Nach fast zwei Wochen im Produktionsstopp: Neustart bei der Firma Crown in Roding?

In einer aktuelle Werbung um Nachwuchs heißt es beim Gabelstaplerbauer Crown: „Mit dir bewegen wir mehr.“ Doch die vergangenen zwei Wochen hätten wohl auch neue Azubis nichts genützt: Die Produktion wie die Internetverbindungen bei Crown standen weltweit still – und sie stehen wohl noch vielerorts still.
Wie aus Rodinger Mitarbeiterkreisen der Firma zu erfahren war, wird seit Donnerstag nach und nach mit der Vergabe von neuen IT-Zugängen und Passwörtern ein Neustart begonnen.
Wobei auch die Beschäftigten selbst wenig zu den Gründen des zweiwöchigen Produktionsstopps zu hören bekommen. Firmensprecher Jeff Lawrence aus der Konzernzentrale in New Bremen hatte im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt, dass es massive IT-Probleme gebe und man alles daran setze, diese schnellstmöglich zu beheben. Doch hatte er sich nicht weiter zu den Gründen äußern wollen, wo es im Unternehmen hake.
Start in den USA
Begonnen habe die Problematik jedoch in den USA, sei danach auch in Europa, etwa in Roding, angekommen und habe dort die Produktion lahmgelegt. Keine Antwort gab er auf die Frage, ob es ein Cyberangriff war, woher der kam und was die Hintergründe dafür sein könnten. Eine Anfrage unserer Zeitung von Mittwoch in der Crown-Kommunikationsabteilung in München blieb bis Freitag unbeantwortet.
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Auch, weil das Unternehmen bislang wenig zu den Problemen sagen wollte, bleibt der Raum für Spekulationen groß. Unter den Rodinger Mitarbeiter und deren Angehörigen war schnell ein Hackerangriff als Ursache genannt worden, was auch die Zurückhaltung der Unternehmenskommunikation erklären würde.
Keiner spreche gerne über solche Dinge, daher werde so etwas meist nicht bekannt, hatte Richard Brunner von der IHK in Cham erklärt.
Nur vereinzelt seien Schichten gefahren worden, war von Rodinger Crown-Beschäftigten zu hören – die meisten Mitarbeiter seien in den Urlaub geschickt worden. Da haben es die Rodinger zumindest wohl finanziell besser als die Kollegen in Amerika, wie im Netz zu lesen ist. Manchen Beschäftigten in den USA sei gesagt worden, sie sollten sich arbeitslos melden, denn sie bekämen aktuell keinen Lohn, heißt es da. Andere gingen auch in vorzeitigen Urlaub.
Im Internet gab es einige Debatten um die Hintergründe der Probleme bei Crown. Klar scheint da etwa für den Macher von Borns IT- und Windows Blog, dass es sich um einen Cyberangriff gehandelt hat. Dahinter steckt Günter Born, ein deutscher Ingenieur und Sachbuchautor zu IT-Themen, der aktiver Blogger und somit durchaus ein Experte in IT-Dingen ist. Auf eine Attacke würden mehrere Quellen hinweisen, so der Autor des Blogs, darunter seien auch amerikanische Crown-Mitarbeiter.
Beschrieben wird, was alles nicht funktioniere, wie etwa Teile zu bestellen oder auf das Lager zurückzugreifen oder auch Löhne auszuzahlen. Das Unternehmen sei komplett digitalisiert, somit sei alles runtergefahren.
Allgemein wird darüber diskutiert, wie eine solche Attacke abgelaufen sein könnte und warum die Sicherheitssysteme nicht funktionierten. In den jüngsten Einträgen zitiert Born eine seiner Quellen aus den USA, dass das Crown-Management die Mitarbeiter nun offiziell darüber informiert habe, dass sie Opfer eines Ransomware-Angriffs geworden seien.
25 Millionen an Lösegeld?
Dabei werden Firmendaten von kriminellen Hackern verschlüsselt und erst gegen Lösegeldzahlung wieder freigegeben. Eine unbefugte Person habe Zugriff auf das Firmennetzwerk in den USA erhalten, so die Darstellung im Blog, dann ein Schadprogramm installiert, das das IT-System dann am 9. Juni stoppte. Was nun genau passiert sei, sei unklar, doch für den Autor ist damit bestätigt, dass es eine Cyberattacke war und auch eine Information zu einer Lösegeldforderung hat er unter reddit.com gefunden: 25 Millionen US-Dollar sollen da verlangt worden sein. Die US-Belegschaft sei darüber informiert worden, dass die IT des Unternehmens von international tätigen Cyberkriminellen gehackt worden sei – das FBI sei in den Fall involviert.
Die IT-Abteilung habe begonnen, alle Passwörter für den Online-Zugriff zurückzusetzen, so Borns Quelle aus der Crown-Belegschaft, so wie es auch in Roding zu hören ist. Die Wiederaufnahme des Betriebs sei für Montag, 18. Juni, angekündigt, dann aber auf den 24. Juni verschoben worden.
