„Ritterschlag“ für FreiRäume in Bad Kötzting: Konzept soll auf andere Orte übertragen werden

Von Stefan Weber · 5. August 2024 um 11:00

Im März vergangenen Jahres verschafften sich Lisa Ditz und Lisa Späthe erstmals einen Überblick über die Zahl der Leerstände in der Innenstadt von Bad Kötzting. Sie sollten mit Ideen helfen, mehr Leben zwischen Markt- und Gehringstraße zu bekommen – und sind jetzt so weit, dass sie bei den Bad Kötztingern das Konzept anfragen.

Ditz und Späthe haben nun nämlich eine Frage an die Initiative der FreiRäume in Bad Kötzting herangetragen, die auch deren Mitglieder selbst überrascht hat. Nachdem mehrere leerstehende Ladengeschäfte innerhalb der vergangenen anderthalb Jahre neue Mieter gefunden haben, stellen sie die Frage: „Könnte man das Konzept nicht auch auf andere Orte übertragen?“ Die Fragenden sind zu Gefragten geworden.

Übertragen nicht einfach

Was die Mitglieder der FreiRäume erst einmal überrascht, kann Bürgermeister Markus Hofmann sehr gut verstehen: „Würde die Stadt jemanden einstellen, der diese Arbeit machen soll, dann würde die Person nichts anderes machen, als ein Netzwerk aufzubauen, aber keine Flächen neu beleben“, sagt er. Warum es genau darum aber schwierig werden könnte, die FreiRäume in Bad Kötzting als „Blaupause“ für andere Orte zu übernehmen, bringt Matthias Wutz, auf dessen Anregung Ditz und Späthe auf Einladung des Vereins Stadtmarketing im vergangenen Jahr überhaupt in die Stadt gekommen waren, auf den Punkt: „Das funktioniert bei uns, weil wir sind, wer wir sind: Wir sind lauter Leute, die coole Sachen machen wollen und können“, sagt er. „Wenn das wo anders gemacht werden würde, sähe das auch ganz anders aus.“

Denn das gehört auch zur Wahrheit der FreiRäume, halten die fest: Bislang werden Designs, Homepage, Aktionen wie Pop Up Stores und Konzerte in leerstehenden Geschäften und die Präsentation der Räume für Interessierte komplett im Ehrenamt durch die Mitglieder erledigt.

Besser als eine Agentur ...

Dass das Konzept der FreiRäume „besser ist als alles, was eine Agentur entwerfen könnte“, das wird auch im Rathaus gesehen. „Ein Hauptberuflicher von außerhalb, der hätte die Ideen gar nicht, würde aber gut 70 000 Euro im Jahr kosten“, schätzt der Bürgermeister.

Das weiß natürlich auch das Heimatunternehmen, weshalb Lisa Ditz und Lisa Späthe in Aussicht stellen, dass die FreiRäume ihr Konzept, das ehrenamtlich ja von Profis vor Ort entwickelt worden ist, nicht unentgeltlich weitergegeben werden soll. Ein Thema, das intern erst noch besprochen werden muss – vorstellen wird Matthias Wutz das Konzept aber schon einmal sicher, und zwar am 31. August und 1. September in Zwiesel. Da wird es in der Stadt ein Pop Up Kaufhaus geben, wobei die Stadt im unteren Bayerischen Wald schon länger mit dem Heimatunternehmen zusammenarbeitet als die FreiRäume in Bad Kötzting.

Das erfolgreiche Konzept quasi in Lizenz zu vertreiben, würde den FreiRäumen bei einem anderen Problem helfen, das es immer noch gibt: Das der Finanzierung. Zwar gab es über die Wirtschaftsförderung des Landkreises schon einmal 3000 Euro, doch das wiegt die geleistete Arbeit bei weitem nicht auf.

Ende September wird sich die Initiative darum auch noch beim Bayerischen Stadtmarketing-Preis in München präsentieren. Carola Höcherl-Neubauer, Vorsitzende des Vereins Stadtmarketing, hatte die Bewerbung eingereicht, und die FreiRäume sind bei 56 Einsendungen bayernweit schon einmal unter den letzten zwölf. Sollten sie mit einem Preis bedacht werden, dann gäbe es weitere 3000 Euro in die Kasse.

Mehr finanzielles Engagement könnte sich aber auch Bürgermeister Markus Hofmann vonseiten der Stadt vorstellen. Zwar nicht in Form eines fest angestellten Mitarbeiters im Rathaus, wie ihn sich Matthias Wutz wünschen würde, aber in der Unterstützung von gezielten Projekten durch die Initiative. Denn auch das stellt er im Gespräch fest: „Eine Kampagne wie eure, die hätte mindestens 50 000 Euro gekostet.“

Gebracht haben die Aktionen mittlerweile schon viel mehr, als sich viele zum Start hatten vorstellen können: Nicht nur, dass in der Metzstraße zwei Leerstände neu belegt werden konnten, auch in der unteren Marktstraße wird noch diesen Monat eine Galerie eingeweiht, und auch in Räumen in der oberen Marktstraße tut sich etwas, sagt Bürgermeister Markus Hofmann. Wo sich früher ein Optiker befunden hatte, könnte schon bald ein Bekleidungsgeschäft neu in die Stadt kommen. Ein Erfolg, der auch woanders machbar wäre?

Dieses der Leerstand hat einen neuen Mieter.
Drei leerstehende Geschäfte haben neue Mieter bekommen.
Ein vierter Leerstand könnte bald belegt werden.