Wenn ein Feld absichtlich brennt: So bekämpft die Feuerwehr Vegetations-Brände

Von Sebastian Pieknik · 15. August 2024 um 19:00

Mit dem Klimawandel steigt die Gefahr für Feld- und Waldbrände. Darauf will die Feuerwehr in Neustadt vorbereitet sein. Die extreme Hitze und das wenige Wasser sorgen dabei für Herausforderungen.

Felder stehen am Dienstagabend in Neustadt in Flammen. Dichter Rauch legt sich über die Fläche, die Sonne verschwindet dahinter und die Flammen schlagen innerhalb von Sekunden immer weiter auf den Acker über. Man kann das Feuer bei seiner Entwicklung beobachten. Dazu sengende Hitze von bis zu 36 Grad am Abend und obendrauf die stechenden Flammen. Zum Glück ist alles nur eine Ausbildung der Feuerwehr im Landkreis, die zwei Tage so echt wie möglich das Thema Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung unter Leitung von Kommandant Jürgen Bucher übt. Die Ackerfläche hat ein Feuerwehrkamerad zur Verfügung gestellt, um den praktischen Teil der Ausbildung so realitätsnah wie möglich zu üben.

Gefahren sind sehr groß

Laut Bucher sei es wichtig zu lernen, auch mit Handwerkzeug und Löschrucksäcken so viel wie möglich bewältigen zu können – gerade wenn wenig Löschwasser da sei. „Das muss trainiert werden bei den Leuten. Denn dieses Thema beschäftigt die Feuerwehren immer mehr und die Gefahr ist dabei sehr hoch.“ Bislang sei das Ganze eher stiefmütterlich behandelt worden.

Doch nun stehen die Feuerwehrleute buchstäblich in den Flammen und versuchen diese mit einem kleinen Löschrucksack mit 20 Liter Fassungsvermögen zu bewältigen. „Auch, wenn es nicht so wirkt auf den ersten Blick, sind diese Löschrucksäcke sehr effektiv“, sagt Bucher. Was komisch aussehe, sei bei der richtigen Anwendung hocheffizient.

In diesem Jahr war es, wenn es um das Thema Waldbrände geht, noch recht ruhig, aber die heiße Zeit steht erst noch bevor.

Damit im Ernstfall alles klappt, wird so echt und authentisch wie möglich geübt. Zu Beginn der Ausbildung gibt es den theoretischen Teil, wo verschiedene Spezialtechniken erklärt werden. Diese ist für den Einsatz auf einem Container oder in Boxen verladen, der im Ernstfall schnell zum Einsatzort gebracht werden kann. An Bord sind neben Löschrucksäcken auch verschiedene Rechen, Äxte, Schläuche, die gerade im unwegsamen Gelände wichtig sind.

Über drei Stunden wurden verschiedene Szenarien trainiert und auch die Teilnehmer waren dankbar, solch eine Ausbildung machen zu dürfen – immer im Hinterkopf, dass der trockene Sommer und die damit verbundenen Gefahren von Waldbränden noch bevor stehen. Unter den Teilnehmern ist auch Feuerwehrfrau Sonja Meier. Die Übung sei schon anstrengend, erzählt sie: „Man unterschätzt es eigentlich ganz schnell, weil neben der Hitze auch noch das Feuer dazukommt.“ Insgesamt hält sie die Übung für sehr sinnvoll.

Umgang mit Geräten lernen

Dass die Übung durchaus anstrengend ist, findet auch Dennis Nagel: einerseits wegen der vollen Feuerwehr-Montur, andererseits wegen der Hitze, die von überall her kommt. „Wenn man dann noch mit dem Rucksack und den Feuerpatschen arbeitet, dann schlaucht es ganz schön.“ Die Übung hält er auch für wichtig, weil die Gerätschaften sehr vielfältig seien. „Wenn man damit mal übt und dann das Ganze vielleicht in Fleisch und Blut übergeht, dann tut man sich leichter, wenn man einen Einsatz fährt.“

Laut Feuerwehrfrau Bettina Zinkl ist es zudem wichtig, trotz der dynamischen Lage den Überblick über das große Ganze zu behalten. „Wenn zum Beispiel der Wind dreht, kann es ganz schnell mal sein, dass die Trupps im Rauch stehen.“ In diesem Fall gehe wegen der Atemgifte des Rauches die Eigensicherung vor. Gerade bei der Hitze sei es zudem gut, wenn im Hintergrund schon eine Wechselmannschaft bereit stehe.

Am Boden brennt das Feuer und von oben brennt die Sonne: Die enorme Hitze ist für die Feuerwehrleute eine große Herausforderung.