Gruselgeschichten mit Gänsehautfaktor bei der Premiere der 43. Geisterwanderung in Nittenau

Am Samstag, 31. August, fand in Nittenau die Premiere der 43.Geisterwanderung statt. Das Stück, das seit 1983 gespielt wird, trug 1992 zur Gründung des Theater- und Festspielvereins bei, der das Wanderschauspiel seitdem organisiert. Anders als in den vergangenen Jahren, in denen das Stück jeweils einmal im Juli, August und September aufgeführt wurde, finden die drei Vorstellungen dieses Jahr von Ende August bis Mitte September statt. Dies sei der Nachfrage geschuldet, erklärt der Vorsitzende des Theater- und Festspielvereins, Albert Meierhofer: „Wir haben festgestellt, dass die Septemberveranstaltung immer zuerst ausverkauft war.“
Lieber im Dämmerlicht
Die Menschen hätten die schummrige Stimmung im Spätsommer mehr genossen als die Helligkeit im Juli und Anfang August. Deshalb würden nun alle drei Veranstaltungen später im Jahr abgehalten.
Gegen 18.15 Uhr wurden die 300 Zuschauer – die Premiere war ausverkauft – mit mehreren Bussen zu Burg Hof am Regen gebracht, wo die Sage vom Ursprung des kopflosen Reiters aufgeführt wurde.
Der jähzornige Ritter Jörg wird vom Landrichter um sein Lehen gebracht, indem dieser dessen Knappen Neidhart dazu bringt, Jörgs Ehefrau als Ehebrecherin zu denunzieren. Jörg tötet daraufhin seine Frau und später, als er den Betrug erkennt, auch Neidhart. Auf dem Schafott schwört der zum Tod durch Enthauptung verurteilte Mörder Rache: Er werde als Geist wiederkehren. Thomas Zeidler, der vor kurzem auch den Brandner Kaspar spielte, überzeugte in seiner Rolle als wütender Ritter.
Nach einem Fußweg nach Stefling, bei dem den Teilnehmern auch der Kopflose Reiter begegnete, begrüßte das diesjährige Schirmherrenpaar Michael und Petra Gleixner im dortigen Schlosshof die Zuschauer mit einer Rede. Anschließend wurde ein Zweiakter rund um die Hexen des Regentals aufgeführt.
Verführte Patres
Hinter der Bühne konnte man zuvor den Satan beim Pfeife-Rauchen antreffen: Johann Hartl hatte sich zwei Stunden vor Beginn in die Maske begeben. Die Hörner aus Schaumgummi waren täuschend echt auf seiner Stirn angebracht.
Das Stück erzählt von Stefling als Ort von Hexensabbaten, zu denen der Teufel die Frauen unter der Führung von Luzisat versammelt und ihnen die Ankunft zweier franziskanischer Exorzisten ankündigt. Die beiden Patres werden im zweiten Akt von der Burgherrin angeworben, während ein Knecht Widerstand gegen die Hexen anmahnt.
Anfangs gelingt es den Priestern, die Hexen zu bannen. Doch von den erotischen Reizen einer Junghexe verführt, verlassen sie den Bannkreis und müssen durch den Knecht gerettet werden.
Die Techniker des Vereins schafften es, durch geschickten Lichteinsatz eine authentische und mitreißende Atmosphäre zu erzeugen. Vorsitzender Meierhofer hob die Professionalität beim Licht hervor: „Wir haben dieses Jahr 7000 Euro in Lichttechnik investiert“, erzählte er.
Nach einem längeren Fußmarsch folgte an einer Eiche unterhalb von Neuhaus die Bierpanscher-Szene, in der panschende Brauer, gierige Schankmaiden und Wirte sowie herzlose Beamte vom Kastellan der Burg Stockenfels verurteilt werden, auf einem brennendem Tanzboden ewig zu feiern und unaufhörlich Wasser aus dem Regen zu schöpfen.
Im Anschluss zogen die Zuschauer zum Wirtshaus Fuchs in Neuhaus, von wo aus sie mit Bussen wieder zum Marktplatz gebracht wurden.


