Nach Anzeige wegen „Södolf“: Schwuler Rechts-Politiker glaubt, „Söder steht auf mich“

Die Wahlergebnisse im Osten sorgen trotz eines heftigen Gewitters für euphorische Stimmung bei den Rechtspopulisten im Schlossgarten. Während Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner gegen Asylbewerber holzt, greift der rhetorisch begabte Publizist und Ex-FPÖ-Politiker Gerald Grosz tief in die Mottenkiste des Spotts. Vor allem mit Markus Söder hat er noch eine Rechnung offen.
Sogar beim Wetter ist die „Alternative für Deutschland“ anderer Ansicht als ihre politische Konkurrenz: Während bei der CSU die Wolkenbrüche über Abensberg als Tränen Gottes bezeichnet wurden, der über das Wahlergebnis traurig sei, sprachen die AfD-Protagonisten im Schlossgarten von den „Tränen der Altparteien“. Fast hätte es den Auftritt des Rechtspopulisten Gerald Grosz aus Österreich völlig verregnet, doch die AfD hat treue Anhänger – sie blieben, bis die Schauer in leichten Regen übergingen. Dann allerdings blieb kein Auge trocken: Die Wahlerfolge aus Sachsen, wo die AfD auf 30,6 Prozent, und aus Thüringen, wo sie ausgerechnet knapp 33 Prozent errang, sorgten für Euphorie im Schlossgarten.
Alles rund um den Gillamoos finden Sie in unserem Newsticker: Link.
Weil die AfD am Gillamoos nicht willkommen ist, meldet sie jedes Jahr eine Demonstration im Schlossgarten an. Die Rhetorik der Redner war scharf. „Wahnsinnige“ nannte der Landtagsabgeordnete Dieter Arnold, der als Sicherheitsdienst-Unternehmer bereits für Behörden wie das Jobcenter tätig war, die Ampel-Regierung. „Diese Hirnamputierten ruinieren das Land“, polterte der Politiker aus dem Landkreis Regensburg.
Regenbogen zurückerobern
Nicht minder scharf war auch die Rede der AfD-Fraktionsvorsitzenden Katrin Ebner-Steiner. Die kam mit einem Regenbogen-Schirm. „Wir holen uns den Regenbogen zurück“, rief die Niederbayerin, als sie auf die Bühne kam – in Anspielung auf die sogenannte LGBTQ-Szene, die traditionell den Regenbogen als Symbol für sexuelle Minderheiten verwendet. Im Kern beschäftigten sich die Redner im Grunde ausschließlich mit der Migrationspolitik. Ebner-Steiner sprach einen Umstand an, den auch die Bürger von nebenan nicht verstehen: Wenn ein Abschiebeflug nach Afghanistan starte, „dann kriegt noch jeder 1000 Euro Handgeld – das ist doch irre“, rief Ebner-Steiner unter dem Gejohle der Anwesenden. Den Attentäter von Solingen nannte sie „Jihad-Moslem“. Es sei eine „lange Reihe von ausländischen Tätern, die in unserem Land Menschen erstechen und erschlagen“.
Gerald Grosz stieß ins selbe Horn, allerdings ist der Journalist (unter anderem „OE24“) ein rhetorisch anderes Kaliber als die Niederbayerin. Er attackierte die Redner in den Zelten auf der Gillamooswiese. „Dort drüben versammeln sich politische Selbstmordattentäter, die sich gestern in Thüringen und Sachsen in die Luft gesprengt haben, weil sie ihre Politik gegen Euch gerichtet haben.“
Grosz verglich den Aufstieg der AfD mit seinem politischen Vorbild Jörg Haider und dessen FPÖ. Ein „Vernichtungsfeldzug“ sei das, „ihr werdet diffamiert, ihr werdet angezeigt, eure Meinungsfreiheit eingeschränkt – Zensur und Bevormundung herrschen“, so Grosz. Die Vertreter der etablierten Parteien nannte er „Scheindemokraten, die seit gestern keine politische Legitimation mehr haben“.
Grosz spielt geschickt mit Söders Strafanzeigen
Geschickt spielte Grosz mit den Strafanzeigen, die Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gegen ihn erstattet hatte. Einst hatte Grosz den CSU-Politiker als „Södolf“ bezeichnet und dafür einen Strafbefehl wegen Beleidigung über 36000 Euro erhalten. Später nannte er Söder einen „Trottel“ − auch das brachte ihm ein Verfahren ein. Bei seinem Gillamoos-Auftritt behauptete Grosz, Söder würde Einfluss nehmen auf die Justiz. Grosz, der selbst homosexuell ist, frotzelte: „Ich glaube mittlerweile, dass es sich um eine besonders obsessive Leidenschaft handelt, die Markus Söder mit mir verbindet – ich glaub’, er steht auf mich“, so der Österreicher. Söder würde ihn mit einer „angehenden Homoerotik“ verfolgen, doch er stehe „nicht auf ausgefressene ältere Herren“.
Vier Studenten sehen „Zukunft Deutschlands bei der AfD“
Vor seinem Auftritt mit Homophobie aus den Reihen der AfD konfrontiert, sagte Grosz zur Mediengruppe Bayern: „Ich habe hier vor keinem einzigen Angst. Angst habe ich vor denen, die hier hereinkommen und mich aus religiösen Gründen am Baukran hängen sehen wollen.“
Doch wer geht zur AfD in den Schlossgarten eigentlich hin? Aus Regensburg sind vier Studenten in Tracht gekommen. Sie wollen sich nicht fotografieren lassen, obwohl sie mit AfD-Luftballons heiter posieren. Die beiden jungen Frauen studieren Lehramt, die beiden jungen Männer Kirchenmusik.
„Auf Festen nicht sicher“
„Wir sind hier, weil wir fest daran glauben, dass die AfD die richtigen Antworten für die Zukunft Deutschlands hat und das machen will, was das Land unserer Meinung nach braucht“, sagt eine der jungen Frauen. Daraufhin angesprochen, was das denn sei, sagt die angehende Lehrerin: „Migration ist das Hauptthema.“ Ein Besucher aus Laaber (Landkreis Regensburg) sagt: „Wenn man auf ein Fest geht, ist man doch nicht mehr sicher.“ Die einzige Partei, die seiner Ansicht nach darauf eine Antwort hätte, sei die AfD.