Gewitter-Folgen: Regensburger Straße gesperrt – und in Altstadt-Laden schwammen die Schuhe

Von Martin Rutrecht · 15. Juli 2024 um 15:00

Es war kein Hochwasser, „nur“ ein heftiges Gewitter – und doch fühlten sich viele Kelheimer wie bei einem Flutereignis. Neben unzähligen Kellern standen auch Geschäfte und das Donau-Gymnasium nach dem Starkregen auf Freitag unter Wasser. Die Regensburger Straße ist nach einem Schadensfall gesperrt.

Johannes Döllinger ist noch immer mitgenommen. „Wir haben am Wochenende 50 Stunden mit drei Nasssaugern und Schrubbern sauber gemacht“, sagt der Geschäftsführer des gleichnamigen Schuhmode-Ladens in der Donaustraße. Etwa 2000 bis 3000 Liter Wasser habe man aus dem 120 Quadratmeter großen Geschäft geschöpft. „Die Trocknungsgeräte laufen noch immer.“

Durch die Eingangstür und auch von hinten ins Lager drang das Wasser, das nach dem Starkregen am Freitag, 12. Juli 2024, zwischen 2 und 3 Uhr auf der Straße stand. In der Nacht hatte Döllinger die Auswirkungen gar nicht mitbekommen. „Erst eine Mitarbeiterin, die am Freitag aufsperrte, sah das ganze Malheur.“ Bis zu zehn Zentimeter hoch breitete sich das Nass aus. Schuhe und Kartons, die am Boden standen, sogen sich mit Wasser voll. „Was ganz kaputt war, haben wir entsorgt, andere Schuhe gespendet“, so Döllinger.

Unbeschädigte Ware geht reduziert raus

Als Reaktion bietet er eine Reduzierung der Ware von bis zu 50 Prozent an – wohlgemerkt von Schuhen, die unbeschädigt blieben. „Wir machen das aufgrund der Umstände für die Kunden“, sagt der Geschäftsführer. Nach einer ersten Einschätzung durch einen Fachmann werde man den Boden wohl ohne Reparaturen trocken legen können, „aber vielleicht hat sich das Wasser in die Wände gesogen“.

Im Einkaufscenter (EKC) in der Schäfflerstraße fand der heftige Regen „über das Dach“ seinen Weg ins Innere, sagt Nicole Dillinger, deren Edeka-Markt wie andere Läden im EKC einige Stunden schließen musste. „Das Wasser kam praktisch von überall aus der Decke“, so Dillinger. Auch die beiden anderen Standorte ihrer Edeka-Märkte in Kelheim waren betroffen, „aber nicht so stark“. Eine Anfrage der Mediengruppe Bayern an EKC-Centermanager Rudi Studenik blieb unbeantwortet.

Auch Schüler und Lehrer helfen im Keller des Gymnasiums

Wasser floss auch in Kellerräume des Donau-Gymnasiums. „Teils kam es über Schächte von der Straße, vielleicht auch aus dem Kanal“, sagt Schulleiterin Sylvia Ettlinger. Am Freitag packten Feuerwehr, Landratsamt sowie auch Schüler und Lehrkräfte an, um das Wasser rauszuschaffen. „Derzeit sind drei Trocknungsgeräte im Einsatz, wir werden aber weitere brauchen.“

In diesem Ausmaß hat Ettlinger ein solches Schadensereignis an der Schule noch nicht erlebt. „Wir überlegen auch Maßnahmen, beispielsweise eine Erhöhung der Fensterschächte.“

Starkregen wie nur einmal in 35 Jahren

Wie heftig das Gewitter war, zeigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes. „Eine derartige Niederschlagsintensität, welche als ,intensiver Starkniederschlag’ kategorisiert werden kann, tritt statistisch gesehen einmal in 35 Jahren auf“, sagt Lothar Bock vom Regionalen Klimabüro in München auf Anfrage.

Die von Südwest nach Nordost ziehende Gewitterzelle brachte im Bereich Kelheim innerhalb einer Stunde eine Niederschlagsmenge von rund 20 bis 35 Litern pro Quadratmeter. „Ein Großteil ging dabei innerhalb von nur 20 Minuten nieder, zwischen 2.15 und 2.35 Uhr.“ In Obersaal waren es nur noch zehn Liter.

Gullys schafften die Wassermenge nicht mehr

Die Mengen überforderten die Straßenentwässerung, erläutert Thomas Ederer, Technischer Leiter im Abwasserzweckverband Kelheim. „Die Straßenabläufe konnten das Wasser nicht so schnell aufnehmen.“ Dabei spricht er von den rechteckigen Gullys am Fahrbahnrand. „Sie wurden auch teils von eingeschwemmtem Material verstopft.“

Da Regen- und Schmutzwasser in Kelheims Altstadt in einem Kanal abgeführt werden, lief in der Folge auch das Mischsystem voll. „Das Wasser drückt dann nach oben gegen die runden Kanaldeckel, bis es auf der Straßenoberfläche rauskommt. Letztlich ist das wie eine Badewanne, die überläuft.“ Bei Gebäuden ohne Rückstausicherung sucht sich das Wasser seinen Weg aus der vollen Kanalisation über Waschbecken oder Duschen, erläutert er. Eine Kanalsystem auf solche Starkregenereignisse auszulegen, sei unmöglich.

Fahrbahn hebt sich bis auf sieben Zentimeter Höhe an

Der überschießende Kanal hat wie schon beim Hochwasser Anfang Juni auch zu einem Schadensfall in der Regensburger Straße geführt. Wie berichtet hob sich die Fahrbahndecke auf Höhe des Ausrüstungsgeschäftes Huber. Bei der Flut vor wenigen Wochen war eine Stelle bei der Tankstelle Niederl betroffen. „Bis auf sieben Zentimeter Höhe hob sich die Fahrbahn“, sagt Daniela Fuchs vom Staatlichen Bauamt Landshut zum neuerlichen Schaden.

Wegen der Reparaturarbeiten wurde die Regensburger Straße am Montag zwischen dem Kreisverkehr am Donaupark und der Einmündung Affeckinger Straße gesperrt. Dadurch kann auch die Bushaltestelle Maximilianbrücke nicht bedient werden, als Ersatz wird die Haltestelle Donaupark angefahren.

Regensburger Straße bis Dienstagabend dicht

„Die Sperre wird bis Dienstagabend andauern“, erklärt Fuchs. Warum die Fahrbahn, die erst 2022 saniert wurde, immer wieder Schaden nehme, müsse zusammen mit der Frage nach den genauen Ursachen geklärt werden.

Die Feuerwehr zählte in der Gewitternacht rund 230 Einsätze. Altstadt, Bauersiedlung, Affecking, Hohenpfahl, Kelheimwinzer – überall gab es voll gelaufene Keller. Betroffen war auch Oberndorf. „Am Wochenende blieb es dann glücklicherweise ruhig“, sagt Kreisbrandrat Nikolaus Höfler.

Geschäftsführer Johannes Döllinger zeigt die Höhe des Wassers in seinem Laden an. Foto: Rutrecht