Mit 54 Jahren übernimmt Stefan Hackenspiel in Bodenwöhr seine erste Pfarrerstelle

Sorgfältig hängt Stefan Hackenspiel ein Marienbild im Esszimmer des Pfarrhauses in Bodenwöhr auf. Vor zwei Wochen ist der neue Pfarrer hier eingezogen, nachdem sein Vorgänger, Pfarrer Johann Trescher, in den Ruhestand ging. In jedem Raum soll die Gottesmutter präsent sein. „Ich habe sie als starke Fürsprecherin erfahren dürfen“, sagt der 54-Jährige, der erst vor sieben Jahren die Priesterweihe empfing und sich nun angekommen fühle. „In meinem Leben hat Gott angeklopft, leise und sehr hartnäckig. Er lässt er nicht locker, wenn er jemanden haben will“, schmunzelt Hackenspiel. „Dafür bin ich dankbar.“
Zunächst hatte der gebürtige Chamer, der in seiner Kindheit „volkskirchlich geprägt“ wurde, einen anderen Weg eingeschlagen. Bis 2010 arbeitete der studierte Historiker als Dozent an der Hochschule München, war mitten in seiner Doktorarbeit und plante die Habilitation. Alles sollte dann anders kommen.
Der Glaube spielte immer eine große Rolle in seinem Leben. Seine Mutter und sein Vater, ein Lehrer und viele Jahre lang Bürgermeister von Cham, lebten es ihm vor. „Als Jugendlicher war ich aber nicht immer begeistert, sonntags in die Kirche gehen zu müssen“, erzählt der Geistliche. „Als Pfarrer habe ich nun Verständnis für Kinder und Jugendliche. Die Gottesdienste sind sehr erwachsenenzentriert und die Kleinen werden oft überfordert.“
Wert der Liturgie
Dennoch sei die Liturgie äußerst wichtig: „Sie ist ein großer Schatz, der uns gegeben wurde – Traditionen, die gewachsen und wertvoll sind. Sie braucht eine gewisse Regelmäßigkeit. Wenn Traditionen einmal weg sind, ist es sehr schwer, sie wieder zum Leben zum erwecken.“ Was alles in Bodenwöhr üblich sei, wolle er erst einmal in Ruhe herausfinden und mit den Menschen ins Gespräch kommen. „Ich habe großen Respekt vor der Arbeit meines Vorgängers. Daran möchte ich anknüpfen.“
Dennoch steht ein bedeutsamer Umbruch bevor: Bis 2034 soll eine große Pfarreiengemeinschaft Seenland entstehen, mit Hauptsitz in Wackersdorf und einem Nebensitz in Bodenwöhr. Doch dieser Prozess werde nicht von heute auf morgen gehen – niemand in der jetzigen Pfarreiengemeinschaft Bodenwöhr und Neuen- und Altenschwand brauche Angst davor haben, betont Hackenspiel, der auf jeden Fall zunächst fünf Jahre lang als Pfarrer in der Hammerseegemeinde wirken wird. Dann werde man weitersehen, sagt der Geistliche. Diejenigen, die ihren Glauben leben wollen, würden dann zu mehr Eigenverantwortung aufgerufen, sagt er. „Das hat Vor- und Nachteile, wie alles.“
Große Veränderungen hat er selbst erlebt. Nach dem Gymnasium und dem Abitur in Cham mit den Leistungskursen Latein und Griechisch studierte er zunächst an der Universität München Geschichte und erwarb mit 26 Jahren den Magistertitel. Alte Sprachen, auch Griechisch, liebte er schon immer. „Man beschäftigt sich dabei auch mit Philosophie und Geschichte.“
Seine Karriere als Historiker nahm seinen Lauf, und Freunde waren schockiert und konnten es nicht fassen, als er ihnen im Jahr 2010 von seinen Berufsplänen, der Kirche zu dienen, berichtete.
Gefühl, dass die Zeit drängte
Seine Eltern zeigten sich nicht überrascht. „Sie wussten es eher als ich und sagten: Endlich hat er es kapiert“, erinnert sich Hackenspiel. Seit langem hatte er tatsächlich mit dem Gedanken gespielt. „Mit knapp 40 dachte ich mir, bald werde ich zu alt dafür. Und: Wenn ich es nicht jetzt mache, würde ich es mein Leben lang bereuen.“
Nach sieben Jahren Theologiestudium in Regensburg wurde er zunächst zum Diakon und dann im Jahr 2017 zum Priester geweiht. Kaplanstellen in Ergoldsbach bei Landshut und in Viechtach folgten, und nun hat er seine erste Pfarrstelle in Bodenwöhr angetreten. Er freut sich darauf, für die rund 2300 Gläubigen als Seelsorger tätig zu sein. Am vergangenen Samstag feierte er erstmals zusammen mit Pfarrer Trescher den Gottesdienst in Blechhammer. Der Dialog sei ihm wichtig: „Die Gläubigen dürfen alle zu mir kommen, und sie dürfen mich alles fragen, was sie wissen wollen“, ermuntert Hackenspiel, der nach seinem Worten ein konservativer, aber sehr offener Mensch sei und auch keine konstruktiven Diskussionen scheue.
Humor hat er ebenfalls, das wird im Gespräch deutlich. Von seinem schwarzem Collarhemd mit dem weißen Steg solle man sich nicht abschrecken lassen, schmunzelt Hackenspiel. Damit habe er gute Erfahrungen gemacht: „Man erkennt im Alltag meinen Beruf, und man kommt leicht ins Gespräch mit den Menschen, sogar zum Beispiel an der Supermarktkasse.“ Nicht immer sei das jedoch positiv gewesen: „Während der Missbrauchsfälle wurden wir Studenten auf dem Weg zum Dom beschimpft.“
Die Kirche möchte Hackenspiel erhalten, wie sie sei. „Ich finde, sie ist gut. Wir sollten auf das Evangelium und auf Jesus schauen, beides führt uns.“ Er selbst habe seinen Weg, wenn er auch nicht geradlinig war, nie bereut und nun an seiner ersten Pfarrerstelle seine Erfüllung gefunden. „In jedem Leben kommt etwas vor, das nicht geplant und dann gut ist.“ Als Pfarrer sei es, so betont er, ein schönes Leben und es sei eine schöne Berufung – und er könne es jedem empfehlen.
Werdegang
Erste Berufswahl: Nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium in Cham studierte Stefan Hackenspiel Geschichte in München.
Späte Berufung: Mit knapp 40 Jahren beschloss der Historiker, Pfarrer zu werden. Sehr wichtig auf diesem Weg sei für ihn das einjährige Propädeutikum in Passau gewesen, das Pflicht für angehende Theologiestudenten ist. Es bereite auf das Studium vor, etwa mit Sozialpraktika in der Bahnhofsmission oder in Altenheimen. Als „kleinen Nebeneffekt“ habe er sich dabei auch gut mit allen Priestern in Bayern vernetzen können, so Hackenspiel. Die integrierten sechs Wochen im Heiligen Land seien ebenfalls prägend gewesen.
Weihe: 2017 wurde er zum Priester geweiht.