SSV Jahn hat jetzt Hertha im Blick – Das Warten auf den Pokalgegner dauert bis 1. September

Von Claus Wotruba · 19. August 2024 um 11:49

Bundesligist Bochum aus dem Pokal geworfen: Der Lohn für den SSV Jahn ist, dass es auf alle Fälle noch mindestens einen Pokalauftritt Ende Oktober in Runde zwei gibt. Die Fans wünschen sich das große Los: Kommt der FC Bayern? Oder Borussia Dortmund? Oder Leverkusen? Doch erstmal heißt es warten.

Andreas Geipl ballte die Faust zum Jubel. Nein, nicht nach dem Siegtor gegen Erstligist VfL Bochum, das das Tor zur zweiten Runde im DFB-Pokal öffnete. Auch nicht, weil etwa der Schlusspfiff ertönt wäre.

Nein, Geipl hatte sich – ganz wie es sich für ein Kapitän als Vorbild geziemt und es so viele seiner Fußballer-Teamkollegen des SSV Jahn Regensburg nach dem 1:0 taten – in einen Zweikampf geworfen und mit seinem Einsatz nicht einmal eine Ecke verursacht, sondern sogar einen Abstoß herausgeholt. „Wenn du Defenspieler bist, feierst du jede Grätsche – gerade, wenn du so ein Spiel hast, dich in Bälle reinwirfst, 1:0 führst.“

Auslosung am 1. September

Der Lohn für die Regensburger ist, dass es auf alle Fälle noch mindestens einen Pokalauftritt Ende Oktober in Runde zwei gibt. Bei den Fans galoppieren selbstverständlich sofort die Gedanken: Kommt der FC Bayern? Oder Borussia Dortmund? Doublesieger Bayer Leverkusen wäre gewiss auch nicht schlecht. Zwei Wochen wird über den Gegner Unklarheit herrschen, bis am 1.September ab 17.10 Uhr im ZDF die Auslosung für die zweite DFB-Pokalrunde aus dem deutschen Fußball-Museum in Dortmund über die Bühne gegangen ist.

Den Jahnspielern kommen Wünsche aber nicht in den Sinn. „Wurscht, du musst jeden schlagen“, witzelt Siegtorschütze Florian Ballas, als wäre der Jahn ein Pokalfavorit. Wunschgegner? „Das wird ja ausgelost“, scherzt auch Andi Geipl und sagt im Ernst: „Das ist ganz egal. Freilich wäre ein ganz großes Ding cool, aber wir nehmen es, wie es kommt.“ Hat er denn mit gar niemandem eine Rechnung offen? „Nicht, dass ich wüsste“, sagt Geipl und rauscht ab in die Kabine, in der Feiermusik spielt wie der Titel von Klaus Lage, in dem es „Zoom“ macht hat.

Hertha BSC wartet

„Zoom“ soll es am besten weitermachen im Jahnspiel. Denn der nächste große Gegner steht schon vor der Tür: Am Samstag (13 Uhr) geht es bei Hertha BSC in Berlin wieder um Punkte im Kampf gegen den Zweitliga-Abstieg. Vielleicht verleiht ja der Pokalcoup Flügel und gibt einen Schub? „Ich hoffe“, sagt Jahn-Trainer Joe Enochs, der den Sieg auch auf „unsere Matchfitness zurückführte, die Bochum noch nicht hatte. Aber wir bleiben auf dem Teppich und bodenständig. Hertha hat heute 5:1 in Rostock gewonnen. Das muss man erst einmal schaffen. Wir wissen also, dass wir genauso eine Leistung wieder brauchen, wenn wir da bestehen wollen“, sagt der Jahn-Trainer. Eh logisch ist, dass auch Joe Enochs keinen Wunschgegner hat. „Das ist wirklich egal. Es geht nur um ein gutes Los für die Jungs. Denn Pokalspiele sind immer Highlights.“

Obwohl Joe Enochs natürlich aus eigener Erfahrung sehr wohl weiß, was so in richtiger Pokalknüller ist. Am 21. September 2004 war‘s, auch in der zweiten Runde, da erzielte Enochs noch als Aktiver für den VfL Osnabrück in der 19. Minute mit einem Traumtor, das in der ARD-Sportschau zum „Tor des Monats“ gewählt wurde, das 1:1 – gegen den FC Bayern München! Das verschafft ihm noch heute Wiedererkennungswert bei den Osnabrücker Fans, auch wenn das Spiel damals am Ende 2:3 verloren ging, weil dummerweise erst Claudio Pizarro für die Münchner doppelt traf und dann Roy Makaay in der 90. Minute den Siegtreffer draufpackte.

Gar nicht unwahrscheinlich, dass Joe Enochs auch so eine Wiederholung der Pokal-Geschichte genauso wieder gerne annähme, wie er es tat, als im Vorfeld der Partie gegen Bochum von Pokalcoup eins gegen Bochum aus dem Jahr 2003 die Rede gewesen war.

Gewonnen hat der SSV Jahn jedenfalls nicht von ungefähr. Der unterlegene Coach Peter Zeidler gab den Regensburgern jedenfalls alle guten Wünsche mit auf den Weg. „Es lag an der Stärke des SSV Jahn, der nicht nur gut vorbereitet war, sondern heiß war. Alle haben um jeden Meter Boden gekämpft.“