen Kochabends nur noch die Frage nach dem Liebesrezept des Dating-Experten. „Nur wer isst und wer liebt, der kann sich fortpflanzen. Ohne diese beiden Dinge überleben wir nicht.“ Liebe, sie geht halt doch durch den Magen.

Hirschkalbstartar, eine der Vorspeisen, wird angerichtet. Foto: Moosburger/altrofoto
Jedes Gericht schmeckt der Gastkoch persönlich ab. Foto: Moosburger/altrofoto