Nach Cyberattacke: Produktion bei Rodinger Firma Crown läuft wieder – Experte gibt Tipps

Die Einschläge kommen näher – so schaut es aus, wenn innerhalb kurzer Zeit gleich zwei Unternehmen im Landkreis Cham Opfer von Cyberkriminellen werden. Beim Unternehmen Crown hatte deshalb die komplette Produktion ab 10. Juni stillgestanden. Doch was kann man tun, um so etwas zu vermeiden? Der IHK-Experte Dr. Christian Götz hat da Tipps für die Sicherheit parat.
Die Crown Equipment Corporation hatte bereits am 1. Juli bekanntgegeben, dass das Unternehmen den Betrieb in allen 24 Werke wiederaufgenommen hat. Die Produktion war laut Crown-Pressemitteilung unterbrochen worden, nachdem es am 10. Juni zu einer Cyberattacke auf die Betriebssysteme gekommen war.
Kriminelle im Netz
Die für Vertrieb und Service zuständigen Niederlassungen sowie die Mitarbeiter im administrativen Bereich, die während der Produktionspause weitergearbeitet haben, seien ebenfalls zum normalen Tagesgeschäft zurückgekehrt.
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Am 19. Juni hatte Crown bekanntgegeben, dass es zu einer Cyberattacke durch eine international tätige Gruppe von Cyberkriminellen gekommen war. „Dank unserer Sicherheitsmaßnahmen, der schnellen Reaktion unseres IT-Teams und der Unterstützung führender Experten für Cybersicherheit konnten wir das Problem schnell eindämmen und beheben“, erklärte John Tate, Senior-Vizepräsident, in der Mitteilung. „Unser Team hat den Wiederherstellungsprozess beschleunigt und konzentriert sich nun darauf, die Auswirkungen des Angriffs zu minimieren.“
Zusammenarbeit mit US-Strafverfolgungsbehörden
Die Firma betonte, dass das Unternehmen zur Klärung des Vorfalls mit den US-Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeite. Außerdem werde man sein Cybersicherheitsprogramm ausweiten und die gemachte Erfahrung nutzen, um Präventivmaßnahmen und Schadensminimierung weiter zu verbessern, so die Unternehmensleitung.
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In den ersten Tagen nach der Attacke gab es wenig Informationen. Die Parkplätze bei den Werken in Roding waren leer. Aus Ohio hieß es, es gebe IT-Probleme, mehr nicht. Die Rodinger Mitarbeiter erfuhren meist auch wenig, wurden ins Zwangsfrei geschickt. Erst zum Neustart bekam jeder dem Vernehmen nach ein eigenes, neues Passwort, um wieder arbeiten zu können.
Das Passwort ist ein Stichwort, das auch IT-Experte Dr. Christian Götz auf Nachfrage aufgreift. Der IHK-Vertreter spricht von grundsätzlichen Hausaufgaben, die gemacht werden müssten, um zumindest eine Basissicherheit zu erreichen, wie ein regelmäßiges und sicheres Backup der Daten, eine kontinuierliche Aktualisierung aller Betriebssysteme und Anwendungen mit Sicherheitsupdates und eben sichere Passwörter.
Das heißt für ihn mindestens 16 Zeichen und für jeden Zugang ein eigenes Passwort, wie es jetzt bei Crown gelaufen ist. Dazu rät er zu Multi-Faktor-Authentifizierung für alle Cloud-Dienste und eine aktuelle und richtig konfigurierte Firewall mit Virenschutzlösung. Dazu sollten laut Götz Administratorkonten und Benutzerkonten getrennt werden und auch die Mitarbeiter sensibilisiert werden. Es brauche ein Notfallkonzept, um die wichtigsten Prozesse aufrechtzuerhalten und den Betrieb zügig wiederherstellen zu können, so der Experte.
Größere Unternehmen und Organisationen müssten ein strukturiertes Risikomanagement betreiben: Dazu gibt es für die IT-Sicherheit Standards, die eine Richtschnur geben, was zu tun ist.
Schwachstelle Mensch
„Die größte Schwachstelle ist immer noch der Mensch“, betont Götz. Es sei in der Regel einfacher, Menschen zu täuschen, als technische Systeme anzugreifen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen würden häufig nicht individualisierten Massenangriffen zum Opfer fallen. Meistens erkenne der Empfänger, dass es sich um Phishing oder andere Betrugsmails handelt.
Doch sei keiner gefeit, auf einen betrügerischen Link zu klicken oder eine Datei mit Schadsoftware zu öffnen. „Mit KI wird es immer einfacher, täuschend echte Mails oder Nachrichten zu produzieren“, stellt der Experte fest. Zur Digitalisierung gebe es keine Alternative, doch dürfe sie nicht dazu führen, die Sicherheit des eigenen Unternehmens zu gefährden.
Dass bei Crown der Angriff, der in den USA erfolgte, auch Roding traf, liege am Netzwerk, das natürlich auch Angreifer nutzen würden. „Deswegen ist es wichtig, in einem Netzwerk immer wieder Hürden einzubauen“, meint er: „Am besten vergleicht man das mit einer Festung. Gibt es nur eine Außenmauer, kann jeder, der reinkommt, ungehindert überall hingehen.“ Es brauche mehr Mauern – „Je wichtiger ein Bereich ist, desto dicker sind die Türen und desto kleiner ist der Kreis der Zugangsberechtigten. Bis hin zur streng bewachten und geschützten Schatzkammer.“
Meist Erpressungsversuche
Dieses Prinzip sollte auch im IT-Netzwerk umgesetzt werden. Bei den Angriffen handele es sich meist um Erpressungsversuche oder den Verkauf von Daten durch kriminelle Personen oder Organisationen. Spionage werde so ebenfalls betrieben. Und: „Politisch motivierte Angriffe haben in den letzten Jahren durch den Ukrainekrieg zugenommen.“ Es gehe um Sabotage und Propaganda.
Am besten habe eine Firma für solche Fälle einen Notfallplan in der Schublade: „Es kann jeden treffen, hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.“ Deswegen sei es keine Schande, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, sagt Dr. Götz. Grundsätzlich solle man offen und transparent kommunizieren, um das Vertrauen der Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten nicht zu verlieren.
Die IHK Regensburg biete seit rund 25 Jahren Informationsveranstaltungen zur IT-Sicherheit an. Sie arbeite mit Institutionen wie dem IT-Sicherheitscluster in Regensburg sowie mit Hochschulen, Firmen und Kommunen zusammen, um die Menschen für Sicherheit zu sensibilisieren. Hilfe im Notfall biete die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime für die Wirtschaft in Bayern sowie die verschiedenen IT-Systemhäuser und Spezialisten wie Forensiker.