Warum für den Bauherren Dattler der eine Vorbescheid eben nicht ist wie der andere

Von Stefan Weber · 16. August 2024 um 11:00

Karl-Heinz Dattler spricht über den geplanten Neubau in der Bad Kötztinger Marktstraße, Widerstände und die veränderte Planung, deren Realisierung in greifbare Nähe gerückt sei.

Immerhin hatte es gegen den zweiten Vorbescheid für das Bauvorhaben von Karl-Heinz Dattler an der Ecke Marktstraße und Schirnstraße in der August-Sitzung des Stadtrates nur noch drei, nicht vier Gegenstimmen gegeben wie drei Jahre zuvor. Geworden ist das Projekt aber bis heute nichts. Nun erklärt der Bauherr, was dieses Mal anders ist, das Vorhaben bis 2026 realisierbar erscheinen lässt. Im Gespräch mit unserem Medienhaus sagt er: „Wenn das jetzt noch kippt, dann wird in der Innenstadt gar nichts mehr gebaut.“

Es war der April 2021, als sich der Stadtrat erstmals damit beschäftigt hatte, was anstelle des ehemaligen Gasthauses Pfeffer und der Filiale des Schuhhauses Liebl geplant worden war. Der Antragsteller auf den Vorbescheid – der Vorstufe zum Eingabeplan – war damals derselbe wie heute.

Das „tote Kapital“

Erdgeschoss mit 700 Quadratmetern Gastronomie und vier weiteren Stockwerken, Tiefgarage mit Einfahrt über die Marktstraße und 19 Wohneinheiten – das waren die Eckdaten, über die die Stadträte damals zu sprechen hatten. Hauptargument für eine längere Diskussion war in der Sitzung damals aber weniger die Höhe, sondern die Einfahrt zur Tiefgarage, die über die Marktstraße geplant war. Erst später sei die Höhe zum Politikum geworden, sagt Dattler.

Erst gut zwei Jahre später habe er sich mit Blick auf das „tote Kapital“ in den beiden Gebäuden wieder gefragt: „Was geht? Verkaufen? Unrentabel – also, was macht man damit?“ Gelernt habe er aus den Erfahrungen von vor drei Jahren, dass gleich im Vorfeld alle Stellen, die später Einwände erheben könnten, mit eingebunden werden. Also nicht nur die Stadt und das Landratsamt – das Anfang des Jahres 2021 durchaus signalisiert habe, dass die Höhe kein Problem darstelle – sondern auch etwa die Städtebauförderung an der Regierung der Oberpfalz, und mit Blick auf die Gestaltungs-Satzung, die die Stadt ebenfalls erst im August verabschiedet hatte, auch deren Planer.

Es wurden die entscheidenden Veränderungen vorgenommen: Im Vergleich zum ersten Vorbescheid fehlten nun rund 250 Quadratmeter Fläche, ein komplettes Stockwerk und damit auch die vorgesehene Gastronomie, sagt Dattler. Außerdem wurde ein zweiter Kritikpunkt eliminiert, die Tiefgarage. Neben rund 100 Quadratmetern obligatorischer Gewerbefläche im Erdgeschoss zur Marktstraße hin, findet sich auf dieser Ebene nur noch der Parkraum für Fahrzeuge. Ginge gar nicht anders, hatte Dattler schon 2021 betont, da Zu- und Ausfahrt über die Schirnstraße, wie sie nun möglich sei, bei einer Tiefgarage größere Rampen-Bauwerke und dadurch weniger Platz für Fahrzeuge bedeutet hätte.

Alles Punkte, die selbst Barbara Wilnhammer, mit deren Further Büro die Stadt die Gestaltungssatzung entworfen hat, davon überzeugten, Kompromisse zu akzeptieren, die laut Satzung eigentlich problematisch wären: Angemerkt wurden die geplanten Loggien und die immer noch bestehenden Flachdächer der beiden größeren Wohnungen im obersten Geschoss. Letztere wären von der Markstraße aus nicht zu sehen, wie auch aus der Planung ersichtlich ist, und übrigens weitere 200 Quadratmeter Fläche gekostet habe, wie Dattler betont. Selbst Wilnhammer bewertete die Ansicht von der Schirnstraße aus, wobei das neue Gebäude dem bestehenden Modehaus Frey gegenüberliegen würde, in ihrer Stellungnahme als untergeordnet. „Loggien oder größere Balkone sind heute aber Standard und eigentlich sogar vorgegeben“, merkt Dattler an – zumal das Gebäude so, wie es sich auch Bürgermeister Markus Hofmann und der Stadtrat in Mehrheit wünschten, den Hauptzweck erfülle, Wohnraum in der Innenstadt zu schaffen.

Kein Verkauf geplant

Wohnraum, der übrigens von der Familie Dattler geschaffen werde, um anschließend vermietet zu werden. Im Gegensatz zum bestehenden Neubau eine Hausnummer unterhalb, sollen die 26 Wohneinheiten, die laut Vorbescheids-Plan zwischen knapp 60 und 80 Quadratmeter mit zwei bis drei Zimmer haben sollen (Ausnahme sind die beiden Wohnungen im obersten Stock mit je über 100 Quadratmetern), nicht in den Verkauf gehen, wenn sie in gut zwei Jahren bezugsfertig sein könnten.

Unter all diesen Vorzeichen, und nach allen Vorgesprächen, die an den verschiedenen Stellen bereits geführt worden seien, habe er dieses Mal auch keine Bedenken, auf ähnliche Widerstände wie vor drei Jahren mit seinem Vorhaben zu stoßen; Selbst wenn, wie im Jahr 2021„der Namensgeber eines Bad Kötztinger Architekturbüros im Hintergrund bereits wieder gegen das Projekt Einwände bei der Regierung der Oberpfalz vorgebracht hat, ohne es überhaupt zu kennen“, so Dattler, seien diese im Vorfeld heute schon abgeklärt, und das mache den nun ergangenen Vorbescheid eben ganz anders als den von vor drei Jahren. „Das stimmt mich doch sehr zuversichtlich“, schließt Karl-Heinz Dattler.

Seit über drei Jahren gibt es Pläne, das ehemalige Gasthaus Pfeffer (l.) und das Gebäude der ehemaligen Filiale des Schuhhauses Liebl (r.) abzureißen und einen Neubau zu realisieren – der Bauherr hat erst vor wenigen Tagen seinen bereits zweiten Vorbescheid durch den Stadtrat befürwortet bekommen. Fotos: S. Weber