Debatte um Anhebung der Altersgrenze bei der Freiwilligen Feuerwehr

Die Anhebung der Altersgrenze von 65 auf 67 Jahren bei den bayerischen freiwilligen Feuerwehren wird schon seit längerer Zeit diskutiert. Nun möchte das Innenministerium um Joachim Herrmann (CSU) bis Jahresende eine Abstimmung durchführen.
Schon jetzt befürworten sowohl der Gemeindetag als auch der Landesfeuerwehrverband die angesprochene Anhebung. Drei Feuerwehrmänner erklären, was die Änderung der Regel für sie bedeuten würde.
Auch Nikolaus Höfler, Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbandes Niederbayern und Kreisbrandrat des Landkreises Kelheim, begrüßt die Erhöhung der Altersgrenze. „Wenn man an die Zukunft denkt, dann sehe ich das als einen wichtigen Baustein, der uns weiterhilft, ähnlich wie den Jugend- und Kinderbereich.“ Für den 45-Jährigen wäre die beste Lösung, die Altersgrenze nicht nur auf zwei Jahre anzuheben, sondern sie gleich an das Renteneintrittsalter zu koppeln. „Die Meisten hören eh schon früher auf, aber wenn sich jemand noch fit fühlt, warum soll es ihm verwehrt bleiben, weiterhin mitzumachen?“
Altersgrenze mit Renteneintrittsalter koppeln?
Ähnlicher Meinung ist auch Franz Engl, Stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Cham. „Wenn man mit 67 noch arbeiten kann, sollte man auch sein Ehrenamt weiterführen dürfen“, betont der 41-Jährige. Wenn es um das Thema der physischen und psychischen Eignung geht, sind sich die Feuerwehrmänner ebenfalls einig. „Es hören schon viele vorher auf, weil sie selbst merken, dass es nicht mehr geht“, weiß Höfler. „Der gesunde Menschenverstand und die Eigenverantwortung sagt den Meisten, wann es Zeit ist aufzuhören“, ergänzt Engl.
Noch ist die Erhöhung der Altersgrenze in Bayern nicht beschlossen, bis Ende des Jahres soll über sie abgestimmt werden. Zuvor werden dafür die Vertreter der über 7400 freiwilligen Feuerwehren mit ihren knapp 330.000 Mitgliedern angehört. Dabei sein werden unter anderem der Landesfeuerwehrverband, der Gemeinderat sowie einzelne Vertreter der Bezirksverbände.
Unterstützung bei Tagesschichten und Jugendarbeit
Ein Feuerwehrmann, der von der Befürwortung der Erhöhung profitieren würde, ist Peter Volk. Der 64-Jährige könnte, sofern der Beschluss zum kommendem Jahr wider Erwarten nicht durchgehen sollte, nach seinem nächsten Geburtstag nicht mehr mit seinen Kameraden ausrücken. „Dabei fühl ich mich nach wie vor fit“, bekräftigt der Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein. Auch er fände die Anhebung grundsätzlich gut. „Viele Baby-boomer gehen mit 64 oder 65 vorzeitig in ihre Berufsrente. Da wäre es hilfreich, wenn sie die Feuerwehren noch zwei Jahre länger unterstützen könnten.“
In der Freiwilligen Feuerwehr Nußdorf im Landkreis Traunstein sind etwa zehn Prozent der 54 aktiven Floriansjünger im fraglichen Alter – da würden sich ein oder zwei Jahre länger durchaus bemerkbar machen.
Vor allem während des Tages, so Volk, würden die Kräfte gebraucht werden, da viele Feuerwehrkräfte zur Arbeit pendeln und dementsprechend länger zum Einsatzgebiet bräuchten. Einen weiteren Vorteil sähe er auch in der Zusammenarbeit mit dem Nachwuchs. „Die älteren Feuerwehrleute unterstützen die jüngeren und geben ihre Erfahrungen und ihr Wissen weiter.“
Weiterhin intensive Nachwuchsförderung
Die Jugendarbeit ist ein wichtiger Eckpfeiler der Freiwilligen Feuerwehren. Allein in Traunstein sind es über 2100 Jugendliche, die sich bei den 80 Feuerwehren im Landkreis engagieren. Der Jugend würde viel Programm geboten werden, wie etwa der Tag der Jugendfeuerwehr mit parallel stattfindenden Zeltlager. Denn, wie bei vielen Ehrenämtern der Fall, werden die Nachwuchskräfte auch bei den Freiwilligen Feuerwehren dringend benötigt. „Wir werden die Änderung, wenn sie da ist, mit Freude zur Kenntnis nehmen“, so der Pressesprecher des KFV, „Aber solange das noch nicht sicher feststeht, werden wir uns weiter intensiv um die Jugendgewinnung kümmern.“
Bei der Nachfrage um die Einsatztauglichkeit hat Peter Volk ähnliche Erfahrungen gesammelt wie seine Kollegen. „Eine gesundheitliche Eignung durch einen Arzt ist immer sinnvoll“, so Volk, „Aber ich vertraue da auf das Verantwortungsbewusstsein der Feuerwehrleute, dass sie wissen, wann für sie Schluss ist.“