Blaue Chips und Überraschungspakete: Automaten-Shop in Neunburg eröffnet

Von Renate Ahrens · 19. August 2024 um 19:00

In ein wahres Schmuckstück in der Altstadt von Neunburg kehrt Leben ein: Nachdem das historische Wohn- und Geschäftshaus am Jobplatz 1 umfassend saniert wurde, feierte nun der erste der beiden Läden im Erdgeschoss am Sonntag Eröffnung.

Bei „Candy and Chill Neunburg City“ handelt es sich um ein außergewöhnliches Konzept, das am ersten Tag, der auch verkaufsoffener Sonntag war, bereits die Aufmerksamkeit der Passanten erregte und gut besucht wurde.

Rund um die Uhr geöffnet

Das neue Geschäft ist ein an sieben Tagen und rund um die Uhr geöffneter Automaten-Shop mit Artikeln, die man laut Betreiber nicht überall bekomme, wie besondere Süßigkeiten aus aller Welt, Getränke oder E-Zigaretten.

Das sogenannte Mayer-Senft-Gebäude mit den Arkaden befindet sich zudem an prominenter Stelle: an einem Verkehrsknotenpunkt in der Innenstadt direkt am Kreisverkehr, der unlängst ebenfalls umfassend umgebaut worden war. Die Eigentümer, die Bauunternehmerfamilie Zwack aus Bad Abbach, befanden sich am Sonntag im Urlaub und waren daher zur Eröffnungsfeier verhindert. Die Pächter des neuen, rund 60 Quadratmeter großen Geschäfts, das Ehepaar Meryem und Deniz Düman aus Nittenau, freuten sich über das rege Interesse der Passanten, und auch Bürgermeister Martin Birner kam zur Eröffnung mit einem Geschenk und gratulierte.

Mit Erfolg betreiben Meryem und Deniz Düman bereits in Nittenau einen ähnlichen Laden, der sehr gut angenommen werde, wie sie betonen. Vor allem die 24-jährige Meryem Düman kümmert sich um den laufenden Betrieb, während ihr Mann Deniz hauptberuflich im Verputz- und Trockenbaubetrieb seines Vaters tätig ist. Zweimal täglich füllt Meryem Düman die verschiedenen Automaten auf und sorgt für Sauberkeit und Ordnung.

Schon immer haben die neuen Pächter einen Bezug zu Neunburg, wie sie erklären, denn dort wohnt ein Teil ihrer großen Familie, die aus der Türkei stammt. Meryem und Deniz Düman wurden in Deutschland geboren und sind in Nittenau aufgewachsen – und kennen sich daher dort bestens aus. „Gerade nach 22Uhr gab es in Nittenau und in Neunburg vorm Wald bisher nichts zu kaufen“, erklärt der 31-Jährige seine Idee, in beiden Städten Automaten-Shops zu eröffnen. „Hier kann man auch verweilen, etwas essen und trinken und chillen.“

Die Produkte, darauf legen die Betreiber Wert, seien „billiger als an der Tankstelle“. Außerdem bekomme man vieles woanders gar nicht: Das bestätigen auch Kunden, vor allem Jugendliche, die den Inhalt der Automaten am Sonntag inspizierten. Eine Neunburger Familie mit den Zwillingen Lukas und Lisa zum Beispiel findet den Laden gut. „Das habe ich auf Youtube gesehen“, sagt Lukas eifrig und deutet auf blaue Chips aus den USA – die tatsächlich blau sind. Natürlich müssen sie probiert werden.

Retouren aus Versandhandel

Lisa entscheidet sich begeistert für eine Packung Fertignudeln aus Korea, die man nur im Wasser heiß machen müsse. Ungewöhnlich sind auch die „Überraschungspakete“ ab 15,50Euro, deren Inhalte aus Retouren von Versandhändlern stammen. Ein Kunde öffnete am Sonntag eines und fand darin eine Handnähmaschine.

Alle Automaten, so bestätigt Familie Düman, seien gekühlt. Alkohol und E-Zigaretten erhalte man nur gegen Vorlage des Ausweises. Im Laufe der nächsten Zeit wolle man das Angebot noch erweitern und eventuell anpassen. Bereits jetzt steht außerdem ein Boxautomat zur Unterhaltung im Laden. Deniz Düman schwebt noch ein Cocktail-Automat vor.

„Interessant“ findet die 13-jährige Lina aus Oberfranken, die hier Urlaub macht, das Geschäftskonzept. Ihre Oma habe ihr von der Neueröffnung erzählt – und sie wollte den Laden gleich mit eigenen Augen sehen. Bürgermeister Birner lässt sich ebenfalls genau die Produkte erklären und probiert etwas aus einer Packung Nerds aus den USA – süße bunte Kaubonbons. „Spannend“, so findet auch er und lobt: „Das neue Geschäft ist eine Bereicherung für Neunburg vorm Wald.“ Die beiden Läden würden eine weitere Belebung in der Altstadt bedeuten.

Die zweite Gewerbefläche ist noch leer, und es ist nicht bekannt, was dort demnächst einziehen wird. Die Obergeschosse des denkmalgeschützten Gebäudes, das komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen ist, wurden zu Wohnungen umgebaut. „Die Sanierung ist äußerst gelungen“, lobte Birner, und die Gäste am Sonntag stimmten zu.

Das Gebäude am Jobplatz 1 wurde umfassend saniert. Heute ist es wahres Schmuckstück. Foto: Renate Ahrens