Vom Start weg war dieser Dorfladen ein Erfolg – Aber es gab auch Probleme

Es war ein Experiment und es ist geglückt. Dennoch hat das Team des Dorfladens Hienheim auch „Lehrgeld zahlen“ müssen. Aber an diesem Samstag wird erst einmal gefeiert. Dann ist der Dorfladen nämlich ein Jahr alt.
Es war ein Einstand nach Maß. Bis weit vor dem Laden standen am Freitag, 14. Juli 2023, dem Eröffnungstag, zeitweilig die Kunden, um im neuen Dorfladen Hienheim einzukaufen. Man musste Zeit mitbringen, wenn man im Dorfladen einkaufen wollte. Bereits morgens um 5.30 Uhr, als das Geschäft erstmals öffnete, waren die ersten Kunden da. Zwei Männer bestellten Kaffee und Butterbrezen und verzehrten beides gleich im Laden.
Doch was danach passierte, übertraf die Erwartungen aller Beteiligten. Es kamen nämlich immer mehr Kunden. Zeitweilig reichte die Schlange von der Theke im Geschäft quer durch den Laden über den Dorfplatz bis zur Bushaltestelle. Dutzende Bürgerinnen und Bürger dürften angestanden haben. Auch um neun Uhr reichte die Schlange nach einem kurzfristigen Rückgang der Kundenschar wieder von der Theke bis vor den Laden.
Frische Semmeln sind der Hit
Ein Jahr später hat das Interesse der Bürger an ihrem kleinen Laden nicht nachgelassen. Der Laden schließt die Lücke in der Versorgung, die nach dem Ende des letzten Nahversorgers entstanden war. „Auf Platz eins unserer Verkaufsliste steht die Rosensemmel. Die wird tausendfach gekauft“, sagt Elena Forster, die Geschäftsführerin. „Generell gehen Semmeln gut, aber genauso auch Wurst- und Fleischwaren und Käse.“ Vor allem frische Produkte, betont Elena Forster, seien bei der Kundschaft beliebt. „Außerdem lieben die Leute regionale Produkte. Sie fragen auch gezielt danach.“ Im Dorfladen hat das sogar zu Neuschöpfungen wie die „Hienheimer Mischung“, eine eigene Kaffeemischung, geführt.
Aber es hat sich im ersten Jahr des Dorfladens einiges im Angebot geändert. „Das Angebot, das wir im Juli vorigen Jahres hatten, hat sich so nicht durchgesetzt“, sagt die Geschäftsführerin. So werden deshalb nur noch die Fleisch- und Wurstwaren eines Metzgers geführt. Dafür sind in anderen Bereichen wie den Backwaren die Erwartungen voll aufgegangen. So sind beispielsweise Schoko- und Creme-Rouladen, wie sie früher in Hienheim hergestellt wurden, sehr beliebt.
„Die Resonanz ist gut“, stellt Elena Forster fest. Aber sie und ihr Team, mussten auch Erfahrungen sammeln. Nicht alles lief von Anfang an glatt. So war am Anfang nicht klar, wie viele Semmeln und Brote tatsächlich gebraucht würden. „Vieles musste sich einspielen. Wir haben gelernt, die Leute haben gelernt“, sagt Elena Forster rückblickend.Zu den nicht so schönen Erfahrungen gehörte auch, dass der Umsatz zeitweilig deutlich rückläufig war. Die Ursache war die Sanierung der B299-Donaubrücke bei Neustadt. Monatelang liefen Verkehrsströme anders und ein Teil der Kundschaft blieb aus. Die kommt überwiegend aus Hienheim selbst, aber auch aus umliegenden Gemeinden. Handwerker, die sich eine Brotzeit holen, gehören genauso dazu wie Touristen, die an der Donau unterwegs sind.
Inzwischen läuft es wieder im Dorfladen. „Die Resonanz ist gut“, sagt die Geschäftsführerin. Rückblickend, stellt sie fest, sei es richtig gewesen, vor der Eröffnung des Ladens eine Umfrage zu machen, um die Wünsche der Bevölkerung zu ermitteln. Richtig sei es auch gewesen, andere Dorfläden zu besichtigen. „Davon haben wir uns ganz viel inspirieren lassen.“ Wichtig seit schließlich auch gewesen, „dass wir geschaut haben, viele helfende Hände zu bekommen“. Nach einem halben Jahr Planung ging der Laden an den Start.
Fundament im Dorf
So hatte der Dorfladen von Beginn an ein Fundament in der Bevölkerung. Dazu trug auch bei, dass sich 108 Einwohner mit Einlagen zwischen 200 und 1000 Euro am Grundkapital des Geschäftes beteiligten. Von der Summe wurde die Einrichtung gekauft. Finanziert wurde der Start zudem durch Fördermittel und Sachspenden.
Zum Geburtstag am Samstag ist eine Feier am Dorfladen geplant. Es soll ein Fest fürs ganze Dorf werden. Es wird gegrillt, es gibt Kaffee und Kuchen. Auch Eis wird es geben. Für die Kinder wird eine Hüpfburg aufgebaut, auch Kinderschminken ist geplant.
Und: Ausnahmsweise hat der Dorfladen bis 17 Uhr geöffnet. Normalerweise schließt er am Samstag bereits um 11 Uhr. Aber Geburtstag wird ja auch nicht an jedem Wochenende gefeiert.

