Premiere der Schlossfestspiele in Regensburg abgesagt: Besucher hofften bis zuletzt

Von Christian Eckl, Heike Haala · 12. Juli 2024 um 22:26

Minuten vor dem geplanten Start zogen die Veranstalter von Odeon Concerte die Reißleine. Es wäre zu gefährlich gewesen, die Oper trotz des drohenden Unwetters durchzuführen, nennt Impresario Reinhard Söll den Grund dafür.

Eigentlich war am Freitagabend zur Premiere der Schlossfestspiele mit Georges Bizets Carmen eine Geschichte über Flamenco, Stiefkampf, Erotik und Eifersucht unter der gleisenden Sonne Andalusiens angekündigt. Am Himmel über Regensburg zog dann aber eine Wetterlage mit Gefahrenpotenzial auf, weswegen die Oper in der Inszenierung des Nationaltheaters Brünn nicht gesungen werden konnte.

Wenige Minuten bevor die beginnen sollte, ereilte die Besucher die Absage durch die Lautsprecher. Auch die Ordner an den Durchgängen zum Schlosshof informierten die Menschen darüber, dass die Premiere nicht wie geplant stattfinden kann. Weil es da bereits zu tröpfeln begann, hatten sich viele ein Regencape übergezogen oder einen Regenschirm aufgespannt.

Ein Unwetter drohte

„Das war die richtige Entscheidung. Es wäre zu gefährlich, die Oper trotz des nun drohenden Unwetters durchzuführen“, sagte Reinhard Söll, Impresario der Schlossfestspiele. Gloria von Thurn und Taxis, die Hausherrin im Schloss, sagte zu unserer Zeitung: „Es ist so bedauerlich, dass man die Premiere abgesagt hat. Aber heute hat eben jeder Angst.“ Dabei müsste man dann „eben im Bett bleiben, da passiert nichts“.

Obwohl der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Vorabinformation vor schwerem Gewitter herausgegeben hatte, die auch für Regensburg galt, sah es lange nicht danach aus. Zwar hingen am Nachmittag über mehrere Stunden dicke Wolken am Himmel, als sich die Tore zum Schloss öffneten, aber strahlte die Sonne.

Hier finden Sie alle Informationen zu den Schlossfestspielen.

Und so strömten die Menschen in den Park und genossen das Ambiente in feiner Abendgarderobe. Nach einer Stunde aber schlug das Wetter merklich um: Dunkle Wolken zogen auf und der Wind wehte kräftig, weswegen viele Besucher immer wieder sorgenvoll zum Himmel schauten. Zum Beispiel hofften Claudia Scharl und Annette Eckert darauf, dass ihnen das Wetter den Abend nicht zu früh beenden wird und sie die berühmte Arie Habanera zu hören bekommen – vergeblich.

„Das ist so toll: der Park, die Beleuchtung, die Blumen“, schwärmte Scharl zu diesem Zeitpunkt noch. Stephanie Birnthaler, Chefin im Festspielrestaurant Goliath, in den Bars sowie in der Lounge, setzt im Jubiläumsjahr bei der Deko auf Blüten in Weiß und Pink. Dazwischen finden sich tropisch befüllte Aufsätze mit Palmwedeln und Ananasfrüchten.

Viel Polizei ums Schloss

Zu Protesten oder Zwischenfällen wie am Wochenende, als Menschen in den Schlosspark eindrangen, auf Bäume kletterten oder sich auf Schwimmtieren im Teich treiben ließen, kam es am Freitagabend nicht. Es waren keine Versammlungen angemeldet. Die Polizei bezeichnete die Lage als ruhig. Dennoch waren die Ordnungshüter rund um das Schloss präsent. Gegenüber des Eingangs sowie am Emmeramsplatz hatten sie sich in Einsatzwagen positioniert, um die Lage im Blick zu behalten. Zudem fuhren andere dieser Autos im öffentlichen Park rund um das Schloss Patrouille.

Hausherrin Gloria von Thurn und Taxis im Park
Über dem Schloss hatte sich ein Gewitter zusammengebraut.
Impresario Reinhard Söll und Swetlana Panfilow
Die Polizei war rund um das Schloss präsent.
Tropische Dekoration im Festspiel-Restaurant