Erstes Haus im neuen Schwandorfer Wohngebiet Rothlinde nimmt Formen an

Der Rohbau ist bereits fertig, Elektro- und Wasserleitungen sind installiert. Nun beginnt der Innenausbau. Voraussichtlich Anfang nächsten Jahres wollen Klaus Radl und Karin Erl ihr neues Eigenheim im Rothlindenviertel beziehen. Sie wären dann die ersten Bewohner in dem neuerschlossenen Baugebiet am südöstlichen Stadtrand von Schwandorf.
Das Viertel zwischen Steinberger und Werthstraße kennt Klaus Radl sehr gut. 25 Jahre hat er unweit des städtischen Bauhofes gewohnt. Momentan ist der 56-Jährige in einer anderen Ecke der Großen Kreisstadt zuhause – und das auch nur zur Miete. Für ihn und seine Lebensgefährtin war das ein Grund, über etwas Eigenes nachzudenken.
Die ersten Überlegungen gingen dabei in eine ganz andere Richtung: Sie wollte eine ältere Immobilie kaufen und diese auf Vordermann bringen. Doch die Preise seien explodiert, so die Erfahrung von Klaus Radl. Neben einer horrenden Kaufsumme kämen immer noch die Sanierungskosten obendrauf.
So nahmen sie vom Plan, ein altes Haus zu erwerben und zu sanieren, Abstand, und suchten ein Grundstück, auf dem sie selbst bauen können. Während der Schwandorfer mit der Stadt Kontakt aufnahm, wurde im Rathaus der Plan umgesetzt, im Rothlindenviertel ein Baugebiet auszuweisen und zu erschließen. „Das passte sehr gut, da ich hier ja lange gewohnt hatte“, meint der 56-Jährige.
Nachfrage ist sehr groß
Neue Bauplätze in Schwandorf sind begehrt, die Nachfrage ist größer als das Angebot. Auch an den 14 Parzellen im Baugebiet Rothlinde waren viele Bauherren interessiert. Im Herbst 2021 konnten sich Interessenten in der Oberpfalzhalle einen Bauplatz reservieren.
Die damalige Aktion sorgte für einiges Aufsehen, weil Bewerber tagelang vor der Oberpfalzhalle gecampt hatten. Auch Klaus Radl gehörte zu denen, die zwei Nächte vor dem Gebäude ausharrten. Er wollte unbedingt im Rothlindenviertel bauen und nahm sich deshalb auch die Zeit. Die Kritik an der Vergabe kann er nicht verstehen. Das Verfahren sei seiner Meinung nach richtig und gut gewesen.
Für Klaus Radl hat es sich auch gelohnt: Er gehörte zu den Ersten, die ein Grundstück erhielten. Und das zu einem Preis, der erschwinglich gewesen sei. In anderen Baugebieten koste der Quadratmeter so viel, dass sich Otto Normalbürger ein Grundstück gar nicht mehr leisten könne, meint der 56-Jährige.
Im Baugebiet Rothlinde wollte der Schwandorfer eigentlich eine andere Parzelle haben. Doch seiner Partnerin gefiel deren Lage nicht. Und so entschieden sie sich kurzerhand für das Grundstück gegenüber. Es grenzt im hinteren Bereich an die bestehende Bebauung im Viertel. „Wir wollten das Haus so weit wie möglich vorne platzieren, um hinten einen schönen, großen Garten zu haben“, erzählt Radl.
Gestiegene Baupreise waren kein Hindernis
Die gestiegenen Baupreise und Zinsen hinderten den Schwandorfer nicht daran, seinen Plan umzusetzen. „Wir wollten nur starten.“ Und so waren sie auch die Ersten, die im Baugebiet Rothlinde mit der Errichtung ihres Hauses begannen. Am 1. Dezember vorigen Jahres fand am Vormittag der Notartermin statt, nachmittags habe er dann die Pflöcke eingeschlagen, berichtet der 56-Jährige.
Die Materialien seien in den vergangenen Monaten schon teurer geworden, sagt Klaus Radl. Aber der Preis habe sich inzwischen stabilisiert. Als Mitarbeiter einer Schwandorfer Baufirma weiß er über die Entwicklungen in der Branche bestens Bescheid. Lange werden Klaus Radl und Karin Erl in dem neuen Wohngebiet nicht allein bleiben. Mittlerweile haben zwei weitere Bauherren mit der Errichtung ihrer Häuser begonnen. Der Stadt liegen bisher für insgesamt sechs Parzellen Bauanträge vor, die bereits genehmigt wurden oder noch in Bearbeitung sind, teilt Schwandorfs Pressesprecherin Maria Schuierer auf Nachfrage mit.
Die 14 Grundstücke im Baugebiet Rothlinde sind laut Stadt alle vergeben. Bis Ende August sollen die letzten Verkäufe beurkundet werden, erklärt Wirtschaftsförderer Armin Rank. Es habe aufgrund der gestiegenen Baupreise und Zinsen auch Stornierungen von Interessenten gegeben. Die Quote lag bei etwa 30 Prozent. Die Parzellen konnten aber an andere Bewerber vergeben werden, die auf einer Warteliste standen. Manche Bewerber seien überrascht gewesen, dass sie doch noch zum Zuge kommen. Damit hätten sie gar nicht mehr gerechnet, da sie sehr weit hinten auf der Liste standen, sagt Rank. „Da die Käufer innerhalb von drei Jahren ab Erwerb ihre Grundstücke mit einem bezugsfertigen Wohnhaus bebaut haben müssen, gehen wir davon aus, dass die Bautätigkeiten in den nächsten Monaten stark zunehmen werden“, erklärt die Pressesprecherin.
Vorgabe zur Dachneigung
Fast alle Bauherren stammen nach Angaben der Stadt aus Schwandorf, Wackersdorf oder anderen Nachbarorten. Der Bebauungsplan für Rothlinde sei großzügig geregelt worden, weiß Rank. Es gebe nur Vorgaben zur Höhe der Gebäude und der Dachneigung. In anderen Schwandorfer Baugebieten hatte es zuletzt Wirbel um Festlegungen in den Bebauungsplänen gegeben.
Da die Grundstücke in den jüngsten Baugebieten in Rothlinde und Hasenbuckel-Ost sehr gut nachgefragt wurden, gibt es im Rathaus bereits Überlegungen für weitere neue Bauflächen. Im Planungsausschuss soll es dazu im Herbst weitere Informationen geben, kündigt Rank an.