Warum die B85 bei Cham jetzt saniert werden muss und die Facebook-Experten versagt haben

Warum muss die B85 bei Cham schon wieder saniert werden? Dr. Richard Bosl versteht die Frage nicht, die im Netz ständig gestellt wird, garniert mit verschiedensten Unterstellungen zum Geisteszustand der Planer.
„Die Fahrbahn von Roding in Richtung Cham wurde 2006 gebaut und seitdem nicht saniert. Sie ist 18 Jahre alt und hat den Zeitpunkt einer Oberflächensanierung erreicht und überschritten“, sagt der stellvertretende Leiter des Staatlichen Bauamtes.
Erst hat er sich über den Shitstorm im Netz geärgert. Dann hat er das Angebot unserer Zeitung angenommen und ist mit uns die B85 zwischen Wetterfeld und Cham-Süd abgefahren. Schon kurz hinter Wetterfeld sichert Kolonnenführer Christian Hug mit seinem VW-Bus den ersten Halt ab. Spätestens jetzt wird klar, warum die Mitarbeiter im Straßenbau ein Leitplankentraining absolvieren: 40-Tonner ziehen mit 80 Sachen zwei Meter entfernt am Fotografen vorbei – gewöhnungsbedürftig. Trotz Warnlampen und Sperrpfeil.
B85 im Landkreis Cham: Risse, Flicken, Einbrüche
In der Mitte der B85 verläuft ein zwei Meter langer Riss. Einige Quadratmeter Asphalt sind geflickt. Dazwischen kuchentellergroße Einbrüche, die im Winter mit Kalt-Asphalt aufgefüllt worden sind. Eine typische Schadensstelle, sagt Bosl.
Das Bild wiederholt sich auf den knapp acht Kilometern in Richtung Cham mehrfach. „Wenn wir warten, dann zerstört eindringendes Wasser die Fahrbahn in den tieferen Schichten“, erklärt der Bosl, der für die Bundesstraßen im Landkreis Cham zuständig ist.
Wie fatal das wäre, zeigt ein Blick mit Projektleiterin Julia Dietl in den Aufbau der Bundesstraße: Derzeit geht es nur um die Erneuerung der vier Zentimeter hohen Deckschicht. Darunter sind acht Zentimeter Bindeschicht, 18 Zentimeter Tragschicht und 65 Zentimeter Unterbau aus Frostschutz. „Die vier Zentimeter fräsen wir ab und tragen sie neu auf. Und wir hoffen, dass wir an der Bindeschicht nichts finden, sonst müssten wir da auch ausbessern“, sagt Bosl. Die Probebohrungen haben aber bisher nur Schäden in der Oberfläche ergeben.
B 85 bleibt weiter befahrbar
Der Umfang der Arbeiten ist aber auch so groß genug: 60000 Quadratmeter Deckschicht werden abgefräst und neu aufgebracht. Das wird rund 1,2 Millionen Euro kosten. Die Bundesstraße wird aber während der Arbeiten den ganzen September über in beide Richtungen befahrbar bleiben. Dazu wird die zweibahnige Strecke Cham-Roding für den Gegenverkehr freigegeben. Alle Auf- und Abfahrten in Richtung Roding-Cham bleiben dazu offen. „Und selbst, wenn es einmal Stau geben sollte, ist die Strecke für Ortskundige problemlos und ohne großen Mehraufwand umfahrbar“, so Bosl.
Kolonnenführer Christian Hug sieht auf weiten Strecken auch kein Problem, eine Rettungsgasse zu bilden. „Die Fahrstreifen sind mit 8,50 Metern breit genug und auch auf der Seite gibt es meist noch Raum.“ Außerdem könnten Rettungsdienst und Feuerwehr auch die Baustellenseite befahren, weil dort nur vier Zentimeter tiefe Schwellen zu überwinden seien. „Wenn nicht gerade asphaltiert wird, geht das. Die Zeitpunkte werden wir mit den Verantwortlichen aber absprechen.“.
Glosse: Facebooks Experten
Von Johannes Schiedermeier
Wir erleben derzeit angeblich alle Formen des Mangels, unbeschadet der Tatsache, dass wir gut genährt sind und angemessen fette Autos fahren. Nur an einem mangelt es nicht: an Experten. Vor allem auf Facebook kann man sich jederzeit viel Meinung bei wenig Ahnung abholen. – Auf der Straße ist es wie beim Fußball: Während der WM sind alle Trainer. Wenn es um die B 85 geht, dann sind alle Autofahrer Straßenbauer. „Die ist ja gerade erst gebaut worden“, erzählt einer. – Die Fahrbahn, die saniert werden soll, stammt aus 2006, die Gegenfahrbahn wurde 2017 hergerichtet. Macht ja nix. Kleine Verwechslung. Nur noch schnell Geldverschwendung unterstellen und zum nächsten Schauplatz wechseln – Experten werden überall gesucht!
„Gibt gar keine Schäden“, behauptet der Nächste. Vermutlich sieht man die Risse nicht, wenn man mit 130 drüberdengelt. Wäre doch ein Lösungsvorschlag: Tempo 130 auf der B 85 – keine Schäden. „Alles Schmarrn“, behauptet einer in einem Anfall von Argumentationswut. – Wo er Recht hat...
