Festakt im Storchenwirt: Thomas Reimer wurde zum Altbürgermeister ernannt

Es ist die höchste Ehre, die es für Neustädter Bürger gibt. Jetzt wurde sie Thomas Reimer zuteil. Der frühere langjährige Erste Bürgermeister wurde zum „Altbürgermeister“ ernannt und mit dem Goldenen Ehrenring der Stadt ausgezeichnet.
Es war eine Stadtratssitzung, in der Reimer ausgezeichnet wurde und sie hatte nur einen Tagesordnungspunkt. Dafür, dass es nur den einen Tagesordnungspunkt gab, war die Sitzung sehr gut besucht. Neben den Stadträten waren auch ehemalige Stadträte, die Geistlichen, der Landrat, sowie aktuelle und frühere Mitarbeiter der Stadtverwaltung und die Familie des einstigen Bürgermeisters anwesend.
Der Grund für den Andrang war ungewöhnlich genug. Thomas Reimer (SPD), der von 2002 bis 2020 Bürgermeister der Stadt war, wurde zum Altbürgermeister ernannt. Außerdem wurde ihm der Goldene Ehrenring verliehen. Er ist die höchste Auszeichnung, die die Stadt verleiht. „Sie ist auf fünf lebende Personen beschränkt und wird heute zum vierten Mal überhaupt verliehen“, betonte Reimer Nachfolger, Thomas Memmel (CSU), in seiner Laudatio.
In Neustadt angefertigt
Immerhin, darauf wies der Zweite Bürgermeister Günter Schweiger (CSU) in seiner Begrüßung hin, stand der Ring bei der Verleihung im Storchenwirt auch rechtzeitig zur Verfügung. Bei der Verleihung an Reimers Vorgänger Hans Gigl hatte man auf „Nummer sicher“ gehen wollen und das Goldstück im Tresor im Rathaus verschlossen. Als es auf den Festakt zuging, ließ sich jedoch der Tresor nicht öffnen, weshalb ein Schlosser mit schwerem Gerät anrücken und den Geldschrank „knacken“ musste.
Damit dieses Mal derartige Probleme nicht auftauchen konnten, hatte Neustadts Dritter Bürgermeister Sebastian Mayer (CSU) den Ring verwahrt. Bei Mayer, der einen Steinwurf vom Rathaus entfernt mit seinem Bruder ein Geschäft für Uhren, Brillen und Schmuck betreibt, war der Ring auch angefertigt worden. Es war für Sebastian Mayer nicht der erste Auftrag dieser Art. „Wir haben auch den Ring für Hans Gigl“, angefertigt, sagt er.
Ob für Gigl oder Reimer: Die Ringe sind immer gleich. Sie sind ähnlich einem Siegelring gearbeitet, tragen das Wappen der Stadt und innen ist der Name des Trägers sowie das Datum der Verleihung graviert. „Zweimal war Thomas Reimer dafür bei uns im Geschäft. Einmal zur Ermittlung der Ringgröße und einmal zur Anprobe“, erklärt der Dritte Bürgermeister.
Neustadt präsentierte sich an diesem Abend von seiner besten Seite – gut gelaunt und einer Meinung. Das war auch schon bei der Abstimmung über die Auszeichnungen Reimers der Fall gewesen. Wie fast immer waren die entsprechenden Beschlüsse im Stadtrat einstimmig gefasst worden. Und jetzt beim Festakt, der die etwas steif Stadtratssitzung genannte Veranstaltung in Wirklichkeit war, zeigte Amtsinhaber Thomas Memmel seinen Respekt gegenüber seinem Amtsvorgänger.
Memmel zählte nicht nur die zahlreichen Verdienste Reimers auf. Er warb auch um Verständnis für das, was ein demokratisches Gemeinwesen wichtig ist – und dafür zitierte der CSU-Bürgermeister mehrfach einen großen Sozialdemokraten. „Die Demokratie lebt vom Kompromiss. Wer keine Kompromisse machen kann, ist für die Demokratie nicht zu gebrauchen“, habe der einstige Bundeskanzler Helmut Schmidt gesagt. Kompromiss und Demokratie stelle „den Menschen in den Mittelpunkt und das ist der Bezug“, sagte Memmel. Dazu gehöre auch, dass gestritten wird. Auch insofern berief sich Memmel auf Schmidt. „Eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist keine!“, hatte der einst gesagt.
„Vergelt‘s Gott“
Reimers Politik sei zudem eine Politik von Mensch zu Mensch gewesen. „Direkt auf die Menschen zugehen, sich aktiv zu kümmern und das Gespräch zu suchen.“ Zugleich bedeute es, auch als Gesprächspartner zur Verfügung stehen – als Diskutant und Erklärer, als Kummerkasten und Klagemauer, auch als Tröster und Zuhörer.
Und so stellte denn der amtierende Bürgermeister nach einer Aufzählungen aller Verdienste seines Vorgängers für die Stadt und ihre Menschen fest: „Lieber Herr Reimer, die Stadt hat in den 18 Jahren Ihrer Amtszeit eine hervorragende Entwicklung genommen. Für all Ihren Einsatz, Ihr Engagement und Ihre Verdienste möchte ich Ihnen im Namen der Stadt Neustadt, des Stadtrates und der Stadtverwaltung ganz herzlich danken. Vergelt‘s Gott für Ihre Arbeit.“
Thomas Reimer freute sich über die Laudatio und genoss die Glückwünsche. Er betonte: „Für eine erfolgreiche Arbeit braucht es viele.“ Darum wollte auch er an diesem Tag Danke sagen. Neben Stadträten, Bürgermeister-Stellvertretern und den Mitarbeitern der Stadtverwaltung bedankte er sich insbesondere bei seiner Familie. Sie hatte oft auf ihn verzichten müssen, weil das Amt des Bürgermeisters im Zweifelsfall ein Full-Time-Job an sieben Tagen pro Woche ist. An seine beiden Söhne Matthias und Stephan gewandt sagte er: „Ihr musstet öfter auf den Vater verzichten. Aber ohne euch wären diese 18 Jahre nicht möglich gewesen.“
Abschließend freute sich Reimer, der an diesem Dienstag 70 Jahre alt wird, auch darüber, dass sein „schwarzer“ Nachfolger ausgerechnet an diesem Tag eine rote Krawatte trug. Wer wollte, konnte noch mehr Symbolik sehen – zum Beispiel, dass das Fest im Storchenwirt stattfand, dessen Kauf und Sanierung Reimer einst vehement verfochten hatte.

