Siegenburger Kirche wird 130 Jahre alt

Den Anblick der Siegenburger Pfarrkirche St. Nikolaus, die hoch über dem Ort prangt, haben sicherlich viele vor Augen. Wohl auch diese Lage hat dem Gotteshaus den Namen „Dom der Hallertau“ eingebracht. Jetzt feiert die Pfarrgemeinde mit einem speziellen Gottesdienst einen besonderen Jahrestag.
„Zur Erinnerung an die heilige. Kircheneinweihung in Siegenburg“. So steht es laut Pfarrer Franz X. Becher auf einem Erinnerungsbild, das auf das Ereignis vom 20. Juli 1894 hinweist. Dieses Datum jährt sich am kommenden Samstag zum 130. Mal. Deshalb soll der Gottesdienst am Sonntag darauf um 10.30 Uhr ganz im Zeichen dieses Jubiläums stehen.
Besagtes Foto stammt laut Becher aus dem Siegenburger Kirchenarchiv. „Auf ihm ist das genaue Weihedatum vermerkt“, betont er im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Zu sehen ist ein Teil der damaligen Festgesellschaft vor dem Siegenburger Pfarrhaus. Becher hatte in den vergangenen Wochen das Archiv durchstöbert. Es sei nämlich nicht klar gewesen, an welchem Tag genau die Kirche geweiht wurde. Es gibt in der Tat historische Abhandlungen, in denen der 19. Juli genannt wird. Da er nun die Abbildung gefunden hat, herrsche Klarheit.
Infos von Sixtus Lampl
Aus der Feder des ehemaligen Oberkonservators des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Sixtus Lampl stammt eine historische Beschreibung der Kirche, die unter anderem auf der Internetseite der Kommune Siegenburg zu finden ist.
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Nach den Verwüstungen des Landshuter Erbfolgekrieges mit Brand der Schlosskapelle 1504 wurde laut Lampl eine neue Kirche gebaut – die spätgotische Vorläuferin der jetzigen Pfarrkirche. Es zahlte sich aus, dass die Siegenburger das Gotteshaus auf einem Hügel über dem Siegbach bauten. So überstand es insgesamt vier Ortsbrände. Seine Ausstattung ist unbekannt, dürfte aber nach Einschätzung des Experten ab dem 17. Jahrhundert barock gewesen sein. Bereits 1816 entstand der heutige Turm.
Friedhof wurde verlegt
Der Markt Siegenburg wurde 1846 Zentrum eines Hopfensiegelbezirks. Es folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung, die Bevölkerung stieg. Deshalb befasste man sich ab 1864 mit Plänen, die Kirche zu vergrößern – oder gleich eine Neue zu bauen. Obwohl die offiziellen Stellen zunächst einen Anbau an den Westgiebel favorisiert hatten, beschloss die Versammlung der Pfarrgemeinde 1890 einstimmig einen Neubau.
Nachdem bereits 1882 der Friedhof verlegt wurde, war es möglich, südlich der alten Kirche zu bauen und zugleich deren Südturm als Nordturm der neuen Kirche beizubehalten. Die Grundsteinlegung fand am 21. August 1892 statt. Nach einer sehr kurzen Bauzeit von rund einem Jahr feierten die Siegenburger an Weihnachten 1893 die erste heilige Messe im Neubau. Dessen Weihe erfolgte durch Bischof Ignatius vom Senestrey. Im Vorfeld der Jahrhundertfeier wurde die Kirche 1993/94 außen und innen komplett instand gesetzt und restauriert. Bei diesen Arbeiten hatten die Siegenburger Lampl als Berater an ihrer Seite.
Zuerst an die Romanik gedacht
Aufzeichnungen des Baumeisters Andreas Haberstroh aus Siegenburg habe man es laut Lampl zu verdanken, dass es nachzuvollziehen ist, warum man sich für einen neugotischen Baustil entschieden hatte. Ursprünglich habe man die Romanik im Sinn gehabt. Es fanden sich aber Gegenargumente: Ein dafür notwendiges, auf dicken Pfeilern basierendes Bauwerk, wäre wohl finanziell aufwendig gewesen. Außerdem würden die Pfeiler den Blick auf den Altar verstellen. Im gleichen Stil und zur gleichen Bauzeit kam noch die Kapelle gegenüber der Nordseite hinzu.
Schließlich entstand ein längsrechteckiger Bau mit Satteldach mit einer Dreiecksgiebelfassade. Der Turm wurde mit einem kleinen Abstand zum Kirchengebäude belassen. Erst im August und September 1925 gestaltete der Münchner Kunstmaler Josef Wittmann den Innenraum: Im Zentrum stehen die Fürsprache und der Schutz des Kirchenpatrons St. Nikolaus für Siegenburg. Es predigt Bischof Nikolaus auf dem Konzil von Nizäa als einer der einflussreichsten Vertreter gegen die Lehre des Arius, der die Gottgleichheit Jesu leugnete. Weitere Kirchenlehrer sind zu sehen.
Rund um das Jubiläum
Zum Jubiläum kommt ein Neupriester aus dem Bistum Regensburg nach Siegenburg. Marvin Schwedler wird im Rahmen des Jubiläumsgottesdienstes seine Nachprimiz feiern und den den Primizsegen spenden. Die musikalische Gestaltung übernimmt der Kirchenchor.
Schwedler wurde in Dortmund geboren, seine Heimatpfarrei ist St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel. „Der Gedanke, Priester zu werden, kam bei mir sehr früh; eigentlich schon nach der Erstkommunion“, berichtet er. In seiner Heimat wirkte er als Ministrant, Mesner und Organist. Nach seiner Ausbildung zum Installateur arbeitete er noch als Handwerksgeselle.
In Regensburg studierte er sodann Theologie. Pfarrer Becher lädt nach eigener Aussage jedes Jahr einen Neupriester ein, um so junge Männer für diesen Beruf des Priesters zu interessieren. Das das heuer mit dem Weihedatum zusammenfällt, sei ein Zufall, der aber auch ganz gut passe. Am Nachmittag des Festtages um 15 Uhr findet in der Pfarrkirche eine Kirchenführung für alle Interessierten statt. Eine Anmeldung dazu ist nicht notwendig.

