Ovigo: Ehren, Zuspruch – aber keine Langfrist-Förderung

Der Theaterverein zeigt sich ambitioniert – Zukünftig möchte Ovigo größere Produktionen anpacken und wünscht sich eine eigene Spielstätte.
Das Ovigo-Theater ist ein gutes Beispiel dafür, wie beweglich und innovativ die freie Kulturszene der Oberpfalz ist. Seit 2023 hat Ovigo mit Florian Wein einen fest angestellten Intendanten. Die übrigen 300 Mitglieder arbeiten ehrenamtlich – und stellen Beachtliches auf die Beine: 689 Aufführungen an 102 Spielorten, seit sich das Theater 2016 als eingetragener Verein gegründet hat.
Die Vorstellungen zogen bislang fast 49000 Besucher an. Zuletzt sammelte Ovigo eine Reihe von Auszeichnungen ein: 2023 erhielt das Theater zum zweiten Mal den Zukunftspreis des Landkreises Schwandorf und den Jugendkulturförderpreis Oberpfalz. Im Juli 2024 wurde Ovigo mit dem Heimatpreis Bayern 2024 geehrt.
Auch mit eigenständigen Stückentwicklungen macht das Theater von sich reden: Mit dem zweisprachigen Projekt „Fingierte Grenzen“ rief es eine wahnwitzige Aktion der tschechoslowakischen Geheimpolizei aus der Zeit des Eisernen Vorhangs ins Gedächtnis. Ovigo führt die Schauspielwanderung an vier verschiedenen Routen an der bayerisch-tschechischen Grenze auf. Mit der Idee, das Thema auf die Bühne zu bringen, inspirierte Ovigo 2023 auch die Luisenburg-Festspiele. Für Dezember 2024 ist die Premiere von „SAD-88“ geplant. Das Stück ist als multimediale Szenen-Collage konzipiert. Es thematisiert – erstmalig auf der Theaterbühne – den rechtsterroristischen Brandanschlag 1988 in Schwandorf und seine Folgen.
Aktuell arbeitet Ovigo an einem neuen Meilenstein – so drückt es Intendant Wein aus: Für das Musical-Projekt „Spamalot“ entstehe nicht nur das größte Ovigo-Bühnenbild aller Zeiten, das Theater arbeitet erstmals mit einer professionellen Kostüm- und Bühnenbildnerin, Leni Wimmer. Im fast 50-köpfigen Team gibt es eine Tanz-Choreografin und Unmengen an Requisiten und Kostümen.
Großes Team und Liveband
„Spamalot“ ist die Musical-Umsetzung des legendären Monty-Python-Films „Die Ritter der Kokosnuss“. Florian Wein, selbst Python-Fan, sagt, die Komikergruppe habe teilweise für einen kurzen Gag mit unglaublicher Liebe zum Detail gearbeitet: „Dem möchten wir so nahe wie möglich kommen.“ Wenn „Spamalot“ am 12. Oktober in der Schwarzachtalhalle Neunburg vorm Wald Premiere feiert, kommt zu 17 Schauspielern und Sängern eine zehnköpfige Live-Band.
Es läuft also ziemlich rund für Ovigo – wenn nur die Sache mit einer regelmäßigen öffentlichen Förderung einfacher wäre. Eine solche bekommen andere nicht-staatliche Theater vom Freistaat – wie das Landestheater Oberpfalz in Leuchtenberg oder die Kammerspiele Landshut.
Ovigo wurde mehrfach vom Landkreis Schwandorf und vom Bezirk Oberpfalz unterstützt – dies muss jährlich neu beantragt werden. Nicht jedes Mal klappt es mit der Zuwendung. So wünscht sich der Verein eine gesicherte institutionelle Förderung, um unabhängig von einzelnen Projekten planen und theatermäßig in die Vollen gehen zu können. Wein sagt, der Verein bezahle aus eigenen Einnahmen Mitarbeitende aus dem Bundesfreiwilligendienst und einen Mini-Jobber, die die tägliche Arbeit des Spielbetriebs leisten.
Ovigo erfüllt fast alle Voraussetzungen für „Professionalität“ im Sinne der Förderrichtlinie des bayerischen Kunstministeriums für nicht-staatliche Theater: einen mehrjährigen erfolgreichen Betrieb, ein eigenes Ensemble. Auch die Vorgabe von mindestens 100 eigenproduzierten Vorstellungen pro Jahr und von mindestens zwei Neuproduktionen schafft Ovigo. 2024 sind es sogar drei Neuproduktionen: „Spamalot“, „Das kleine Gespenst“ und „SAD-88“.
Eine Sprecherin des Ministeriums schreibt auf Anfrage der Mediengruppe Bayern, eine Mindestanzahl professioneller Darsteller sei nicht festgelegt. Auch seien weder deren akademische Ausbildung noch eine eigene feste Spielstätte zwingend. Doch institutionell gefördert werden nur Theater, die Mitarbeiter mit „zumindest produktionsbezogenen Stückverträgen mit entsprechender Sozialversicherungspflicht“ beschäftigen. Ovigo arbeitet jedoch mit einem Ensemble aus Ehrenamtlichen ohne Verträge. Kultur-Minister Markus Blume kündigt in derselben Mailantwort mehr Fördermittel für 2025 an – unter anderem für den Kulturfonds Bayern und nichtstaatliche Theater: „Wir knacken die Kulturmilliarde: Im Gesamthaushalt sind 2025 1,1 Milliarden Euro für Kultur.“ „Für Amateurtheater wie Ovigo“ stehe der Kulturfonds Bayern offen, lässt Blume sich zitieren. Tatsächlich erhält Ovigo bereits projektbezogene Kulturfonds-Förderung für „Spamalot“.
Ein weiterer großer Wunsch des Theaters ist eine eigene Spielstätte. Wein sagt, es gehe nicht nur darum, dort Stücke aufzuführen und die komplizierte Logistik zu vereinfachen. Das Theater brauche einen Ort, um ungestört zu proben oder Workshops abzuhalten. Seine Spieltätigkeit in der ganzen Oberpfalz würde es trotzdem aufrechterhalten – dies gehöre zum Ovigo-Charakter.
„Nur ’ne Fleischwunde!“
Ideal wäre eine leerstehende Immobilie im Landkreis Schwandorf, „am besten nahe der Autobahn, weil unser Publikum aus allen Ecken der Oberpfalz kommt“. Ovigo könne sich gut eine gemeinschaftliche Nutzung mit anderen Kulturinstitutionen vorstellen: „Wir haben nicht den Anspruch, das allein zu besitzen.“ Doch brauche man eine Kommune als starken Partner.
Unterkriegen lassen sich die Ovigos von solchen Schwierigkeiten nicht: „Wir sind stolz auf die Bandbreite und Qualität unseres Theaters“, sagt Wein. „Wer weiß, wohin die Entwicklung noch geht.“ Offenbar halten sie es mit dem Optimismus des schwarzen Ritters aus „Spamalot“: Der kämpft weiter, obwohl er schon Arme und Beine eingebüßt hat: „Ist doch nur ‘ne Fleischwunde!“
