Schwandorf ist seit zehn Jahren Fairtrade-Stadt: „Es ist nicht nur ein Titel“

Von Jan Lange · 11. August 2024 um 11:00

Seit zehn Jahren trägt Schwandorf den Titel Fairtrade-Stadt. Sie fördert damit den fairen Handel auf kommunaler Ebene. Das Siegel wurde seit 2014 alle zwei Jahre erneuert. Die Initiative ging seinerzeit von Stadtrat Alfred Damm (ÖDP) aus. Er blickt zehn Jahre nach der Erstverleihung im MZ-Interview auf das Projekt zurück.

Herr Damm, die Stadt Schwandorf ist seit zehn Jahren Fairtrade-Stadt. Ist es nur ein Titel, mit dem sich die Große Kreisstadt schmückt, oder hat das Siegel auch etwas bewirkt?

Damm: Ich denke schon, dass es nicht nur ein Titel ist. Das Siegel wird ja nicht einmalig vergeben, sondern muss alle zwei Jahre erneuert werden. Und nach zwei Jahren werden wieder die fünf Kriterien, deren Erfüllung für die Titelerneuerung erforderlich sind, geprüft.

Welche Kriterien müssen denn erfüllt werden?

Damm: Der Stadtrat muss einen Beschluss fassen, dass er fairen Handel unterstützt und dass die Stadtverwaltung selbst fair gehandelte Produkte verwendet. Außerdem muss eine bestimmte Anzahl an Läden und gastronomischen Betrieben Fairtrade-Produkte anbieten. Es muss ebenso eine Steuerungsgruppe existieren. Auch Fairtrade-Unterstützungsaktionen müssen stattfinden und die Medien darüber berichten.

Da sind Kriterien dabei, die sich nicht alle zwei Jahre ändern?

Damm: Das ist richtig. Der Beschluss des Stadtrates zur Unterstützung des fairen Handels muss nur einmal gefasst werden. Auch die Steuerungsgruppe wird einmal gegründet und besteht weiter. Es wird bei der Erneuerung darauf geschaut, dass eine solche Gruppe zum Beispiel nicht aufgelöst wurde. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf den Aktivitäten. Dazu gehört auch unser Faires Frühstück, das wir einmal im Jahr veranstalten.

Steht der Termin für das diesjährige Faire Frühstück fest?

Damm: Ja, im Rahmen der Fairen Wochen, die vom 13. bis 27.September stattfinden, laden wir am 13. September zum Fairen Frühstück auf den Brunnerhof im Ortsteil Richt ein.

Wie wird der Nachwuchs für dieses Thema sensibilisiert?

Damm: Mehrere Schulen sind als Fairtrade-Schule zertifiziert, so die Mädchenrealschule, die KMK-Realschule, die Grundschule Fronberg, die Mittelschule in Dachelhofen und der städtische Kindergarten. Sie müssen für diesen Titel genau wie die Stadt Kriterien erfüllen. Seit der letzten städtischen Zertifizierung sind die KMK-Realschule und die FOSBOS dazugekommen. Es freut einen, wenn es positiv nach vorne geht. Man muss aber dahinter bleiben, von alleine passiert nichts.

Spüren Sie angesichts der Inflation ein sinkendes Bewusstsein für den fairen Handel?

Damm: Bundesweit zeigen die Zahlen, dass der Umsatz mit Fairtrade-Produkten 2023 gestiegen ist. Erstmals lagen die Pro-Kopf-Umsätze bei mehr als 30 Euro. Vor einigen Jahren wurden im Schnitt nur 25 Euro für fair gehandelte Produkte ausgegeben. Es gibt natürlich Länder, in denen der Pro-Kopf-Umsatz für diese Produkte deutlich höher ist. Ich denke da beispielsweise an die Schweiz, wo jeder durchschnittlich 110Franken (116Euro) für fair gehandelte Produkte ausgibt.

Wie sieht es bei Schülern aus?

Damm: Bei den Veranstaltungen spürt man, dass sich die Schüler für die Probleme der Welt interessieren. Auch bei den Schulen habe ich den Eindruck, dass sie voll dahinter stehen. Fairtrade-Schule ist keineswegs nur ein Titel, mit dem sie sich schmücken wollen. Es hängt aber auch von den Personen in der Schule ab, die das Projekt dort betreuen.

Wird der Titel Fairtrade-Stadt in diesem Jahr wieder erneuert?

Damm: Das ist schon vor ein paar Wochen erfolgt. Mit dem Oberbürgermeister muss nun noch abgestimmt werden, wann das neue Siegel offiziell übergeben werden soll. Ich möchte mich beim OB bedanken, der immer hinter der Sache gestanden hat, und bei Sabine Brunner, die innerhalb der Stadtverwaltung das Projekt betreut.

War die Erneuerung des Titels von vornherein klar?

Damm: Es gab keine Diskussion darüber, ob die Stadt es wieder machen soll.

Welche Aufgaben stehen für die kommenden zwei Jahre an?

Damm: Es gibt Überlegungen, einen Eine-Welt-Laden in der Stadt zu eröffnen. Wir stehen diesbezüglich in Kontakt mit dem Eine-Welt-Laden in Teublitz, den es schon seit mehr als 25 Jahren gibt. Bei der Einrichtung hier in Schwandorf gibt es zwei Probleme: Das Geschäft muss von der Lage und der Miete passen. Und wenn der Laden betrieben wird, muss das auf ehrenamtlicher Basis erfolgen. Dafür soll ein Verein auf die Beine gestellt werden. Ziel ist es, dies bis zur nächsten Zertifizierung zu schaffen.

Wo sollte ein Eine-Welt-Laden angesiedelt werden?

Damm: Er sollte in der Innenstadt sein. Mit der Stadtverwaltung sind wir in Kontakt, um etwas Passendes zu finden. Aber wir brauchen nicht nur Räume, sondern auch den Verein, um den Laden betreiben zu können. Es muss Beides stimmen.

Das Gespräch führte Jan Lange.