Vor der Marienrealschule in Cham steht jetzt ein 3,5 Meter hohes Kunstwerk

Von Ferdinand Schönberger · 24. Juli 2024 um 05:00

„Ohren und Augen, Hände und Herz, offen für Gott und die Menschen – wie Maria.“ Passend zu diesem Jahresmotto 2023/24 der Marienrealschule erhielt diese und damit auch die Stadt ein edles Kunstwerk: eine 3,50 Meter hohe Mondsichel-Madonna im Eingangsbereich an der Katzberger Straße.

Am Dienstagvormittag war es nach den baulichen Verzögerungen am Marienschulzentrum endlich soweit: Das Künstlerpaar Hanna Regina Uber und Robert Diem aus Aschach (Landkreis Amberg-Sulzbach) war mit der wertvollen Skulptur im Kleinbus samt Anhänger angereist. Ein Bagger der Firma von Christoph Althammer, zugleich Elternbeiratsvorsitzender der Schule, stand für die Aufstellung bereit.

Die staatlich anerkannte Realschule in der Trägerschaft der Schulstiftung der Diözese Regensburg sollte auf Wunsch von Bischof Rudolf Voderholzer schon von außen als christliches Haus erkennbar sein. Daher wurde im Oktober 2022 ein Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung eines religiösen Zeichens ausgeschrieben, an dem vier regionale Künstler zur Teilnahme eingeladen wurden.

Im Dezember 2022 reichten diese ihre Modelle zur Sitzung einer Fachjury von der Bischöflichen Kommission für kirchliche Kunst und der Sachjury ein, der Schulstiftungsdirektor Günther Jehl, Schulleiter Christian Haringer und sein Stellvertreter Johannes Dieckmann sowie Schülervertreter Joshua Bauer angehörten. Dabei überzeugte das Kunstprojekt Uber/Diem und erhielt den Zuschlag.

Ab 2023 begannen die beiden Künstler mit den Arbeiten an ihrer Mondsichel-Madonna. Die Ursprünge dieser Darstellung reichen bis ins Mittelalter zurück und basieren auf der Offenbarung des Apostels Johannes. Die Gottesmutter Maria steht dabei mit ihren Füßen auf einer Mondsichel. „Die Skulptur ist quasi ein Zitat; sie nimmt Bezug auf traditionelle Vorlagen und interpretiert diese neu“, so Hanna Regina Uber, die sich vor allem um die Planung und das Modellieren kümmerte, während Robert Diem als Statiker, Gießer, Schweißer und Problemlöser agierte.

Sieht man die ikonische Form und die Silhouette der Marienfigur, erkenne man sofort, um was es gehe, und das löse beim Menschen unterbewusste Attribute wie Liebe und Fürsorge aus. Die 35 Kilogramm schwere Figur, zu der zunächst eine Gipsform erstellt wurde, ist in einen weiten, geschwungenen Umhang gehüllt, der aus Hunderten kleiner Metallplättchen verschiedener Größe und Lage zusammengeschweißt ist. Sie steht auf einem Edelstahl-Sockel und wird gut halbseitig vom Mond in Form eines aufgeschnittenen Edelstahl-Ringes umkreist. Diese Sichel ist größer als in klassischen Werken. Sie soll auch die Erde darstellen und den Kreis als Symbol, der zum Universum, zum Himmel geöffnet ist. Für einen deutlichen Gesichtsausdruck und für die Hände schufen die Bildhauer Wachsmodelle, die in Bronze gegossen wurden. Für eine leicht bläuliche Färbung des Mantels wurde das Metall aufgeraut und pigmentiert. Die aus dem Umhang ragenden Hände – in einer liegt ein kleines Goldherz als Reminiszenz an den Taufspruch von Hannas Mutter – strecken sich den kommenden und heimgehenden Schülern zur Begrüßung entgegen und versinnbildlichen Maria als Wegbegleiterin. Eine rechteckige, golden leuchtende Vertiefung im Brustbereich der Figur verweist nicht nur auf ein in der Formsprache reduziertes Herz, sondern auch auf das erhabene Wesen und das Symbol der Liebe.

Mit dem Bagger wurde die 150 Kilo schwere Mondsichel mit Sockel millimetergenau in das Beton-Fundament eingelassen, statisch austariert und befestigt, anschließend die Figur selbst im Stahlsockel verankert. „Solch figürliche Arbeiten mit ästhetischer Wahrnehmung führen die Jugend an zeitgenössische Kunst heran und haben bei ihr eine größere Akzeptanz als abstrakte Malereien“, so Hanna Uber. Im Herbst soll das Kunstwerk im Rahmen einer kleinen Feier gesegnet werden.

cds

Gipsmodell der Skulptur in der Aschacher Künstler-Werkstatt
Das Künstlerpaar Hanna Regina Uber und Robert Diem mit ihrer Mondsichel-Madonna vor der Marienrealschule