Wenn Milchzähne nicht von allein ausfallen: Neumarkter Tierärztin gibt Tipps

Von Mittelbayerische Zeitung · 3. September 2024 um 15:00

In dieser Folge ihrer Ratgeberkolumne, wendet sich die Neumarkter Tierärztin Karen von Trauwitz direkt an Besitzer von Hundewelpen. Denn es geht um die Milchzähne. Besser gesagt, Milcheckzähne, die nicht ausfallen und dann zu Problemen vor allem bei kleinen Hunderassen sorgen.

Die Problematik heißt im Fachjargon „Canini persistens“. Bestimmt haben Sie schon öfter von persistierenden Milch(eck)zähnen oder Canini persistens gehört – vor allem, wenn Sie zur Zeit einen Welpen haben. Gerade die Besitzer von kleinen Rassen – wie etwa Chihuahuas, Yorkies, Malteser, Havaneser – kennen bestimmt dieses Problem.

Die Milchzähne beim Hund werden im Alter von vier bis sechs Monaten durch die bleibenden Zähne ersetzt. Normalerweise fallen die kleinen Milchzähne von selbst durch das Wachstum der bleibenden Zähne aus. Dabei resorbieren sich die Zahnwurzeln der Milchzähne, weshalb sie schließlich ausfallen – so sollte es eigentlich sein.

Zahn kann zu Kiefer- und Zahnfehlstellungen führen

Wenn sich die Wurzeln der Milchzähne allerdings nicht resorbieren, sucht sich der bleibende Zahn einen anderen Platz, um herauszuwachsen oder, im schlimmsten Fall, verbleibt er komplett im Knochen.

Wenn sich zwei Zähne den Platz von einem im Maul teilen, kommt es zu Kiefer- und Zahnfehlstellungen.

Selbst wenn dies in seltenen Fällen nicht eintreten sollte, stehen die Zähne auf Dauer viel zu eng und die Selbstreinigung der Maulhöhle wird erschwert. Das führt zu vermehrtem Zahnstein, Zahnfleischentzündung und Parodontitis.

Operation bei Hunden notwendig

Deshalb sollten persistierende Milchzähne zeitnah unter Narkose entfernt werden – allerspätestens bis zum siebten Lebensmonat des Hundes. Auch wenn der Zahn eventuell später von selbst ausfallen könnte, kann es bereits in diesen frühen Lebensmonaten zu Zahnfehlstellungen führen. Betroffen sind vor allem kleine Hunderassen, die von Haus aus wenig Platz im Maul für ihre Zähne haben.

So wachsen die bleibenden Eckzähne im Unterkiefer innen hinter den verbleibenden Milcheckzähnen. Weil ihnen aber der Platz fehlt, wachsen sie zu eng und können in den Oberkiefer piksen. Abhilfe kann da eine Zahnkorrektur mit Hilfe einer Art Zahnspange sein – oder man muss die Zähne irgendwann einkürzen oder sogar ziehen, um dem Hund weitere Schmerzen zu ersparen.

Am besten ist es, das Gebiss der Welpen rechtzeitig zu kontrollieren und zeitnah die störenden doppelten Zähne operativ zu entfernen. Auch die Pudeldame Lilli musste diese Prozedur über sich ergehen lassen. In Narkose wurde ein Röntgenbild des Gebisses angefertigt: Dort zeichnete sich die sehr lange und sehr dünne Zahnwurzel des Milchzahns klar ab. Diese musste komplett entfernt werden, um Platz für den bleibenden Zahn zu schaffen.

Röntgenbild zur Kontrolle

In einigen Fällen geht das nur operativ, das heißt, das Zahnfleisch muss vorsichtig abgehoben werden, die dünne Wurzel muss im Knochen freigelegt und vorsichtig entfernt werden, ohne die Wurzel des bleibenden Eckzahnes zu verletzen.

In einem zweiten Röntgenbild wird kontrolliert, ob die Wurzel vollständig entfernt wurde. Dann wird die Wunde im Zahnfleisch durch eine feine Naht verschlossen. Nach wenigen Tagen hat Lilli die Strapazen der OP vergessen.

Im Idealfall putzen die Besitzer ihrem Hund regelmäßig die Zähne, um den lästigen Zahnstein zu entfernen und so weiteren Zahnarztbehandlungen möglichst lange vorzubeugen.