Ob Bauförderung, Weihnachtsaktion oder Spielplätze – so familienfreundlich ist Schwandorf

Von Jan Lange · 29. August 2023 um 05:00

Die Zukunft einer Kommune hängt nicht nur von der wirtschaftlichen und städtebaulichen Entwicklung ab. Auch die Demografie ist entscheidend. Familienpolitik gewinnt deshalb an Bedeutung. Um jüngere Menschen anzulocken, bieten die Kommunen Förderungen an – so auch Schwandorf.

Die Große Kreisstadt ist dafür zur „familienfreundlichen Kommune 2022“ gekürt worden. Die MZ zeigt, was die Stadt so familienfreundlich macht.

Ein Bäumchen für jedes Neugeborene

Vor sieben Jahren, am 27. April 2016, wurden die ersten Bäumchen für Neugeborene gepflanzt. Mittlerweile findet die Aktion zweimal im Jahr, einmal im Frühjahr und einmal im Herbst, statt. Der Baum sowie eine zentrale Tafel mit den Vornamen und dem Geburtsdatum der Jüngsten werden von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt.

625 Bäumchen sind seit der ersten Aktion gesetzt worden. Allein 2022 waren es 123 Exemplare. Dafür wurden jeweils Flächen in den städtischen Wäldern ausgesucht. Bisher erfolgten die Pflanzungen im Bergwald bei der Bundespolizei und neben dem Waldspielplatz am Weinberg, erklärt Schwandorfs Pressesprecherin Maria Schuierer.

Die Idee, ein Bäumchen für jedes Neugeborene zu pflanzen, geht auf eine Anregung des Gartengestalters Jochen Surel zurück. Zur Geburt eines Kindes erhalten die Familien zudem ein Glückwunschschreiben des OBs und ein T-Shirt.

Gutscheine für Bedürftige bei Weihnachtsaktion

Damit auch bedürftige Familien zu Weihnachten eine Freude haben, gibt es die Weihnachtsaktion des Schwandorfer Hilfswerkes. In deren Rahmen erhalten die Kinder einen Gutschein über 70 Euro, den sie in Schwandorfer Geschäften einlösen können. Die Zahl der unterstützten Kinder ist zuletzt gestiegen: Waren es 2021 noch 323 Kinder sowie 17Heim- und Pflegekinder, lag sie laut Stadt im Folgejahr bei 458 Kindern sowie 20 Heim- und Pflegekindern. Der Wert der Gutscheine wurde auch auf 70 Euro erhöht.

Freikarten für Fahrgeschäfte, Bratwurstsemmeln oder ein Eis gibt es für hilfsbedürftige Kinder auch beim alljährlichen Pfingstvolksfest. Wie viele Freikarten dieses Jahr verteilt wurden, kann die Stadt nicht genau beziffern.

Familien können auch eine Ehrenamtskarte oder einen SAD-Pass erhalten. Während das Landratsamt für den SAD-Pass zuständig ist, wird die Ehrenamtskarte von der Stadt verliehen – seit 2011 waren es insgesamt 270, davon 41 goldene. Mit der Ehrenamtskarte oder dem SAD-Pass erhalten deren Inhaber Ermäßigungen bei allen städtischen Einrichtungen und bei fast allen städtischen Veranstaltungen. Familien mit zwei Erwachsenen und zwei Kinder kommen so zum Beispiel für zwölf Euro ins Erlebnisbad. Normalerweise liegt der Preis bei 16 Euro.

Schokolade und Bibliotheksausweis für Erstklässler

Am ersten Schultag besucht OB Andreas Feller (CSU) traditionell die Erstklässler. Jeder ABC-Schütze erhält dann vom Rathauschef eine Tafel Schokolade, eine fair gehandelte wie es sich für die Fairtrade-Stadt Schwandorf gehört. Der Schulanfang soll so etwas versüßt werden. Darüber hinaus gibt es für die Erstklässler einen kostenlosen Bibliotheksausweis.

Schwandorf fördert Bauwillige

Familien mit Kindern, die ein städtisches Baugrundstück erwerben, gewährt die Stadt einen Nachlass auf den Kaufpreis in Höhe von 5000 Euro je Kind. 2022 kamen immerhin elf Kinder in den Genuss dieser städtischen Förderung, was laut Schuierer einen Gesamtbetrag von 55000 Euro ergab.

Jede Familie, die in Schwandorf neu baut, erhält zudem einen Gutschein für den Kauf eines Baumes im Wert von 60Euro. Heuer haben dies nur zwei Familien in Anspruch genommen. „Das mag wohl auch daran liegen, dass dies vielen nicht bekannt ist“, vermutet die Pressesprecherin und ergänzt: „Wir wollen jedoch verstärkt für diese Aktion werben.“

Wer aus finanziellen Gründen nicht selbst bauen kann, kann auch eine vergünstigte Wohnung mieten. Die Stadt hat im eigenen Bestand derzeit 54 Mietwohnungen, davon elf geförderte. An der Friedrich-Hebbel-Straße entstehen momentan zwölf weitere geförderte Wohneinheiten.

Für Zugezogene gibt es zudem eine Neubürgermappe mit Infomaterial rund um Schwandorf, Gutscheine für eine kostenlose Stadtführung sowie ein RVV-Tagesticket.

Abwechslungsreiches Programm bei Familienwoche

Seit 2014 beteiligt sich die Stadt an der Familienwoche. Viele Vereine und städtische Einrichtungen bieten dann speziell für Familien ein Programm an. So konnte man beispielsweise den Oberbürgermeister begleiten, an einer kostenlosen E-Bike-Tour durch das Oberpfälzer Seenland teilnehmen oder eine Kanu-Tour auf der Naab unternehmen.

Stadt ist auch als Arbeitgeber familienfreundlich

Der Stadt ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch im eigenen Haus wichtig. Die eigenen Beschäftigten können unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle in Anspruch nehmen. Zudem bietet die Stadt ihren Angestellten Teilzeittätigkeiten – die Quote liegt bei mehr als 20 Prozent –, Home-Office, betriebliches Gesundheitsmanagement und Betriebssportgruppen an.

Fazit: Stadt will sich auf dem Erfolg nicht ausruhen

Auch wenn das Engagement für Familien mit der Auszeichnung in Gold gewürdigt wurde, will sich die Stadt laut OB nicht auf dem Erfolg ausruhen: „Es ist eine Aufforderung, unsere Stadt noch lebenswerter und familienfreundlicher zu gestalten.“

OB Feller bedankt sich für die Unterstützung der Weihnachtsaktion. Foto: Maria Schuierer, Archiv
Für Familien mit Kindern, die in Schwandorf bauen wollen, gibt es eine Förderung und einen Gutschein für einen Baum. Foto: Jan Lange
Der OB besucht die Erstklässler an ihrem ersten Schultag und hat ein kleines Präsent dabei. Foto: Mulzer, Archiv
Mehr als 600 Bäume wurden seit 2016 für Neugeborene gepflanzt. Die Aktion findet jeweils im Frühjahr und im Herbst statt. Foto: Mulzer, Archiv
Eine Kurzzeitbetreuung gibt es in der Spielstube. Nach einer zeitweisen Schließung soll es hier im September wieder losgehen. Foto: Lange, Archiv
Einen Wegweiser für Familien und Generationen hat die Stadt erstellt. Foto: Stadt Schwandorf