So steht es um den Naturfriedhof: Konflikt zwischen Stadt und Schlosswald GmbH schwelt mittlerweile seit vier Jahren

Gut vier Jahre dauert der Konflikt um den Naturfriedhof in Stefling nun schon an. Die beiden Streitparteien, Schlosswald-Gründer Jürgen Kölbl und die Stadt Nittenau, warten dringend auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts. Wie weit ist die Justiz bei diesem schwierigen Fall inzwischen?
Rückblick: Der Naturfriedhof Schlosswald wurde im Jahr 2015 in einem Waldstück nahe Stefling eröffnet und hat sich seitdem weit über die Landkreisgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Doch seit März 2021 ist auf dem rund 22 Hektar großen Areal nichts mehr, wie es einmal war: Die Stadt Nittenau, offiziell Trägerin des Naturfriedhofs, teilte Schlosswald-Geschäftsführer Kölbl damals mit, man wolle den Dienstleistungsvertrag mit ihm kündigen.
Zahlungsklage im Fokus
Dies sei nötig, weil der Bayerische Kommunale Prüfungsverband (BKPV) bei einer routinemäßigen Kontrolle der Jahresrechnungen Ungereimtheiten im Vertrag zwischen der Stadt und Kölbl festgestellt habe, so die Argumentation aus dem Rathaus.
Versuche der beiden Streitparteien, sich außergerichtlich zu einigen, waren bislang nicht von Erfolg gekrönt. Seit der Vertragskündigung durch die Stadt ist es nicht mehr möglich, Grabstellen auf dem Naturfriedhof auszuwählen. Lediglich an bereits vor diesem Zeitpunkt reservierten Stellen können noch Urnen beigesetzt werden. Das ist für viele Hinterbliebene eine schwierige Situation, da sie nun Verstorbenen ihren letzten Wunsch, auf dem Naturfriedhof ihre letzte Ruhestätte zu finden, nicht erfüllen können.
Doch wie geht es nun weiter? Immer noch warten die Stadt Nittenau und Kölbl auf einen Termin am Verwaltungsgericht Regensburg, das zunächst über eine Zahlungsklage Kölbls gegen die Stadt Nittenau zu entscheiden hat. Hier geht es um knapp 100000 Euro an Gebühren, die Kölbl von der Stadt verlangt.
Der Schlosswald-Geschäftsführer erklärte auf Nachfrage der Mittelbayerischen, die Situation für ihn sei weiterhin sehr schwierig. „Es ist jeden Tag ein Überlebenskampf“, so Kölbl. Trotzdem halte er den Betrieb am Friedhof so gut wie möglich aufrecht und kümmere sich um die Instandhaltung.
Interesse nach wie vor hoch
Er hoffe, dass der Gerichtstermin nun im Herbst über die Bühne gehen werde. Das Interesse der Bürger am Naturfriedhof sei weiterhin groß: Er habe mittlerweile rund 500 Interessenten, die gern eine neue Grabstelle reservieren würden und dazu nun auf Nachricht von ihm warteten, so Kölbl. Beim Verwaltungsgericht in Regensburg steht derweil noch kein Datum für die Verhandlung fest. „Es ist ein sehr komplexes Verfahren und das dauert seine Zeit“, erklärte Gerichtssprecherin Martina Förg.
Das ist auch für die Stadt Nittenau keine gute Nachricht. „Geduld haben wir auch keine mehr. Es ist schwer, immer auf einen ausstehenden Termin vor Gericht zu verweisen. Leider sind auch wir der Problematik der überlasteten Gerichte ausgesetzt“, kommentierte Bürgermeister Benjamin Boml (FW). Ein „Weiter so“ am Friedhof sei aber rechtlich nicht möglich. Der Stadt sei darüber hinaus von Seiten der Schlosswald GmbH mitgeteilt worden, „dass man an einer weiteren Zusammenarbeit nicht mehr interessiert sei“.
