Nach der Opern-Absage in Regensburg: Das wurde im Schloss Thurn und Taxis geflüstert

Von Christian Eckl · 13. Juli 2024 um 10:58

Freunde und Vertraute des Hauses Thurn und Taxis freuten sich eigentlich auf die Premiere der 20. Schlossfestspiele mit der Oper Carmen. Doch die fiel ja ins Wasser. Was ein ehemaliger fürstlicher Geschäftsführer über seine neue Position verriet, wieso Prälat Imkamp so gut über Regensburg Bescheid weiß und wieso Gloria von Thurn und Taxis sich über eine Transperson als Priester-Begleitung freute.

Strahlende Gäste, ein weinender Himmel: Auch wenn die Premiere der 20. Thurn und Taxis Schlossfestspiele buchstäblich ins Wasser fiel, waren es die Gespräche hinter den Kulissen, die den Abend für viele Besucher dennoch zu einem Ereignis werden ließen. Waren die Schlossfestspiele in den Anfangszeiten allerdings ein Schaulaufen von Berühmtheiten aus der ganzen Welt, gehört der geladene Kreis der Adeligen eher zur Familie: Wegbegleiter und mit der Familie eng verbundene Freunde werden zwischenzeitlich traditionsgemäß ins Schloss eingeladen.

Abwesend am Freitagabend allerdings: Hausherr Albert von Thurn und Taxis, der allerdings die vergangenen Tage in Regensburg verbrachte – zumindest stattete er einem Freund im Priesterseminar am Bismarckplatz einen Besuch ab. Apropos Priester: Diesmal waren nur zwei Geistliche im Kreis der geladenen Premierengäste. „Einer hat eine Transperson mitgebracht“, erzählte Hausherrin von Thurn und Taxis, die von ihren Kritikern oftmals als homophob beschimpft wird. Sie zur MZ: „Da heißt es immer, die Katholiken sind so prüde, dabei sind wir doch tolerant!“

Für Kenner des Fürstenhauses interessant: Klaus Kirchberger gesellte sich in die Gesellschaft der Adeligen. Lange war Kirchberger Vorsitzender der Geschäftsleitung (1994 bis 2007), wechselte dann zur Schörghuber-Gruppe (Paulaner) und später in die Immobilienbranche. Heute ist er wieder für Albert von Thurn und Taxis tätig. „Ich war dem Haus immer sehr verbunden. Jetzt habe ich den ein oder anderen Auftrag in Immobilienangelegenheiten, den Fürsten zu beraten“, verriet Kirchberger.

„Andere würdigen das“

Dass das Haus eine lange Tradition hat, das kann wohl kaum jemand besser würdigen als der Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums. Frank Matthias Kammel. „Regensburg hat ein wahnsinniges Flair“, schwärmte der Kunsthistoriker. „Regensburg ist alt und hat eine tolle Geschichte – das Haus und die Fürstin von Thurn und Taxis gehören da einfach dazu.“ Regensburg sollte sich glücklich schätzen, auch eine Person wie die Hausherrin zu haben. Das sieht in Regensburg natürlich nicht jeder so. Die Adelige polarisiert, doch das scheint sie in Kauf zu nehmen. „Unsere europäischen Nachbarn wissen solche Traditionen viel mehr zu schätzen“, sagte Kammel. Die Deutschen seien da zu engstirnig.

Dass im Vorfeld Demonstrationen gegen die Hausherrin stattgefunden haben, konnte ein weiterer Ehrengast, der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) gar nicht glauben. „Hier sieht es doch aus wie im Märchen“, sagte der Politiker. „Die Hausherrin und ich sind in einer Zeit aufgewachsen, in der Meinungsfreiheit noch wichtig war in diesem Land. In der jeder sagen durfte, was er wollte.“ Das habe sich zwischenzeitlich geändert. „Jetzt gibt es die Cancel-Culture. Sowas ist uns gänzlich fremd.“ Demos finde er in Ordnung, „solange die Demonstranten nicht erwarten, dass ich zustimme.“

Auch die Verlegerin der Mediengruppe Bayern, Simone Tucci-Diekmann, gehörte wie ihr Mann Marco Tucci (Noerr) zu den geladenen Gästen. Tucci-Diekmanns Tischnachbar, der Hausgeistliche und gute Geist im Schloss, Prälat Wilhelm Imkamp, erwies sich als ausgesprochener Kenner des Regensburger Geschehens. Seine täglich ausführliche Lektüre der Mittelbayerischen Zeitung dürfte maßgeblich, aber nicht nur, dazu beitragen.

Mehr Sicherheitspersonal

Auffällig: Viel mehr Sicherheitspersonal auf dem Schlossgelände. Die Veranstalter und das Fürstliche Haus bereiten sich darauf vor, dass Störer das Gelände betreten und womöglich auch die Aufbauten zerstören könnten. Goliath-Chefin und Caterin Stephanie Birnthaler und ihr Team hatten übrigens am Freitag trotz der abgesagten Oper Premiere und versorgten das Publikum mit vorzüglichen Drei-Gänge-Menüs. Jedes Jahr wieder bietet die Familie Birnthaler mit ihrem Team eine organisatorische Glanzleistung und geht ein hohes Risiko ein.

Trotz abgesagter Oper bestens unterhalten: Verlegerin Simone Tucci-Diekmann (Mitte) mit ihrem Mann Marco Tucci (v. li)., Prälat Wilhelm Imkamp, Uschi Dämmrich von Luttitz und MZ-Chefredakteurin Andrea Rieder. Foto: Eckl
Sorgen für gute Musik und fürs familiäre Wohl der Fürstin: Domorganist Franz Josef Stoiber mit seiner Gattin (rechts) sowie Reinhard Mehringer mit Gattin. Der frühere Leiter des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums kümmert sich um Glorias Nichte Pilar Flick. Foto: altrofoto.de
„Mir gefällt die Stimmung, der Garten, die Gäste: Ich bin gerne hier.“Graf Ferdinand von DrechselUnternehmer Foto: altrofoto.de
„Die Freundschaft zur Fürstin führt uns jedes Jahr ins Schloss.“Detlev und Leslie von Wangenheim, Immobilienunternehmer Foto: altrofoto.de
„Wir haben acht Kinder und erholen uns heute Abend im Schloss.“Theresa und Nikolaus Lobkovicz, alter böhmischer Adel Foto: altrofoto.de
„Jetzt gibt es die Cancle-Culture. Sowas ist uns gänzlich fremd.“Hans-Peter und Anette Friedrich, Politiker und Richterin Foto: altrofoto.de