Rötz bereitet sich auf Flüchtlinge vor: Bis zu 40 Personen sollen im Thamer-Bräu einquartiert werden

Von Johannes Schiedermeier · 5. August 2024 um 17:00

Es gibt Fehler, die passieren nur einmal. Der Rötzer Bürgermeister Stefan Spindler ist gemeinsam mit Landrat Franz Löffler an die Presse gegangen, um die Bürger von Rötz darüber zu informieren, dass zum Jahresende die Unterbringung von bis zu 40 Flüchtlingen im Thamer-Bräu geplant ist. „Wir haben die Bürger 2011 nicht mitgenommen. Jetzt machen wir es öffentlich und es ist noch nichts unterschrieben.“

Landrat Franz Löffler stellte fest, dass die Unterbringung Teil der Bemühungen des Landkreises sei, Flüchtlingskontingente gerecht über die ganze Fläche aufzuteilen. Der Landrat zeichnete ein Bild von der politischen Großwetterlage in der Flüchtlings-Problematik: Die Grenzkontrollen hätten sich positiv ausgewirkt und dasselbe sei auch zu erwarten, wenn die EU die Abklärung des Flüchtlingsstatus’ an den Außengrenzen umsetze.

Tendenz leicht steigend

Derzeit gebe es rund 1200 Ukrainer im Landkreis und 2300 Flüchtlinge aus den Krisenregionen der Welt. Alle 14 Tage bringe der Landkreis derzeit Flüchtlinge unter. Gleichzeitig verzeichne man immer wieder Rückkehrer. Für die Ukrainer bestehe als Bürgergeldempfänger derzeit kein sehr großer Anreiz, zurückzukehren, solange Krieg herrsche. Allerdings seien sie frei, hinzugehen, wohin sie wollen und es gebe auch Wegzüge aus dem Landkreis in größere Städte sowie einzelne Heimkehrer.

Auch bei den anderen Flüchtlingen werde immer wieder die Möglichkeit genutzt, selbst Arbeit aufzunehmen. Auch dann werden im Landkreis wieder Plätze frei. „Unter dem Strich ist die Tendenz aber leicht nach oben“, so Landrat Löffler.

Nach dem Vorbild Bad Kötzting

Als vorbildhaft stellte der Landrat die Unterbringung im alten Bad Kötztinger Krankenhaus vor. Dort habe sich gezeigt, dass im gemeinsamen Engagement ehrenamtlicher und hauptamtlichen Betreuer das Geheimnis einer erfolgreichen Integration liege.

„Genau dieses Modell soll auch in Rötz umgesetzt werden. Der Landkreis wird dazu eine hauptamtliche Betreuungskraft beisteuern“, versprach der Landrat. Durch die Verteilung der Unterbringung über den ganzen Landkreis ergebe sich eine bessere Möglichkeit zur Eingliederung der Flüchtlinge in die Gesellschaft.

Kein großes Mitspracherecht

„Es gibt inzwischen schon Bewohner von Flüchtlingsheimen, die mit dem Fahrrad in jedes Fußballtraining kommen und inzwischen Leistungsträger in der 1. Mannschaft mancher Kommunen sind. Das erleichtert natürlich auch die Eingliederung“, so Löffler.

Dabei gebe es aber durchaus weiter Herausforderungen. Bürgermeister Stefan Spindler sei gerade dabei, diesen durch Vorarbeiten zu begegnen. „Wir wollten das Vorhaben in die Öffentlichkeit bringen, bevor wir unterschreiben“, sagte Löffler. Allerdings sagte er auch: „Ein großes Mitspracherecht von Stadt und Landkreis bei der Unterbringung gibt es nicht, weil es keine Baugenehmigung braucht. Die Voraussetzungen sind im Thamer-Bräu gegeben, zumal dort ja bereits Flüchtlinge untergebracht worden sind.“ Löffler geht davon aus, dass das Projekt Ende des Jahres spruchreif wird, obwohl noch Brandschutzanforderungen zu erfüllen sind.

Pluspunkt Ehrenamt

Großen Wert werde man darauf legen, dass die Flüchtlinge selbst Arbeiten verrichten und so die Kultur ihres Aufnahmelandes nachvollziehen lernen. „Sie sollen die Unterkunft selbst sauber halten und den Müll trennen. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, so der Landrat.

Auch die Leistungsfähigkeit der Stadt werde man berücksichtigen, wenn es um Schule, Kindergartenplätze und Arztversorgung gehe, versprach Löffler. Ein gutes Gefühl habe er, beim Blick auf die Integrationsfähigkeit der Stadt. Mit dem Rötzer Ehrenamt habe man bereits gute Erfahrungen gemacht.

Verantwortung übernehmen

Bürgermeister Stefan Spindler erklärte, dass er bereits bei den Vereinen und den ehrenamtlichen Mitarbeitern unterwegs sei und schon einige positive Rückmeldungen bekommen habe. Der Stadtrat habe bereits nichtöffentlich über die Unterbringung gesprochen. „Wie gesagt, unsere Entscheidung ist es nicht. Aber wir sind uns einig, dass wir unserer Verantwortung gerecht werden wollen.“

Spindler stellte aber auch klar, dass es nach wie vor das Ziel der Stadt sei, in einem sanierten Thamer-Bräu wieder ein Gasthaus zu haben. Nach dem Wunsch des neuen Besitzers, dort zwischenzeitlich Flüchtlinge unterzubringen, habe man dem zugestimmt, zumal sich einige andere Unterbringungen in Ortsteilen zerschlagen hätten. „Wenn jetzt dort ein angemessener Brandschutz entsteht, dann ist das auf einem Weg zu einem Wirtshaus ja auch kein Hindernis – im Gegenteil“, so der Bürgermeister.

Hilfe von Verein und Ehrenamt

„Wir schreien nicht Hurra, dass es jetzt so gekommen ist, sehen aber auch die Verantwortung, die wir haben. Ich sehe meine Aufgabe als Vermittler zwischen den Interessen“, so Spindler. Bisher habe man 47 Flüchtlinge in Familien untergebracht und die Stadt bemerke dort kaum etwas. Das sei auch eine optimale Form der Integration. Jetzt werde man sich den Herausforderungen einer Sammelunterkunft stellen. „Daraus darf keine Parallelgesellschaft werden“, fordert der Bürgermeister. Allerdings hätten nun schon etliche Vereine und Bürger zugesagt, ehrenamtlich ihre Erfahrungen einzubringen. „Diesmal wollen wir die Bürger mitnehmen“, so der Bürgermeister