Mit Video: Top-Tore und Schenkelkrämpfe: MZ-Reporter testen nicht-olympische Sportarten

Während der Olympischen Spiele schaut alle Welt auf Paris: Mit über 300 Wettbewerben ist die sportliche Vielfalt riesig – aber war das schon alles? Nein, noch lange nicht.
Wir, MZ-Reporter Kilian Graef und Daniel Pfeifer, haben die außergewöhnlichsten nicht-olympischen Sportarten gesucht, die man in Regensburg ausüben kann – und sie getestet: von Roundnet bis Unterwasser-Rugby. Dieses Mal versuchen wir unser Glück in einem kanadischen Nationalsport: Lacrosse.
Kilian und ich haben uns einen heißen Juli-Tag für unseren Selbstversuch ausgesucht. Dass uns das später noch zum Verhängnis werden sollte, konnten wir noch nicht ahnen, als wir uns auf den Weg zur Sportanlage am Weinweg machten. Schließlich haben wir noch nie Lacrosse gespielt. Aber wie anstrengend kann das schon sein?
Kollaps auf Kunstrasen
In einer Comedy-Serie würde der Regisseur jetzt eine Szene ungefähr 45 Minuten später zeigen, in der Kilian und ich schweißgebadet auf dem Boden liegen – ich hechelnd wie ein Hundewelpen, Kilian seinen krampfenden Oberschenkel reibend.
Aber fangen wir von vorne an. Lacrosse ist ein Teamsport, bei dem Mannschaften abwechselnd versuchen, einen Gummiball in ein Tor zu buxieren – was die Gegner natürlich verhindern wollen. Als Sportgerät hat jeder Spieler Schläger, an dessen Ende ein Netz befestigt ist. Darin fängt man den Ball und schleudert ihn dann wie in einem Katapult zu Mitspielern oder eben ins Tor.
Ganz einfach, oder? Das zumindest denkt sich wohl Susanne Denzin, als sie Kilian und mir zwei Lacrosse-Schläger in die Hand drückt. Denzin ist seit 2015 Spielerin beim RHTC Regensburg, den „Rhinos“, und versucht, uns zwei Amateuren innerhalb von zweieinhalb Stunden die Kunst des Lacrosse beizubringen.
Schon vor dem Spiel an der Leistungsgrenze
Die zwei vielleicht wichtigsten Voraussetzungen: eine gesunde Auge-Hand-Koordination und ganz viel Ausdauer. Daher startet unser Probetraining erstmal mit Laufen, Sprintübungen, Liegestütze wie bei der Bundeswehr und noch mehr Laufen. Bei der Passübung schleudern Kilian und ich uns Bälle zu, jeder Fang baut unser Selbstbewusstsein ein Stück weiter auf und wir versuchen, immer schneller und immer weiter zu spielen. Die Lernkurve ist steil.
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Unsere Übermotivation führt dazu, dass wir bei der Zweikampfübung so unsportlich aufeinander losgehen und uns gegenseitig die Bälle wegkicken, dass ein paar andere Sportler und Sportlerinnen schon grinsend den Kopf schütteln. Irgendwann haben wir uns dann aber doch ausgesponnen und noch vor unserem ersten richtigen Spiel liegen wir keuchend auf dem Boden. Kilian hält sich seinen Oberschenkel, der kurz verkrampft. Ob wir ein bisschen übertrieben haben?
Lacrosse wird immer beliebter
Kurz darauf wird es jedenfalls ernst. Die Sonne geht langsam über dem Weinweg im Regensburger Westen unter, wir starten unser erstes echtes Spiel. Ein Vorteil: Wir sind nicht die einzigen Neueinsteiger. Wie Susanne Denzin erklärt, kämen oft Interessierte zu Trainings, denn der Sport, wie so viele „Randsportarten“, gewinne stetig an Beliebtheit. Auch in Regensburg.
Doch zurück zum Spiel: Ich starte im angreifenden Team, Kilian im verteidigenden. „Viel Glück“ rufe ich ihm provokant zu. Er antwortet mit einem kühlen „Tz“ und einer penetranten Manndeckung, die mir kaum die Chance gibt, mal an den Ball zu kommen. Offensive und Defensive wechseln sich ab, einige unserer Mitspieler zeigen mit cleveren Spielzügen ihre Klasse. Doch dann − plötzlich – laufe ich mich im Rücken von Kilian frei. Er kann nur noch verdutzt schauen, als ich den Ball von meinem Teamkollegen fange und aus kurzer Distanz ins Tor schleudere.
Euphorie und Fairplay
Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so euphorisiert war. Für die anderen mag das alles technisch nicht sonderlich hübsch ausgesehen haben aber ich fühle mich wie Lionel Messi. Am Ende klopfen Kilian und ich uns auf die Schulter und lassen uns gemeinsam auswechseln.
Und so schnell ist unser erstes Lacrosse-Training auch schon vorbei. Die anderen Sportler springen noch in die Donau und gönnen sich ein Getränk in einer Vereinshütte. Kilian und ich nehmen mit kühlem Leitungswasser vorlieb. Erst jetzt merken wir, wie dehydriert wir sind. Noch nie hat Wasser so gut geschmeckt.
Die persönlichen Bewertungen
Kilian Graef: Das Training war deutlich anstrengender als gedacht. Teilweise selbst verschuldet. Die zehn Strafliegestütz, die es gibt, wenn man frei vor dem Tor steht und trotzdem die Torhüterin trifft, sammelte ich wie Treuepunkte. Zum Glück werden meine Anfängerschüsse nicht wirklich schnell. Profis beschleunigen die Gummigeschosse auf 200 Stundenkilometer. Während man am Anfang keinen Ball gefangen, oder getroffen hat, ging das gegen Ende schon deutlich besser und machte richtig Spaß. Bewertung: 4/5 Sterne.
Daniel Pfeifer: Ich spiele Tennis, seit ich klein bin, und war deswegen schnell überzeugt von Lacrosse. Ich bin ehrlich: Auf dem Kunstrasen am Weinweg habe ich mir eine ordentliche Blutblase gelaufen, auf richtiges Schuhwerk sollte man achten. Abgesehen davon ist Lacrosse ein genialer Einsteigersport, der innerhalb kürzester Zeit sportlichen Ehrgeiz weckt – und der so richtig auspowert. Bewertung: 4/5 Sterne.
Über die Lacrosse „Rhinos“ Regensburg
Verein: Der RHTC beheimatet neben Hockey und Tennis auch seit kurzem Cricket und seit 2010 Lacrosse. 25 Herren und 16 Damen spielen derzeit aktiv Lacrosse.
Historie: Die Ursprünge des Lacrosse gehen auf kanadische Ureinwohner zurück. Für kurze Zeit – 1904 bis 1908 – war es schon mal olympisch. 2028 kehrt es zurück.
Mitmachen: Frauen und Männer trainieren gemeinsam montags und mittwochs um 19.30 Uhr am Weinweg. „Jeder kann mitmachen“, sagt Pauline Hösel.


