Zahl der Scheidungen auf Tiefststand: In Regensburg siegt immer öfter die Liebe

Statistik und Romantik – das passt selten zusammen. Doch diese Zahlen versprühen Liebe: Noch nie seit der Jahrtausendwende wurden in Regensburg so wenige Ehen geschieden, wie im vergangenen Jahr.
Die Liebe hält nicht nur hier immer länger, vielmehr handelt es sich um einen deutschlandweiten Trend. Doch während bundesweit auch die Zahl der Eheschließungen konstant sinkt, wird in Regensburg nach wie vor fleißig „Ja“ gesagt.
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Dass weniger Menschen verheiratet sind und somit auch weniger Ehepaare wieder auseinandergehen, ist nicht Grund für den niedrigen Scheidungsstand. „Die Ehen halten einfach länger“, sagt Amanda Escherich. Seit knapp 25 Jahren betreut die Fachanwältin für Familien- und Erbrecht Klienten, die sich scheiden lassen. Über die Gründe für den Rückgang an Scheidungen kann sie nur mutmaßen: „Man wirft vielleicht nicht mehr vorschnell hin, sondern versucht, noch etwas zu reparieren.“ Außerdem werde heutzutage später, also in höherem Alter, geheiratet, als früher. Frauen haben eine abgeschlossene Ausbildung, bevor sie sich trauen lassen, die Entscheidung für einen Lebenspartner, mit dem man sich traut, könnte dadurch unabhängiger und wohlüberlegter getroffen werden.
Seit Jahren unter Marke von 400 Scheidungen
„Juristische Fallstricke, die verschärft worden wären, sind nicht der Grund“ für weniger Scheidungen, sagt Escherich. An der Gesetzgebund im Familienrecht habe sich nichts geändert zum vergangenen Jahr. Und die Zahlen in Deutschland (siehe Zusatzinfo am Ende des Textes) und Regensburg sind eindeutig.
Auf MZ-Anfrage teilt Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra eine Auswertungen aus dem städtischen Melderegister zu Ehescheidungen seit dem Jahr 2000. Zu Beginn des neuen Jahrtausends lag die Zahl an Scheidungen pro Jahr deutlich über 500. Ein Höchststand wurde 2004 mit 617 geschiedenen Ehen erreicht. In den 2010er Jahren waren zwischen 400 und 500 Scheidungen pro Jahr die Regel. Und seit 2020 wurde in keinem Jahr mehr die Marke von 400 Scheidungen erreicht, mit dem Tiefststand von 383 Ehescheidungen im Jahr 2023.
Es wird fleißig geheiratet
Die Zahl der Eheschließungen bleibt dabei über die Jahrzehnte in Regensburg recht konstant. In den 1990er Jahren heirateten jährlich in der Regel zwischen 900 und 1000 Paare. Ebenso in den vergangenen Jahren, bis auch eine leichte Corona-Delle mit 881 und 824 Eheschließungen. Dafür waren die Vor-Corona-Jahre 2017 bis 2019 mit zwischen 1016 und 1052 Eheschließungen die trauungsreichsten Jahre seit 1990.
Schwerpunkte lassen sich bei Scheidungen kaum benennen, sagt Anwältin Escherich. In die Brüche können absolute Kurz-Ehen unter drei Jahren ebenso gehen wie Langzeit-Ehen von 20 Jahren und mehr. Auch im Rentenalter ließen sich Paare noch scheiden, informiert Escherich. Auch die Gründe für Trennungen sind breit gestreut: „Man lebt sich auseinander, man verliebt sich neu, man hält die Marotten des anderen nicht mehr aus“, zählt Escherich auf. „Ich frage auch gar nicht nach.“ Die Geschichten der Bald-Geschiedenen hört sie dennoch oft. Aktiv erfragt die Fachanwältin jedoch nur eines: „Seit wann leben Sie getrennt?“ Dass das Trennungsjahr erfüllt ist, ist die einzige Auflage für eine Scheidung.
Einvernehmliche Lösungen
Einen Trend hat Escherich bei Scheidungen aber ausgemacht: Immer mehr Ehegatten würden versuchen, die Vermögenstrennung einvernehmlich zu lösen. „Die Menschen, die Vermögen haben, wollen es nicht verstreiten – was ja auch vernünftig ist“, sagt Escherich. Hier kommt die Anwältin für eine gütliche Lösung ins Spiel.
Nicht nur vernünftiger, sondern rundum schöner ist, wenn die Liebe hält. Und dies passiert immer öfter, das zeigt die Regensburger Statistik. Zu der auch Amanda Escherich beiträgt: Seit 13 Jahren ist sie verheiratet. Glücklilch. Zur Scheidungsstatistik wird sie auf Sicht keinen Fall hinzufügen.
INFO: Deutschlandweiter Trend
Tiefststand: Im Jahr 2023 wurden in Deutschland durch richterlichen Beschluss rund 129.000 Ehen geschieden. Wie das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung schreibt, sank die Zahl der Scheidungen gegenüber dem Vorjahr um 8300. Im langjährigen Trend geht die Zahl der Scheidungen seit 20Jahren fast ausnahmslos konstant zurück und erreichte 2023 den niedrigsten Stand seit der Deutschen Vereinigung im Jahr 1990.
Gründe: Die Corona-Pandemie habe diese Entwicklung nicht beeinflusst, schreiben die Statistiker. Schon eher ein Grund für die wenigen Scheidungen könnte sein: Die Zahl der Eheschließungen ist langfristig ebenfalls rückläufig. 2023 sank sie bundesweit auf den zweitniedrigsten Stand seit 1950.