Zwei Tierärztinnen erfüllen sich ihren Traum und eröffnen ein Kleintierzentrum in Neumarkt

Von Anika Ferko · 17. Juli 2024 um 05:00

Hunde, Katzen und kleine Heimtiere: Für tierische Patienten wird es ab 29. Juli eine neue Adresse in Neumarkt geben. Die Tierärztinnen Bettina Forster und Martina Lasser eröffnen ihr eigenes Kleintierzentrum in Woffenbach. Mit der Möglichkeit der Endoskopie, Chemotherapie und Zahnheilkunde setzen sie auf eine spezialisierte Versorgung.

In der Lagerhalle herrscht geschäftiges Treiben, erst am Montag wurde die Küche für die Mitarbeiter geliefert. Zwei Handwerker kümmern sich um die Empfangstheke, ein weiterer Kollege steigt soeben die Leitersprossen hoch, den Meterstab griffbereit in der Seitentasche. Inmitten des Trubels stehen Bettina Forster (38) und Martina Lasser (42). „Wir haben schon länger mit dem Gedanken gespielt, dass wir uns selbstständig machen“, sagt Forster. Die gemeinsame Entscheidung für ein eigenes Kleintierzentrum sei im Januar gefällt worden. „Dann ging es Schlag auf Schlag.“

Die zwei Tierärztinnen kennen sich bereits seit Jahren: Beide arbeiteten zuletzt in einer Tierarztpraxis in Postbauer-Heng, erzählt Lasser. Zuvor war sie war an der Nürnberger Tierklinik am Nordring tätig gewesen, ihre Kollegin Forster an der Nürnberger Klinik am Hafen.

Das Objekt in der OM-Klebetechnik-Straße in Neumarkt hätten sie durch ein Inserat gefunden, auch der Vermieter sei gleich „Feuer und Flamme für das Projekt“ gewesen, erzählen sie. Im Februar sei die Planung losgegangen.

Austausch mit Tierarztpraxen in Neumarkt und Umgebung

Beide Tierärztinnen haben ihre Spezialgebiete: Bettina Forster ist Fachtierärztin für Innere Medizin der Kleintiere, Martina Lasser Spezialistin für Zahnheilkunde und seit zwei Jahren bei der DGT (Deutsche Gesellschaft für Tierzahnheilkunde) gelistet.

In Neumarkt und der Region sei viel Bedarf da, sagt Forster. „Aber wir sind nicht die klassische Kleintierpraxis, sondern sehen uns als Schnittstelle zwischen Praxis und Klinik.“ Der Plan sei es, auch Überweisungspatienten von den Neumarkter Kollegen und Tierärzten aus dem Umkreis anzunehmen. „Wir können bei den Tieren die Diagnostik machen oder auch Zahnbehandlungen und können sie wieder an die Kollegen zurücküberweisen.“ Daneben werde auch die normale haustierärztliche Versorgung im Zentrum abgedeckt.

Als Fachtierärztin für Innere Medizin will Forster unter anderem Endoskopien anbieten, also eine Spiegeluntersuchung etwa im Magendarmtrakt, in den Bronchien oder der Blase. „Dafür müsste man normalerweise nach Nürnberg fahren“, sagt Forster. Zudem möchte sie Chemotherapien anbieten, „was sehr selten in der Gegend ist“.

Erfahrungsgemäß haben 80Prozent der Hunde, die durch ihre Tür kommen, chronisches Erbrechen, sagt Forster. Dank des Labors, des Ultraschalls und der Endoskopie vor Ort „können wir nun die komplette Aufarbeitung machen.“ Und die Patienten würden immer in einer Hand bleiben, erklärt sie.

Ziel: Angebot der Knochenchirurgie

Für die Zukunft haben sich die Ärztinnen einiges vorgenommen: Lasser plant unter anderem, Kieferorthopädie und Zahnerhaltungstherapie vor Ort anzubieten. Auch die langfristige Möglichkeit eines Herzultraschalls sowie das Angebot von Knochenchirurgie stehen auf der Liste. „Wir haben hier alle Möglichkeiten, wir haben so viel Platz“, findet Lasser. Langfristig sei zudem geplant, eine Weiterbildungsstätte zu werden, sagt Forster. „Wir wollen innerlich wachsen.“

Tag der offenen Tür am 3. August

In knapp zwei Wochen, am 29.Juli, soll das Zentrum eröffnen. Bis zum Start sind noch einige Punkte offen, wie Forster weiß: „Diese Woche werden die ganzen Behandlungsräume mit den Küchenzeilen bestückt.“ Außerdem wird die Ausstattung angeliefert, dazu gehören OP-Tische und Lampen und Kleingeräte. Lasser nickt und schaut sich auf der Baustelle um: „Nächste Woche haben wir dann Zeit, uns einzurichten und die Abläufe zu üben.“ Das fünfköpfige Team bestehe aus einem angestellten Tierarzt, zwei tiermedizinischen Fachangestellten sowie Forster und Lasser. So langsam komme die „kitzelnde Vorfreude“ auf, gibt Lasser zu.

Termine im Kleintierzentrum können sowohl online auf der eigenen Website als auch telefonisch vereinbart werden. Am 3.August ab 14 Uhr findet ein Tag der offenen Tür mit einer Führung durch die Praxisräume statt.

Raumaufteilung im Kleintierzentrum

Erdgeschoss: Neben zwei Wartebereichen gibt es zwei Behandlungsräume, einen Ultraschall- und einen Röntgenraum, ein Labor sowie einen Zahn-OP und einen sterilen OP. Hinzu kommen ein Stations- und ein OP-Vorbereitungsraum sowie ein barrierefreies WC.

Erste Etage: Neben Büros und der Technik gibt es die Mitarbeiterküche, Umkleiden, Toiletten sowie einen großen Konferenzraum.

Das Kleintierzentrum von außen: Links befindet sich der Kundeneingang mit Glasfront, rechts der Personaleingang. Foto: Anika Ferko
Auch Hunde werden im Kleintierzentrum behandelt. Symbolbild: Christin Klose/dpa