Junge Abensberger Künstler sind am Werk

Die Inklusionsbeauftragte Abensbergs Marion Huber-Schallner hat noch Defizite in Sachen Inklusion für sehbehinderte Menschen in der Stadt erkannt. Schülerinnen und Schüler helfen jetzt mit, diese zu beheben.
Helena Ebn taucht den Pinsel in die gelbe Farbe. Vorsichtig bemalt sie damit die kleine Kuppel, die aus dem Bild auf dem Tisch etwas herausragt. Bei genauem hinsehen erkennt man, dass es sich genau gesagt um ein Relief handelt. Die Schülerin ist mit ihren Klassenkameraden dabei, eines der Tastmodelle aus Ton zu gestalten, die künftig bei wichtigen Abensberger Gebäuden angebracht werden sollen.
Wie bereits berichtet haben die Inklusionsbeauftragte der Stadt Marion Huber-Schallner und Museumsleiterin Beatrice Wichmann die Abensberger Schulen mit ins Boot geholt, um Modelle zu kreieren, mit denen Sehbehinderte die Stadt besser erfahren können.
Mädchen und Jungen aus den verschiedenen Schulen sind an diesem Vormittag im Cabrizio in Offenstetten, um ihren jeweiligen Modellen den letzten Schliff zu geben. Sie bemalen sie mit Glasurfarbe, danach wird Künstlerin Andrea Fochler-Irsigler die Werke mit in ihr Atelier nehmen, um sie für weitere 23 Stunden in den Brennofen zu stecken. 18 Stunden waren alle dort schon einmal, nachdem sie die jungen Künstlerinnen und Künstlern modelliert haben. 1250 Grad heiß werde es dabei im Brennofen.
Helena besucht wie ihre Klassenkameraden Fabian Pöppel und Amy Lyria Koch die Grundschule in Offenstetten. Und so habe man sich für das Offenstettener Schloss als Motiv entschieden. Laut Huber-Schallner haben die Initiatoren eine Liste von Gebäuden erstellt, aus denen sich die Schulen eines herauspicken konnten.
Von der Motivation begeistert
Die Teilnehmer aus der Abensberger Grundschule arbeiten an einem Relief mit dem Maderturm als Motiv. „Wir haben eines herausgesucht, von dem wir glauben, dass Kinder im Grundschulalter es gut umsetzen können“, ist von ihrer Lehrerin Gudrun Kneitinger zu hören. Die ist ganz angetan von der Motivation der kleinen Künstler. So seien einige Anregungen zur Detailgestaltung von den Kindern gekommen.
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In der Offenstettener Schule waren die Mädchen und Buben angehalten, erst einmal Entwürfe für das Relief zu zeichnen. So waren hier alle 24 Schülerinnen und Schüler der Klasse mitbeteiligt. Letztendlich hat sich der Entwurf von Helena durchgesetzt, wie sie mit etwas Stolz in der Stimme betont. Bei der Realschule ist Kunsterzieher Klaus Schwendner nach eigenen Worten auf einige Schülerinnen und Schüler zugegangen, von denen er glaubt, dass sie gern bei so einem Projekt dabei sind.
Zu denen gehört Annika Eisenreich. Sicherlich sei die handwerkliche Arbeit für jemanden, der sich noch nie damit beschäftigt habe, nicht so einfach. Ihr sei es jedoch nicht schwergefallen, weil sie in der Freizeit gerne bastle – etwa mit Holz arbeite.
Mit dabei sind auch Jugendliche aus der Cabrinischule. Fochler-Irsigler erklärt, dass diejenigen unter ihnen mitmachen, die im Unterricht schon mit Ton gearbeitet haben.
Viele Details zu bearbeiten
Sie betreut nicht nur die Cabrinischüler, sondern unterstützt das gesamte Projekt künstlerisch. Im Gespräch mit ihr ist schnell zu erkennen, dass die Schülerinnen und Schüler bei dem Projekt ganz gut mitbekommen, wie viele Details es braucht, bis so ein Kunstwerk vollendet ist.
So hätten sich alle erst einmal mit Fotos aus verschiedenen Perspektiven des jeweiligen Gebäudes beschäftigen müssen. Die erste konkrete Aufgabe war danach, eine Zeichnung von der ausgewählten Ansicht anzufertigen. Diese wurde dann auf eine noch ungebrannte flache Tonplatte gelegt und mittels eines Stichels sozusagen durchgepaust. Somit waren die Umrisse klar. Der Ton um die so skizzierten Gebäude herum wurde entfernt. Danach ging es an Details wie Fenster, Türen oder Dächer.
Mittlerweile sind die jungen Künstlerinnen und Künstler dabei, mit der speziellen Farbe ihre Werke zu vollenden. Die durch den kommenden Brand entstehende Glasur schütze die Kunstwerke laut Schwendner gut vor Fett oder Schmutz. Alle hoffen ja, dass sie künftig von vielen, vielen Händen berührt werden. Konkret fertigten die verschiedenen Künstlergruppen zwei Reliefs an, denn eines davon bleibt an der jeweiligen Schule.
So geht es bei dem Projekt in Abensberg weiter
Die beiden Initiatorinnen Marion Huber-Schallner und Beatrice Wichmann gehen davon aus, dass die Reliefs im Herbst an das Museum übergeben werden können. Einen genauen Termin dafür gebe es jedoch noch nicht. Vorstellbar sei nach ihren Worten, dass es dann erst einmal für eine gewisse Zeit eine Ausstellung im Museum mit den verschiedenen Werken gibt.
Danach sollen die einzelnen Reliefs an oder bei den entsprechenden Gebäuden befestigt werden. So könnten laut Wichmann sehbehinderte Menschen mit ihren Händen deren Aussehen ertasten. Spezielle Stadtführungen für Menschen mit diesem Handicap seien ab dann denkbar. Noch sind nicht alle wichtigen Gebäude auf diese Art verewigt. Beispielsweise sind laut Huber-Schallner die Stadttore noch nicht dabei. Deshalb könne man sich eine zweite Runde des inklusiven Projekts im nächsten Jahr vorstellen.
