Heavy Metal für Einsteiger: Tollbach-Open-Air-Besucher geben Festival-Tipps

Das „Doiboch Open Air“ (D.O.A.) in Tollbach (Landkreis Kelheim) wächst und wächst. Bis zu 1000 Fans rockten heuer bei dem Metal-Festival ab. Damit sich künftig auch Szene-Neulinge zurecht finden, haben wir uns am Wochenende nach Tipps für Festival- und Metal-Neulinge umgehört.
• Kutte ist Pflicht – oder doch nicht? Ein passendes Outfit für das D.O.A. zu finden, ist nicht schwierig. Man zieht ein T-Shirt einer Band an, die man gut findet und fertig, erzählt uns Florian (22). Wenn man es allerdings ein bisschen ernster nimmt, dann „ist eine Kutte Pflicht“, sagt der Langquaider. Eine Kutte ist eine Weste aus Leder oder Jeansstoff, auf die man nach und nach Aufnäher, sogenannte Patches, von Bands näht. Idealerweise von Bands, die man auch mal live gesehen hat, sagt Bernd (45). Der gebürtige Kelheimer hat seine Kutte seit 30 Jahren und heuer um zwei Patches – eines von der Band Dust Bowl und eines vom D.O.A. – bereichert. Eine gute Kutte „muss aussehen, als hätte sie was mitgemacht“. Gewaschen wird sie nie – „die muss von selber stehen“, fährt Bernd fort. Seine Neffen Bastian und Michael basteln ebenfalls schon an ihren Kutten. Aber – da sind sich alle Festivalgänger einig, die wir zum Thema Kleidung befragen – ein „falsches“ Outfit gibt es nicht. Jeder kann tragen, was er möchte – Metalfans seien schließlich tolerant, so der Tenor.
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• Die Ausrüstung muss stimmen: Unser Reporter hat zum Campen nur ein Zelt, Schlafsack, Isomatte und Waschzeug dabei. Falsch, falsch, falsch, wird er von Ilona belehrt. Sie ist mit einer Freundesgruppe zum D.O.A. gekommen, ein halbes Dutzend junger Leute aus der Gegend um Siegenburg. Alle sind regelmäßige Festivalgänger, beispielsweise beim Alpenflair, Area 53 oder Sonne Mond Sterne. Mit leichtem Gepäck hält man auf einem mehrtägigen Festival nicht durch, sagen Ilona und ihre Freundinnen. Man braucht zunächst einen Pavillon als Sonnenschutz, und zwar einen guten, der UV-Strahlung abhält, weiß Ilona. Man brauch Ohrstöpsel, weil es immer jemanden gibt, der seine Musikbox die ganze Nacht laufen lässt.Und „guter Schlaf ist das Wichtigste – sonst ist jeder zickig“, wirft Corinna ein. Und da die sanitären Anlagen oft provisorisch sind – beim D.O.A. steht auf dem Campingplatz ein Dixi-Klo – sollte man Feucht- und Desinfektionstücher und idealerweise auch Toilettenauflagen dabei haben, raten die Freundinnen. Ede, der einzige Mann in der Gruppe, hat noch einen weiteren Tipp: Man sollte immer genug Eiswürfel dabei haben, weil warme Drinks nicht schmecken. Er hat zwei große Blöcke in seiner mit Sonnenstrom betriebenen Kühltruhe dabei.
• Die Familie mitnehmen: Das D.O.A. ist „ein Platz für die ganze Familie“, findet Besucherin Kathi aus Siegenburg: „Der Opa sitzt hinten im Zelt beim Kuchenessen, während der Papa und der Enkel in der Front Row Party machen“, fährt sie fort. Obwohl ein Großteil der Besucher gefühlt zwischen 20 und 40 ist, sieht man auch zahlreiche ältere Besucher und kleine Kinder. Carina (36) und Tobi (38), die im Pfaffenhofener Verein MetalCrew auch selber Festivals mitorganisieren, haben sogar den vier Monate alten Noah dabei – und dicke Ohrschützer im Gepäck, versteht sich.
• Auf die Einstellung kommt es an: Eigentlich bezeichnet Metal eine Musikrichtung – für viele D.O.A.-Besucher ist es mehr als das. Metal ist ein Lebensgefühl, bekommen wir immer wieder zu hören. Steffi Mirlach schaut mit dem Blick der Außenseiterin auf die Szene. Musikalisch ist die Tollbacherin eher der Typ „Antenne Bayern“. Aber sie hilft beim D.O.A. gerne mit, wie viele aus dem Ort. Mit rund 20 Frauen aus dem Dorf hat sie Kuchen gebacken, die auf dem Festival verkauft werden. Der Erlös geht an Sternstunden. Mirlach mag die Metal-Fans, die von überall her in ihr kleines Dorf strömen. „Die Leute sind super familiär untereinander“, sagt sie. „Es gibt keine B’suffanen oder Stänkerer.“ In der Szene hält man sich zu gute, das man zwar rau und wild aussieht, aber stets friedlich und freundlich ist. In Mirlach weckt das Festival mittlerweile den Lokal-Stolz: „Die Bands spielen überall auf der Welt – und in Doibach!“







