Ein Dorf packt an – für Heavy Metal

Tollbach. Auf dem Acker von Thomas Lederer im Hallertauer Hopfendorf Tollbach wächst dieser Tage nicht etwa Hopfen, Weizen oder Mais aus der Erde – sondern ein Festivalgelände mit Bühne, Würstl- und Bierzelten, Backstagebereich, Campingplatz, Duschcontainern und WC-Wägen. Denn das „Doiboch Open Air“ (D.O.A.; 8. bis 11. August) steht wieder vor der Tür.
Beim Ortstermin am Dienstagvormittag ist Mit-Organisator Lukas Landendinger gerade mit dem Aufbau der Bühnenelektrik beschäftigt. Eine Leihfirma liefert sechs fette Boxen, jede so groß wie zwei Reisekoffer, dazu Mehrfach-Boxen, die mit einer Kette am Flaschenzug zum Bühnendach hochgezogen werden. Metal muss laut sein. Eine gute Handvoll junger Männer packt mit an, allesamt Freunde und Bekannte.
Helfer aus dem Dorf
Einer von ihnen ist Manuel Wimmer, Elektromeister aus Wildenberg. Er stellt sicher, dass auf dem Festival, wo vieles selbst organisiert und manches Marke Eigenbau ist, zumindest bei der Elektrik alles mit rechten Dingen zugeht. Eine Leitung hat er vom anliegenden Wirtshaus (gehört Landendingers Eltern) hergelegt und eine provisorische vom Baustromanschluss.
Beim D.O.A. hilft Wimmer schon seit einigen Jahren mit. Dass die jungen Leute aus dem Dorf das Festival aus dem Nichts aus dem Boden gestampft haben, nötigt ihm Respekt ab: „Die haben es im Kreuz gehabt, dass sie genug Leute zusammenbringen.“
Denn hinter dem D.O.A. steht keine professionelle Veranstaltungsfirma. Sondern eine Gruppe junger Wacken-Fahrer um Landendinger, seine Freundin Julia Wöls und Michael Fischer. Als das bekannte Metal Festival in Schleswig Holstein während Corona nicht stattfinden konnte, hatten sie beschlossen, etwas Eigenes zu machen. Mittlerweile wird das Festival von dem Verein Metalheads Tollbach unter Vorstand Michael Fischer organisiert.
Was ursprünglich als größere Geburtstagsparty mit Metal-Anstrich begonnen hatte, wuchs rasch zu einem ausgewachsenen Festival heran. Erst kamen zwei Bands, im Jahr darauf vier und so weiter. Heuer umfasst das Lineup 18 Bands. Zu den bekanntesten dürften laut Landendinger The New Roses, Dust Bolt und Bonfire zählen.
Möglich ist das Fest in dieser Größenordnung, weil viele aus dem Dorf mit anpacken. Wie viele? „Das Dorf“, sagt Landendinger mit einem Augenzwinkern. Nun, gar so viele sind es nun doch nicht, schränkt Wöls ein. Aber ein Großteil der Aufgaben beim Festival wird von ehrenamtlichen Helfern von vor Ort gestemmt: Kasse, Würstl-Grill, Ausschank. Lokale Firmen wie die Schreinerei Lentner oder Wimmers MW-Elektro haben ebenfalls geholfen. Die Frauen aus dem Dorf haben heuer neu einen Kuchenstand ins Leben gerufen. Dort werden selbstgebackene Kuchen angeboten. Der Erlös geht an die Sternstunden, sagt Wöls.
Mehr Platz zum Campen
Jahr für Jahr kommen da und dort Neuerungen hinzu. Heuer wurde die Campingfläche verdoppelt, sagt Landendinger. Dafür haben Leute auf dem Dorf zwei Wiesen zur Verfügung gestellt. In vergangenen Jahr hatten schätzungsweise 150 Personen übernachtet. Heuer soll sichergestellt werden, dass auch für Last-Minute-Gäste ausreichend Platz zur Verfügung steht. Mit wesentlich mehr Andrang als im Vorjahr rechnet man indes nicht. Die Veranstaltung ist auch von den Auflagen her schon auf 1000 Besucher gleichzeitig begrenzt, sagt Landendinger. So orientiert sich auch der Biervorrat – 16 Paletten – am Verbrauch des Vorjahres. Plus ein bisschen Reserve, man weiß ja nie.

