Waldmünchen: Wenn Schüler und Polizisten Theater machen

Von Martin Hladik · 24. Juli 2024 um 05:00

38 Schüler aus allen drei Schulen Waldmünchens führen gemeinsam mit der Bundespolizei ein Theaterstück zum Thema Zivilcourage auf der Trenckbühne auf. „Sowas hat es noch nicht gegeben“, sagt Bürgermeister Markus Ackermann, der gleichzeitig Schirmherr der Veranstaltung war. Er sah darin ein Zeichen für den Teamgeist, der Waldmünchen auszeichne.

Doch der Reihe nach: Die Idee, dass alle Waldmünchner Schulen gemeinsam ein Stück zum Thema Zivilcourage entwickeln, hatte die Grundschulchefin Karin Buchinger mit ihrem Bruder Rainer, der Bundespolizist ist, wie sie berichtete. So entstand der Kontakt zur Bundespolizei-Pressesprecherin Sylvia Hieninger. Das Stück geschrieben und entwickelt und dann mit 38 Schülern und drei Bundespolizisten einstudiert, hatte über ein halbes Jahr Katharina Ernst von der Realschule Waldmünchen, die von Bianca Scheitinger unterstützt wurde.

Zivilcourage ist die Bereitschaft sich gegenseitig zu helfen

Das Stück zeige das, was in der Gesellschaft besonders wichtig sei, erklärte Polizei-Pressesprecherin Hieninger: „Die Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen!“ Die Botschaft zur Zivilcourage wolle die Bundespolizei gerne nach außen tragen. Im „festspielbegeisterten Waldmünchen“ geschehe das mit einem Theaterstück.

Der Leiter der Bundespolizeiinspektion Waldmünchen, Martin Ebenschwanger, erklärte den 600 anwesenden Schülern im Publikum, was er unter Zivilcourage verstehe, nämlich, „das Richtige in einer schwierigen Situation“ zu tun. Dafür brauche es einen „moralischen Kompass und Mut zur Verantwortung“. Dass das Stück am Bahnhof spiele, freue die Bundespolizei. Er dankte dem ganzen Team für den Einsatz und, dass die Regeln der Bundespolizei zur Zivilcourage szenisch umgesetzt werden. Gemeint war damit, zu helfen, ohne sich in Gefahr zu bringen, die Polizei zu rufen, Mithilfe anzubieten, den Täter beschreiben zu können, sich um das Opfer zu kümmern und als Zeuge auszusagen. Bürgermeister Ackermann ergänzte in seiner Rede, dass er die Bedeutung der Zivilcourage nicht nur in der direkten Wirkung, sondern auch darin sehe, dass sie Hemmschwellen für mögliche Täter erhöhe.

Die Handlung des Stückes ist schnell erzählt. Auf dem Bahnhof in Waldmünchen – die Bühne des Chateaubriandstücks war von Schülern und Lehrern detailreich zum Bahnsteig umgestaltet worden – pöbelt eine vierköpfige Gruppe an „Rabauken“, so werden sie im Stück genannt, Wartende an. Manchen werden die Handys abgenommen, anderen die Hüte vom Kopf geschlagen und der Hauptübeltäter belästigt ein Mädchen. Der Helfer im Kiosk greift ein, indem er die Täter anspricht. Die Polizei wird angerufen. Beim Ertönen des Martinshorns hauen die Täter ab. Drei Bundespolizisten – Dieter Marschalt, Stefan Schichtl und Carsten Konering – fassen die Täter und bringen sie wieder auf die Bühne, wo sie indentifiziert und abgeführt werden.

Den eigentlichen Spaß des Stückes machen aber die Details aus. Zum Beispiel der Jubel von 600 Schülern als plötzlich ein Polizeibus mit Blaulicht auf den Trenckplatz flitzt. Oder eine Bahnhofsdurchsage, die eine Verspätung ankündigt, aber hinzusetzt, ob der Zug überhaupt noch ankommt, sei ungewiss.

Gelungen sind aber auch die Charaktere und die Umsetzung durch die Schüler aller Altersgruppen. Zwar haben die Schüler ein halbes Jahr geprobt, aber ihren Spielort, die Bühne auf dem Festspielplatz, konnten sie nur einmal vorab beproben.

„Ihr seid eine tolle Truppe!“

Deswegen gab die Regisseurin und Autorin Ernst das Lob an sie auch ganz schnell an ihr Team weiter: „Ich seid eine tolle Truppe und habt euch voll zusammengerauft. Es hat viel Spaß gemacht, auch wenn es voll anstrengend gewesen ist!“

Gedankt wurde neben vielen anderen auch Martin Frank als Vorsitzenden des Trenckvereins. Der sah auch Parallelen zum Trenckspiel. Auch da zeige Kathi wie man Zivilcorage richtig macht, indem sie Trenck zu einem bessern Menschen macht.

Der Anführer der „Rabauken“ bedrängt ein Mädchen.
Die Täter sind gefasst und werden zur Indentifizierung geführt.
Kathi Bauer spielt den Anführer der Bösewichte: „Es war lustig, das mal aus der anderen Perspektive zu sehen.“
Klara Danzer spielt den Kioskhelfer, der zum Helden wird : „Das hat voll Spaß gemacht und ich durfte Leuten helfen.“
Nach dem Stück gab es begeisterten Applaus.
Ein Trupp Arbeiter beseitigt Müll am Bahnsteig.
Die Autorin des Stücks mit ihrer Co-Regisseurin: Katharina Ernst und Bianca Scheitinger.
Ein Rentnerpaar am Bahnhof