Premiere in Nittenau: Para-Springreiter kämpfen um die Deutsche Meisterschaft

Von Cornelia Lorenz · 28. August 2024 um 17:00

Ein ganz besonderes sportliches Ereignis wird bald in Nittenau über die Bühne gehen: Am Gestüt Tiefenhof findet am 7. und 8. September die Deutsche Meisterschaft der Para-Springreiter statt – ein Event, das den Reitern und Reiterinnen sehr viel bedeutet.

Eine von ihnen ist Monika Reger aus Oberviechtach. Die 52-Jährige leidet an Morbus Bechterew, einer Erkrankung der Wirbelsäule, und ist darüber hinaus nach einem Unfall im Jahr 2015 gehandicapt: Damals wurde ihr von einem fremden Pferd, das ausschlug, der Unterschenkel zertrümmert. Vom Knie abwärts habe sie trotz mehrerer OPs kein Gefühl mehr im verletzten Bein sowie Probleme mit dem Sprunggelenk, sagt Reger.

Doch ihrer großen Liebe zu Pferden und dem Reitsport tut all das keinen Abbruch. „Aufgeben war für mich nie eine Option. Mein Pferd hat mir aus dem Tief herausgeholfen. Es ist mein Seelentröster“, sagt die 52-Jährige. Sie wolle den Menschen zeigen, dass es im Leben wichtig sei, nach vorne zu schauen, auch wenn man gerade ganz unten sei.

Schwierige Suche

Deshalb engagiert sich Reger auch in der Vorstandschaft des bundesweit aktiven Vereins „Springreiter mit Handicap“. Sie ist glücklich darüber, dass sie und ihre Vereinskollegen mit dem Gestüt Tiefenhof bei Nittenau einen Austragungsort für das einmal im Jahr stattfindende sogenannte Deutsche Championat der Para-Springreiter gefunden haben. Denn die Suche war langwierig und mühevoll gewesen.

Reger erklärte, woran eine Zusage scheitern könne. Viele Reiterhöfe hätten zum Beispiel ihrer Erfahrung nach Angst, negative Schlagzeilen zu kassieren, falls ein Reiter mit Behinderung während eines Turniers vom Pferd stürze. Deshalb sei man dem Gestüt Tiefenhof besonders dankbar, denn Familie Rödl habe auf Nachfrage ganz unkompliziert zugesagt, die Para-Springreiter zu unterstützen. „Die Entscheidung, die Meisterschaft auszurichten, stand eigentlich sofort fest. Wir freuen uns, wenn Reiter zum Beispiel nach Unfällen oder schwerer Erkrankung den Weg zurück aufs Pferd finden“ – so kommentiert Familie Rödl vom Tiefenhof den Schritt. Eine Meisterschaft für Reiter mit Handicaps sei großartig, weil eine Platzierung im normalen Starterfeld oft schwierig sei.

Und so werden am Wochenende vom 7. bis 8. September zahlreiche Reiter mit Handicap aus ganz Deutschland in Nittenau vertreten sein. Auf dem Tiefenhof finden laut Reger dann zwei Springwettbewerbe statt – einmal mit bis zu 80 Zentimeter hohen Hindernissen, einmal mit 90-Zentimeter-Hürden. Je nach ihrer körperlichen Beeinträchtigung werden die Reiter dem jeweiligen Wettbewerb zugeteilt.

Doch nicht nur Reiter mit Handicap sind an diesem Wochenende auf dem Tiefenhof zugange: Auf dem Turnier-Springparcours werden auch Reiter ohne Behinderung unterwegs sein. Die Teilnehmer mit Handicap werden allerdings für das Deutsche Championat der Para-Reiter extra gewertet. Gleichzeitig haben sie aber auch die Möglichkeit, sich zusammen mit den Reitern ohne Handicap werten zu lassen – und das „Standard-Turnier“ auch zu gewinnen.

Hoffnung auf Erfolge

Das Deutsche Championat in Nittenau ist für die Para-Springreiter in Deutschland ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem großen Ziel: Während die Para-Dressur offiziell anerkannt und bereits seit 1996 auch eine Disziplin bei den Paralympischen Spielen ist, ist dies beim Springen noch nicht der Fall. „Wir arbeiten auf die Anerkennung hin“, sagt Reger.

Sie selbst wird beim Deutschen Championat in Nittenau mit ihrer Stute Láska antreten, die sie mit viel Liebe ausgebildet hat. Und Regers Chancen auf einen Sieg stehen nicht schlecht: Die Oberviechtacherin hat bereits einen zweiten Platz bei den Deutschen und bei den Bayerischen Meisterschaften der Para-Springreiter geholt.