Regensburg-Kumpfmühl bekommt einen Charlotte-Brandis-Park

Von Juliana Ried · 17. Juli 2024 um 05:00

Gut ein Jahr nach dem Beschluss zur Umbenennung des Kumpfmühler Karl-Freitag-Parks in Regensburg hat am Dienstagabend die Debatte über einen neuen Namen ein Ende gefunden.

Der Stadtplanungsausschuss entschied einstimmig, dass die Grünanlage künftig Charlotte-Brandis-Park heißt, nach einer jüdischen Schülerin, die den Holocaust nicht überlebte. Christian Janele (Christlich-Soziale-Bürger), der kurz vor der Sitzung vorgeschlagen hatte, den Park nach Hans Rosengold zu benennen, der im 20. und 21. Jahrhundert die Jüdische Gemeinde prägte, zog den Antrag angesichts der Kritik von vielen Seiten zurück.

Bisher war der Karl-Freitag-Park nach dem – auf dem Schild falsch geschriebenen – „Karl Freytag“ benannt. Der prägte nicht nur das Kleingartenwesen in Bayern, sondern war auch ein Multifunktionär in NS-Verbänden.

Keine Einigung in Koalition

Dennoch wurde die Kleingartengruppe an der Augsburger Straße der Öffentlichkeit als „Karl-Freytag-Anlage“ 1952 zugänglich gemacht, so erklärte die Beschlussvorlage für die Stadträte den Sachverhalt. Die inzwischen aufgelöste Koalition hatte sich zuvor auf keinen Ersatz für den alten Nazi-Namen einigen können.

Das Stadtplanungsamt hatte vorgeschlagen, den Park nach Charlotte Brandis zu benennen und damit einen Vorschlag des Stadtarchivs aufgegriffen. Die 1924 in Regensburg geborene Schülerin Charlotte Brandis stehe exemplarisch für viele Regensburger Jüdinnen und Juden, gerade auch Kinder und Jugendliche, die dem Holocaust zum Opfer fielen, heißt es in der Beschlussvorlage. Das Stadtarchiv habe vor einigen Jahren einen Koffer mit originalen Unterlagen der Familie Brandis übernommen, die seitdem sehr gewinnbringend in der historischen Bildungsarbeit mit Regensburger Schulklassen eingesetzt würden. Durch die unmittelbare Nähe des Parks zum heutigen Von-Müller-Gymnasium, dessen Vorläufer am Petersweg Charlotte als Schülerin besuchte, sei ein direkter räumlicher wie auch historischer Bezug gegeben. Zudem solle der Anteil von nach Frauen benannten Straßen, Plätzen und Parks steigen.

Eigentlich hatten sich die Gruppierungen im Stadtrat und Einzelstadträte bereits vor der Sitzung des Planungsausschusses im nichtöffentlich tagenden Ältestenrat auf den Namen Charlotte-Brandis-Park verständigt. Im Ausschuss erklärte Stadtrat Josef Zimmermann für die CSU, die zu Koalitionszeiten gefordert hatte, den Park nach der früheren CSU-Bürgermeisterin Hildegard Anke zu benennen: „Wir treten dem Beschlussvorschlag Charlotte Brandis gerne näher, insbesondere in Verneigung vor den Opfern, für die sie sinnbildlich steht.“ SPD-Stadtrat Klaus Rappert erwiderte: „Schöner hätte ich es jetzt nicht sagen können.“ In diese Harmonie grätschte Janele mit seinem Änderungsantrag. Grünen-Fraktionschef Daniel Gaittet kritisierte, eine Abwägung zwischen zwei Personen sei „im Ältestenrat besser aufgehoben“. FDP und BSW schlossen sich der Kritik an und auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) betonte: „Es ist nie gut, wenn Personen gegeneinander ausgespielt werden.“

Grüne: Es bleibt viel zu tun

Gaittet (Grüne) merkte an, der Park sei nur ein „Anfang“, es gebe viel zu tun in Bezug auf belastete Straßennamen. Was Rosengold angehe, so finde sich ein anderer Platz, argumentierten Grüne, SPD, Brücke, ÖDP und FDP. Brücke-Stadtrat Florian Rottke ergänzte, er empfinde es als „hochgradig unangemessen“, dass der AfD-Vertreter bei diesem Tagesordnungspunkt den Saal verlassen habe.

Der Geschichts- und Kulturverein Kumpfmühl hatte unter anderem vorgeschlagen, den Park nach der evangelischen St.-Johannes-Kirche daneben zu benennen oder nach den dort sich aufhaltenden Flattertieren Fledermaus-Park, so Vorsitzender Rainer Girg. Wichtig sei dem Verein ein Bezug zum Stadtteil, insofern gelte für Charlotte-Brandis-Park: „Das kann man vertreten.“