Jahn-Keeper Felix Gebhardt: „Das Vertrauen in uns wuchs von Minute zu Minute“

Die ganz großen Pokalcoups sind in der Vereinshistorie des SSV Jahn Regensburg wahrlich rar. Sieben Mal bei 21 Auftritten seit 1976/77 erreichten die Oberpfälzer die zweite Runde oder mehr. Erstligisten wurden dabei nicht arg oft eliminiert. Jetzt ist der Jubel wieder groß.
Wie vor 21Jahren im ersten Pokalduell mit dem VfL Bochum mit einem 2:1 warf der Zweitliga-Aufsteiger auch diesmal den erst nächsten Samstag in den Punktspielbetrieb startenden Erstligisten aus dem Wettbewerb.
Am 1. September wird bei der Auslosung im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund ermittelt, gegen wenn es am 29./30. Oktober in Runde zwei geht. Fakt ist: Rund 420.000 Euro Prämie aufs Konto spülte der 1:0 (0:0)-Erfolg schon mal, den die Jahn-Fans unter den 12 581 Zuschauern im Jahn-Stadion bejubelten.
Es war eine Partie, in der durchaus auch Bochum in Führung hätte gehen können. „Gott sei Dank hatten wir Felix im Tor und er hatte einen überragenden Tag“, lobte nicht nur Trainer Joe Enochs Keeper Gebhardt, der einmal in der ersten und gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit gegen Maximilian Wittek überragende Paraden lieferte. „Wenn du da in Rückstand gehst, wird es brutal schwer“, urteilte Florian Ballas nach der Partie.
Schlecht für Bochum
Der Abwehrspieler war ein weiterer Protagonist des Tages. Gegen Dominik Kother hatte Bochums Torwart Patrick Drewes noch pariert, doch nach der anschließenden Ecke fiel der Ball Ballas vor der Füße, der ihn nach 70 Minuten unter die Latte zimmerte. Der Zeitpunkt für Bochum war alles andere als perfekt. Coach Peter Zeidler hatte da schon Myron Boadu und Agon Elezi am Spielfeldrand stehen, um sie einzuwechseln. „Wir wollten zulegen“, berichtete VfL-Coach Peter Zeidler und konstatierte ab da stattdessen: „Regensburg hat da gemerkt, wir können gewinnen. Das macht Kräfte frei und nach dem Tor war Regensburg noch euphorisierter.“
Der SSV Jahn hatte sich in die Partie getastet, durch die Hereinnahme von Robin Ziegele anstelle von Benedikt Saller im vergleich zum Ulm-Spiel die Defensive noch einmal gestärkt, um dem starken Zentrum der Bochumer Adäquates entgegenzusetzen. Das klappte. Trotzdem waren nicht alle rundherum zufrieden. Vor allem in der Offensive. „Die Formation wie heute hatten wir noch nicht so oft, trotzdem lief es relativ gut. Aber das Spiel nach vorne war in der ersten Halbzeit ausbaufähig. In der zweiten Hälfte kamen wir nach 15 Minuten besser ins Spiel“, schilderte Ballas seinen Blick, „Und Bochum war es nicht mehr so. Und dann lief es wie so oft: Wer das erste Tor macht, der gewinnt das Spiel.“
„Einmal im Schaltjahr passiert‘s“
Dass der 31-Jährige als Abwehrmann höchstselbst das entscheidende Tor markierte, war ihm egal. „Das ist wurscht“, auch wenn sein letzter Treffer länger her war . „Ich glaube, das war dritte Liga, Dresden.“ Ballas, der Mann für besonders wichtige Tore: „Einmal im Schaltjahr passiert‘s“, nahm sich der Torschütze auf die Schippe. „Aber das war eine absolute Mannschaftsleistung.“
Den Mutschub hatte schon eine Szene nach einer Stunde gehabt, als Kai Pröger den Pfosten anvisiert hatte und den Startschuss für den Glauben gab, dass der SSV Jahn Bochum ein zweites Mal aus dem Wettbewerb werfen könnte. „Ich hatte gerne mein erstes Tor geschossen, aber wir haben gewonnen, da verzichte ich dann gerne“, kommentierte der wieder auffällige Pröger, der zurückgezogener agierte als sonst. „Eigentlich ist mir das einen Tick zu defensiv. Aber der Trainer stellt auf.“ Auch er nahm wahr: „Die erste Halbzeit waren wir zu vorsichtig, in der zweiten haben wir das mutiger gemacht.“
Das Vertrauen wuchs
Und auch Felix Gebhardt war klar: „Als es solange 0:0 stand, wurde uns immer mehr bewusst, dass wir was holen können. So ist von Minute zu Minute mehr Vertrauen in uns gewachsen. Wir haben die Chance effizient ausgenutzt und uns danach wortwörtlich in alles reingeschmissen.“