Röchling schließt Werk in Mainburg – 100 Arbeitsplätze betroffen

Die Firmengruppe Röchling Precision Components schließt ihr Werk in Mainburg (Landkreis Kelheim) bis Ende 2024. So steht es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Bestehende Projekte und Produktionsaufträge sollen demnach von den Standorten in Weidenberg und Pitesti (Rumänien) übernommen und weitergeführt werden.
„Der Hersteller von Kunststoff-Präzisionskomponenten für den Automobilbereich stellt sich mit diesem Schritt langfristig wettbewerbsfähig auf“, heißt es in dem Schreiben. Die veränderte Marktlage mache dieses Vorgehen notwendig. Diese habe sich in den vergangenen Jahren für europäische Akteure zum Nachteil entwickelt.
Mitarbeiter und Betriebsrat bereits informiert
Mitarbeiter und Betriebsrat wurden bereits von der Geschäftsführung über diesen Schritt informiert. Von der Werkschließung sind laut Firmenangaben rund hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen so weit wie möglich verhindert werden.
„Für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kann ich versichern, dass wir gemeinsam individuelle Lösungen erarbeiten“, ist von Sabine Trautner, im Unternehmen Direktorin für Human Resources, zu hören. Die Firma stehe zu seiner Verantwortung für die Mitarbeitenden. Laut Andreas Blaser, Bezirksleiter der Industriegewerkschaft BCE, ist seine Organisation in die entsprechenden Gespräche eingebunden. Möglich wäre beispielsweise, eine Transfergesellschaft zu gründen.
Kunden könnten sich laut Unternehmen darauf verlassen, dass man seinen Lieferverpflichtungen nachkomme. Die Transformation in Richtung Elektromobilität führe zu einer Stärkung von Anbietern außerhalb Europas, worunter der hiesige Automobilmarkt leiden werde. So heißt es weiter in der Pressemitteilung.
Gravierende Unterauslastung
Blaser spricht von Aufträgen eines großen Elektromobilherstellers aus den USA, die weggebrochen seien. Seit Beginn der Corona-Pandemie gebe es laut Presseerklärung signifikante Umsatzeinbrüche. Darauf müsse das Unternehmen reagieren.
Für den Standort Mainburg erwarte die Geschäftsführung in den kommenden Monaten und Jahren eine gravierende Unterauslastung – und somit hohe Verluste. „Die Entscheidung für die Schließung des Werks ist daher gleichzeitig eine Entscheidung für die Sicherung von Arbeitsplätzen in der gesamten Firmengruppe“, heißt es in dem Schreiben.
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Mainburgs Bürgermeister Helmut Fichtner spricht gegenüber dieser Zeitung von einer „beunruhigenden Situation, wenn Gewerbe und damit Arbeitsplätze wegfallen“. Er habe noch vor der Belegschaft durch die Geschäftsführung von deren Plänen erfahren. Sofort habe er sich bereiterklärt, zu helfen – beispielsweise durch Vorsprache beim Wirtschaftsministerium, um von dort Unterstützung zu erhalten.
Das sei abgelehnt worden, weil die Firmenleitung darin wohl keinen Sinn mehr sehe. Das zeigt auch die Sichtweise, die Managing Director der Unternehmensgruppe Franz-Jürgen Seltenhofer in der Pressemitteilung kundtut: „Wir haben bereits während der Corona-Pandemie mit vielen Maßnahmen auf die rückläufige Umsatzsituation reagiert. Leider war das nicht ausreichend, um die Produktionsrückgänge zu stoppen.“ Deshalb sei die Werkschließung in Mainburg unvermeidbar. Nur so könne man seine Kapazitäten an die veränderte Marktlage anpassen und für das Unternehmen eine gesunde wirtschaftliche Basis schaffen.
Der älteste Standort
Fichtner berichtet, ihm sei erklärt worden, dass es sich eben um den ältesten Standort der Firmengruppe handle, in dem auch keine topaktuellen Teile mehr hergestellt würden. Das Mainburger Sortiment sei am deutlichsten von den Umsatzeinbrüchen betroffen.
Das Unternehmen produziert in Mainburg seit 1997 insbesondere Kunststoffkomponenten aus Spritzguss. Die Firmengruppe wird sich künftig nicht mehr allein auf die Fahrzeugbranche konzentrieren, sondern auch in andere Industriebereiche einsteigen. Dadurch solle die Abhängigkeit von der Automobilindustrie vermindert werden. Neue Produktionstechnologien und eine Optimierung der zu verarbeitenden Materialien werden Bestandteil der strategischen Neuausrichtung sein.
Die örtliche Werksleitung wollte sich gegenüber dieser Zeitung nicht zur Lage äußern.