„Deine Spuren werden bleiben“: Nach 17 Jahren emotionaler Abschied von Schulleiter Kaniber

17 Jahre lang ist Günter Kaniber „jeden Tag mit einem Lächeln“ in die Rodinger Grund- und Mittelschule gegangenen, am Donnerstag endete die Ära des Rektors offiziell: In einer stimmungsvollen Feierstunde wurde er von zahlreichen Gratulanten, darunter Bayerns Kulturstaatsministerin Anja Stolz, in den Ruhestand verabschiedet.
Viel Lob gab es dabei, wobei Worte gar nicht ausreichten, um „das Phänomen Kaniber“ zu beschreiben, wie Konrektor und Schulleiter-Nachfolger Heinrich Achatz anmerkte.
Auch kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand war Kaniber sehr aktiv und zeigte Stolz einige besondere Schulprojekte. Nach einem Begrüßungslied der Grundschul-Kinder gab es Informationen zum den Aktivitäten bei der Berufswahl-Orientierung, bei der die Rodinger Grund- und Mittelschule schon Preise und Siegel bekommen hat. „In diesem Sektor ist die Mittelschule führend, auch Gymnasien könnten dabei etwas lernen“, zeigte sich Kaniber überzeugt.
Einen Job zu finden, der zu den Jugendlichen passe, sei wichtig, betonte der scheidende Schulleiter – und verwies dabei auf ihn selbst als Beispiel: „Ich habe etwas gefunden, was ich wirklich gerne gemacht habe“. Anschließend gab es noch einen Besuch in einer fünften Klasse, wo mit Laptops auch digital gearbeitet wird.
Ministerin beeindruckt
Ministerin Stolz zeigte sich beeindruckt von der „Leuchtturmschule“: „Hier werden Projekte vorbildlich umgesetzt.“ Lobend erwähnte sie auch die „sehr gute und lockere Atmosphäre“, die an der Schule herrsche, wie sie schon nach kurzer Zeit bemerkt habe. Es sei für sie wichtig, sich selbst ein Bild an den Schulen zu machen, so die Ministerin, die ein klares Bekenntnis zur Mittelschule abgab: „Wir brauchen diese Schulart unbedingt und müssen sie fit für die Zukunft machen.“
Dem stimmte Kaniber vollumfänglich zu. Es gelte zu würdigen, was angesichts von Migrationshintergrund, Sprachproblemen und anderen sozialen Nachteilen bei den Schülern von den Lehrern geleistet werde – auch und gerade bereits an der Grundschule. Benachteiligte Kinder in das Berufsleben zu integrieren sei von immenser Bedeutung, weil es auch eine gute Lebensperspektive aufzeige, brach Kaniber noch einmal eine Lanze für „seine“ Schulart.
17 Jahre an einer Schule zu wirken sei eine Seltenheit, lobte die Ministerin anschließend beim Festakt in der Dreifachturnhalle – und dann auch noch mit einem so herausragenden Engagement, wie es bei Kaniber der Fall gewesen sei. „Sein Platz ist an dieser Schule“ habe dieser mehrfach betont und dafür auch unter anderem Posten als Schulrat abgelehnt. Jeder Schüler habe ein Talent, und in Roding werde dies gestärkt und gefördert, würdigte die Ministerin. Kaniber habe such das Team sehr gut geführt, die gute Stimmung, die im Kollegium herrsche, sei zum großen Teil sein Verdienst. Für den Ruhestand wünschte sie ihm alles Gute und „die Fähigkeit zu behalten, ein Kind zu sein.“
„Unermüdlich für Schüler eingesetzt“
Es sei kein leichter Tag für die Schulfamilie, wenn es gelte, Günter Kaniber zu verabschieden, sagte Bürgermeisterin Alexandra Riedl. Dass dieser sehr gerne in Roding gearbeitet habe, sei immer zu sehen gewesen. Sie lobte seine Leistung an der großen Schule mit ihren über 700 Schülern, „unermüdlich“ habe sich Kaniber für sie eingesetzt und gemeinsam mit seinem Team auch zahlreiche Herausforderungen wie die Corona-Krise überwunden.
Schulamtsdirektor Andreas Lindinger dankte Kaniber und dem Kollegium ebenso für die „tolle Arbeit in den vergangenen Jahren“. Kaniber sei ein exzellenter Ausbilder, sowohl für Schüler als auch für Lehrer, würdigte er. Mit begeisternden Reden habe er es zudem verstanden, die Leute mitzureißen. Dass es in Roding sehr gut laufe, zeige, dass es keine Versetzungswünsche weg von der Schule, sondern nur zu ihr hin gebe.
Offener Führungsstil
Seit 16 Jahren arbeite er mit Kaniber zusammen, er verliere deshalb nicht einen Rektor, „sondern einen Freund“, sagte Achatz – wenn auch nicht ganz, nur würden sie in Zukunft „räumlich getrennt“ sein. Kaniber habe es verstanden, zu delegieren, einen offenen Führungsstil zu haben, „den Leuten etwas zuzutrauen“, aber sei auch immer mit gutem Rat da gewesen, wenn er gebraucht worden sei. Ausgezeichnet habe ihn unter anderem auch, dass er stets Verständnis für die Schüler gezeigt und dafür gesorgt habe, dass der Unterricht immer auf dem neuesten Stand sei. „Deine Spuren werden bleiben“, betonte der künftige Schulleiter.
Leicht falle es ihm nicht zu gehen, so Kaniber am Schluss, die Zeit sei aber reif, zumal auch seine Frau in den Ruhestand gehe und ab September mit einem ersten Enkel eine neue Aufgabe auf ihn warte. Auch wisse er die Schulleitung bei Achatz in den besten Händen. „Ich werde Roding und die Schule nie vergessen“, betonte er, bevor es lang anhaltende Standing Ovations für den scheidenden Schulleiter gab.
Besonderer musikalischer Rahmen
Staunen beim Schulleiter: „Ich wusste gar nicht, dass wir eine Lehrerband haben“, staunte der scheidende Schulleiter Günter Kaniber bei seiner Verabschiedung.
Viel Applaus: Diese sorgte mit den Stücken „Hollywood Hills“, „Für immer jung“ sowie „My Way“ sehr gelungen für den musikalischen Rahmen der feierlichen Verabschiedung in der Dreifachturnhalle und erntete viel Applaus.
Lehrerkollegium sang zum Abschluss: Zum Abschluss gab es für Kaniber, der unter anderem von seiner Frau und seinen beiden Söhnen begleitet wurde, etwas Besonderes zum Schmunzeln: Das Lehrerkollegium sang für ihn „17 Jahre der Günter“.


