Eine Familie, drei Königinnen – und die Oma sorgt für den letzten Schliff

Drag Queens, Dauerwellen und durchgedrehte Stiere: Die Ruhfaß-Frauen aus Abensberg haben sich viel zu erzählen.
Die Schärpe hat ein ganz schönes Gewicht. Ein Anstecker reiht sich an den nächsten. Amelie Ruhfaß hält am Ende ihrer Zeit als Gillamoos-Dirndlkönigin stolz ihren Schatz in die Kamera. Bei Schwester Karolin ist die Schärpe noch nicht so voll. Wenig verwunderlich, denn Karolins Amt als Hallertauer Bierkönigin begann ja erst im Juli. „So eine Schärpe gab es bei uns gar nicht. Das war nur so ein Trauerflor“, lacht hingegen die Mama, die 1990 als Barbara Ingerl als Festkönigin für das Kelheimer Volksfest amtierte.
Eine Familie, drei Königinnen, eine jede mit ihrem eigenen „Reich“. In ihrem Amt kommen sich die Schwestern freilich nicht in die Quere, auch, wenn sie sich in den vergangenen Wochen auf so manchem Auftritt begegneten.
Amt wie geschaffen
Während Amelie für ihre Heimat Abensberg unterwegs ist und ihre Amtszeit zusammen mit ihrer Stellvertreterin Seraphina Krause langsam zu Ende geht, präsentiert Schwester Karolin „ihr“ Mainburg, den Ort, in dem sie arbeitet, in dem sie mittlerweile lebt und wo sie auch ihren Freundeskreis hat. „Ich wollte eigentlich nie Königin werden“, sagt Karolin, „Ame war eigentlich immer die Prinzessin.“ Aber als sie dann ihre Schwester begleitet und sieht, wie glücklich sie mit ihrem Amt ist, fängt sie Feuer. „Und das Amt der Hallertauer Bierkönigin war ja wie geschaffen für mich“, so Karolin. Ein Gremium entschied über die fünf Bewerberinnen, „die Wahl läuft da ein bisschen anonymer ab als in Abensberg, der Trubel hier wäre nichts für mich“, sagt sie. Gillamooskönigin zu werden, der Schwester nachzueifern, das sei nie eine Option für sie gewesen.
Für Amelie wiederum war es ein langgehegter Traum, der sich erfüllte. Die vergangenen Monate waren voller Erlebnisse. „Seraphina und ich waren bei einem Fernsehdreh und haben hinter den Kulissen auch Roland Kaiser und Florian Silbereisen kennengelernt“, sagt sie Die seien beide recht nett gewesen. Noch netter fand sie allerdings die Drag Queens, mit denen die beiden Gillamoos-Queenies ihre Garderobe teilten. „Die nahmen mit ihren Perücken und Kostümen gleich den ganzen Platz ein. Aber es war sehr unterhaltsam“, der lange Drehtag und das Warten auf amüsante Weise durchbrochen.
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Eine Erfahrung ganz anderer Art machte Ruhfaß dann in St. Gilles, der Partnerstadt von Abensberg. „Wir standen vor dem Hotel und konnten nicht rein. Dafür gab es die Vorwarnung, dass wir uns nicht wundern sollen, wenn Stiere frei rumlaufen“. Ruhfaß und Krause erlebten hautnah die Stierrennen in Südfrankreich. Über 90 Auftritte hat Amelie Ruhfaß hinter sich, ist mehr als 10.000 Kilometer gefahren. Ihrer Schwester Karolin steht all das noch bevor. „Viele Leute wissen gar nicht, was die Mädels alles erfahren und erleben“, sagt Mama Ruhfaß. Von ihren Erlebnissen erzählt ein Buch, das sie eigens für den Pressetermin wieder hervorgekramt hat.
Bücher als Erinnerung
„Ich hab das schon fast vergessen“, sagt sie schmunzelnd und blättert mit Tochter Amelie in den Queeniebüchern, in denen sich andere Königinnen oder auch die eine oder andere Berühmtheit eintragen dürfen. „Bei mir ist der Thomas Gottschalk drinnen“, erzählt die Mama. Dauerwelle und, statt Diadem, eine Krone auf dem Kopf, dazu ein Kleid mit Puffärmeln: So posiert sie 1990 vor der Befreiungshalle. Während die jungen Frauen heute aus einem großen Angebot an Dirndl wählen können, musste die junge Barbara Ingerl von Kelheim bis nach Schierling fahren, um beim Kössinger einzukaufen. In den 1990ern waren Dirndl und Tracht bei den jungen Volksfestbesuchern eher out. „Das Dirndl habe ich aus eigener Tasche bezahlt“, erinnert sie sich. Dafür hatte die Mama einen Chauffeur.
Viele Einzelheiten mag Barbara Ruhfaß bereits vergessen haben, aber das schöne Gefühl das bleibt – und das hat sie wohl auch ihren Töchtern vermittelt.
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