Neuer Regensburger Kreisbrandrat: Denkzettel-Wahl oder gar keine Wahl?

Erwartungsgemäß hat Johann Bornschlegl aus Wörth bei der Wahl zum neuen Regensburger Kreisbrandrat das Rennen gemacht. Kontroversen gab es aber um das „Wie“.
Nach knapp zwei Stunden drang am Montagsabend zweimal kurz Applaus aus dem Barbinger Rathaussaal. Er kündete vom Ende der nicht-öffentlichen Feuerwehrdienstversammlung, deren alleiniger Tagesordnungspunkt die Neuwahl des Kreisbrandrats war.
Erwartungsgemäß machte Johann Bornschlegl aus Wörth das Rennen, er war der einzige Kandidat. Von den 167 anwesenden Kommandantinnen und Kommandanten votierten 118 für den 53-Jährigen, das entspricht einer Zustimmung von etwas mehr als 70 Prozent.
Wie muss man dieses Votum nun werten? „Für das, was im Vorfeld alles gelaufen ist, ist das Ergebnis gut“, meinte Bornschlegl selbst und sprach damit ohne Umschweife vereinzelte Irritationen an. Dem Vernehmen nach hat es in den vergangenen Wochen durchaus gebrodelt in den 175 Feuerwehren des Landkreises, auch diverse Social-Media-Aktivitäten lassen darauf schließen.
Bornschlegl ging nach seiner Wahl aber nicht näher darauf ein. „Ich will keine schmutzige Wäsche waschen.“ So sprach er nur kryptisch davon, dass die Kollegen vielleicht gerne noch jemand anderen als Kandidaten gesehen hätten. Dieser jemand sei bei der Dienstversammlung aber nicht in Erscheinung getreten. Zu den knapp 30 Prozent Ablehnung sagte Bornschlegl: „Das ist nicht auf mich bezogen.“
Einigung im kleinen Kreis
Gemäß dieser Sichtweise wäre in erster Linie Landrätin Tanja Schweiger die Adressatin des Denkzettels, als der das Wahlergebnis interpretiert werden kann. „Da hat sich eine Eigendynamik entwickelt“, räumte die Landkreis-Chefin ein, auf den Feuerwehrfesten der vergangenen Wochen habe sie diese Stimmung schon wahrgenommen. Tenor: Wenn nur ein Kandidat zur Wahl steht, ist das ja gar keine Wahl.
Im Grunde stimmt das auch, wie Schweiger am Montagabend ausführte: „Der Kreisbrandrat ist eine staatliche Führungskraft des Landkreises. Ausgesucht wird diese deshalb vom Landrat, das ist im Bayerischen Feuerwehrgesetz so geregelt.“
Im Vorfeld habe es selbstverständlich mehrere Kandidaten in der engeren Wahl gegeben. Ob es zwei, drei oder vier waren, wollte die Landrätin nicht sagen. „Das bringt nichts. Ich halte auch nichts davon, öffentlich über Qualitäten oder Defizite von Bewerbern zu reden. Das beschädigt doch nur die betroffene Person.“ Sie habe lieber Vier-Augen-Gespräche „mit allen, die in Frage kommen“ geführt. „Bestimmt 100 Stunden habe ich für das Thema aufgewendet.“
Am Ende dieses Prozesses sei die Überzeugung gestanden, dass Bornschlegl der am besten geeignete Kandidat ist. Daran habe es auch im kleinen Kreis der restlichen Bewerber keinen Zweifel gegeben, eine Einigung sei daher erfolgt. „Geschlossenheit ist wichtig“, freute sich Schweiger über dieses Einvernehmen.
Wie berichtet, hatte sie die Kommandanten bereits Anfang Juli schriftlich über das Ergebnis ihrer Auslese informiert – und laut eigener Aussage keine einzige negative Reaktion darauf erhalten. Auch am Montag stand die fachliche Eignung Bornschlegls nicht zur Debatte. Die wenigen kritischen Wortmeldungen bei der Dienstversammlung haben sich laut der Schilderung von Teilnehmern um die beschriebene Bewerber-Vorauswahl und nicht um den einzigen verbliebenen Kandidaten gedreht.
Die Vorzüge des Wörther Vollblut-Floriansjüngers wiederholte die Landrätin nach der Wahl am Montag noch einmal: Bornschlegl sei fest in der Feuerwehr verankert, verfüge über langjährige praktische wie theoretische Erfahrung in unterschiedlichsten Lagen wie in der Ausbildung, sei seit 2011 Kreisbrandinspektor, habe eine leitende Position in der Feuerwehrschule inne und überzeuge durch persönliche Integrität.
Wie im Brief an die Kommandanten wählte Schweiger auch bei dieser mündlichen Charakterisierung stets das geläufige „Hans“ statt des förmlicheren „Johann“, wenn sie den künftigen Kreisbrandrat beim Vornamen nannte.
Ein „i-Tüpferl-Scheißer“
Wie groß die Vertrautheit ist, zeigte zudem diese Anrede: „Manchmal sagen die Leute von dir, dass du ein i-Tüpferl-Scheißer bist.“ Bornschlegl nahm’s mit Humor und gestand ein, es tatsächlich stets akkurat zu mögen – sowohl beim Sitz der Uniform als auch beim Ablauf eines Einsatzes, wo das ja auch eine Frage der Sicherheit sei.
Die von der Landrätin angesprochene Geschlossenheit sieht er auch für seine am 28. September beginnende Dienstzeit als Schlüssel-Kriterium. „Wir schauen jetzt nach vorn und nicht mehr zurück. Die Tür steht für jeden offen“, sagte er am Montagabend, bevor er nach Wörth fuhr. Dort hatten die Kameraden seiner Heimat-Wehr ein kleines Fest für den künftigen Kreisbrandrat vorbereitet. Wenige Stunden später begann dann wieder der Ernst des Feuerwehr-Lebens.