Rüpel am E-Scooter: In Burglengenfeld ein reales oder doch nur ein gefühltes Problem?

Lorenz B. (Name von der Redaktion geändert) ist außer sich. Wiederholt hat er in den zurückliegenden Wochen Verkehrsverstöße festgestellt, die böse Folgen hätten haben können – und das mitten in der Stadt. Jugendliche hätten Gehwege und den Irlsteg mit dem E-Scooter befahren, teils „mit einem Affenzahn“. Das sei nicht nur verboten, sondern gefährlich. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis jemand zu Schaden komme, meint der Senior.
Besonders auffällig mit dem hippen Kleingerät auf zwei Rädern verhält sich nach Beobachtung von B. ein Grüppchen junger Migranten. Auf den terrassierten Trottoirflächen des Marktplatzes, aber auch in der Kallmünzer Straße oder auf dem Weg zum Naturbad müsse man sich vor ihnen in Acht nehmen, um nicht abgedrängt oder angefahren zu werden.
Ruf nach Ordnungshütern
„Es wäre an der Zeit, dass die Polizei dem Treiben eine Ende setzt“, sagt Lorenz B. Den Jugendlichen unterstellt er nicht mal böse Absicht. Vermutlich hätten sie schlicht keine Ahnung, dass es in Deutschland (noch) verboten ist, mit E-Scootern Fußwege zu nutzen.
Der stellvertretende Leiter des Inspektion Burglengenfeld, Polizeihauptkommissar Florian Beck, erklärt, über die von B. angesprochene Gruppe habe sich auf seiner Dienststelle noch niemand beschwert. Und im Unfallgeschehen spiele der E-Scooter, zumindest bisher, eine eher unauffällige, bis gar keine Rolle. Gleichwohl habe die Polizei den Umgang mit dem trendigen Fortbewegungsmittel im Blick. Auch das belege die Statistik. Seit Anfang 2023 seien immerhin zehn Anzeigen erstattet worden, weil es die Halter der Scooter versäumt hatten, für ihr Gefährt eine Versicherung abzuschließen.
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Und: Wenn die Besatzung einer Funkstreife einen Regelverstoß im Verkehr wahrnehme, „wird reagiert“, beteuert Beck. Die Beamten suchten dann das sachliche Gespräch und klärten auf. Häufig stießen sie auf Unwissenheit. Die Beamten würden die Gesetzeslage erläutern und versuchen zu sensibilisieren, ja erzieherisch einzuwirken. Manchem Scooter-Fahrer fehle nämlich vielleicht auch das Vorstellungsvermögen, was passieren könnte, wenn ihm plötzlich eine Person, die ein Ladengeschäft verlässt, in die Quere kommt.
Der Scooter, so Beck weiter, werde noch immer eher als ein Spielzeug betrachtet. „Aber er ist eben ein Verkehrsmittel, für das bestimmte Regeln gelten.“ Diese könnten sich freilich auch ändern, gibt der Polizeisprecher zu.
Geplante Gesetzesänderung ist umstritten
Erst kürzlich war bekannt geworden, dass das Bundesverkehrsministerium darüber nachdenkt, ein paar Schranken fallen zu lassen. Möglicherweise schon ab April kommenden Jahres sollen elektrische Roller in Fußgängerzonen und auf Gehwegen, die mit dem Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ gekennzeichnet sind, erlaubt sein. Sofort gab es allerdings heftigen Gegenwind. Kritiker sprachen von einer „groben Attacke“ auf Fußgänger.
Um Passanten in die Bredouille zu bringen, braucht es aber gar keinen Scooter. Ein gewöhnliches Fahrrad tut es auch. Wer Rücksichtslose auf ihr Fehlverhalten direkt anspricht, darf im Übrigen nicht auf Verständnis hoffen, im Gegenteil. So wie am Montag gegen 11 Uhr, nur wenige Meter von unserer Redaktion entfernt.
Unfälle mit dem Fahrrad hatten sich gehäuft
Als ein Radler, der einem Urlauber am Fußweg entgegenkam, auf den offensichtlichen Regelverstoß hingewiesen wird, bleibt der etwa 30-Jährige im Muskelshirt nach 20 Metern stehen, nimmt seinen Kopfhörer ab und ruft zurück, was denn los sei. Die Antwort kommentiert er abfällig: „Spinn weida!“ Dann macht er sich aus dem Staub.
Letztlich gefährden sich Fahrradfahrer häufig auch selbst. Weil sich 2022 Unfälle schmerzhaft gehäuft hatten, führte die Polizei Schwerpunktkontrollen durch. Dabei sei, so berichtete PI-Chef Franz Wenig damals, auf verschiedene Dinge besonders geachtet worden. Denn die illegale Nutzung eines Fußgängerwegs sei ja nur ein mögliches Fehlverhalten von vielen. Radler seien bisweilen auch als Geisterfahrer unterwegs oder würden, wenn sie sich unbeobachtet fühlten, vor Ampeln Rot missachten. Nicht zuletzt prüften die Beamten den Zustand der Drahtesel. Offenbar war der Aufwand nicht umsonst. Die Zahl der Unfälle ist zuletzt jedenfalls deutlich gesunken, bestätigt Polizeisprecher Beck.
