Probelauf für spektakuläre Fassade: Regensburger Gebäude wird optisch zum Korallen-Riff

Im Schablonen-Verfahren werden 1000 Elemente zu einer Struktur an einem Bürogebäude in Regensburg verbaut. Weil das schnell gehen muss, übten die beteiligten Firmen jetzt schon den Ablauf. Auch der neue Restaurant-Betreiber steht schon fest.
Spektakulär sieht die neue Fassade selbst in Weiß aus: Am Dienstag gab es einen Probelauf für eines der sicherlich spannendsten Architektur-Projekte, die derzeit in Regensburg umgesetzt werden. An dem neuen Bürogebäude in der Fritz-Fend-Straße wurden vier Elemente an das Skelett montiert, das das Gebäude bereits umgibt: Dabei ist der Clou des Gebäudes, das „Be Orange“ heißt und dementsprechend auch eine orangene Fassade bekommen wird, noch gar nicht zu sehen gewesen. Die vier Einzelteile wurden nämlich noch in Weiß installiert – die Farbe aber kommt, so Eigentümer Stephan Schimpel.
„Das war ein Ablauftest“, sagt Schimpel zur Mittelbayerischen. „Die Unterkonstruktion hängt bereits und wir müssen insgesamt 1000 Teile anliefern lassen, die sehr schnell verbaut werden müssen.“ Zwischen jedem der insgesamt 1000 Teile gebe es einen Spielraum von etwa zwei Zentimetern. Der darf nicht überschritten werden, denn pro Element dürfen die Firmen, die die Fassade anbringen, jeweils nur zwei Minuten brauchen. So jedenfalls sei laut Schimpel die Zeitvorgabe, wenn die spektakuläre Fassade aufgezogen wird.
Und das erklärt der Bauherr so: „Auf einen Lastwagen passen 40 dieser Elemente, insgesamt sind es 1000, die verbaut werden – wir müssen also sehr schnell sein, um die Behinderungen auf ein Mindestmaß zu beschränken.“ Deshalb hat man sich für den Probelauf entschieden, damit sich die beteiligten drei Firmen abstimmen können. „Das ist quasi Schablonenarbeit“, sagt Schimpel, „und das war heute die Generalprobe dafür.“
Orange wird dunkler
Die Resonanz auf die Fassade ist von Seiten der Mieter bislang sehr gut. „Wir bekommen von den Firmen, die auch wachsen wollen und Mitarbeiter brauchen, die Rückmeldung, dass die Arbeitsumgebung sehr wichtig ist.“ Das Ambiente eines Arbeitsplatzes zähle heutzutage eben auch.
Einfach war es allerdings nicht, in Regensburg für einen frischen Wind in Sachen moderner Architektur zu sorgen. So musste der Investor im Gestaltungsbeirat kämpfen. Dort schrieben ihm die Architekturwächter ins Stammbuch, er solle sich doch mehr an der mittelalterlichen Stadt Regensburg orientieren. Dabei war das Gremium zunächst sehr angetan von der Fassade, nannte den Architekten, Johannes Berschneider aus Neumarkt, gar „einen Erfinder“.
Doch in der nachfolgenden Sitzung befassten sich die Architekturhüter – die in der Vergangenheit immer wieder selbst in der Kritik standen für so manche Entscheidung – mit der korallenartigen Struktur und gaben dem Eigentümer und seinem Architekten auf den Weg, das Orange dunkler zu gestalten. „Das haben wir gemacht“, sagt Schimpel, tritt aber auch Gerüchten entgegen, die Fassade würde gar nicht orange werden. „Das wird sie“, verspricht der Investor.
Gastronom ist gefunden
Dafür, dass sich die Mieter wohlfühlen, soll auch eine gehobene Gastronomie in dem Gebäude sorgen. Bekannt wurde kürzlich, dass Sternekoch Anton Schmaus doch nicht die Gastronomie-Flächen des Bürogebäudes bespielen wird. Doch es gibt einen würdevollen Kandidaten, der in der Gastronomie-Szene der Region alles andere als ein Unbekannter ist. Doch sowohl Schimpel, als auch der Koch, der bereits eine gehobene Gastronomie im Landkreis betreibt, schweigen still und bitten auch die MZ darum. Nun, da wohl die direkt in der Nachbarschaft befindliche MZ-Redaktion zu den Kunden der neuen Gastronomie gehören wird, schweigen wir lieber – bis die Tinte auf dem Mietvertrag getrocknet ist.