Als die Leute in Wackerling noch arm waren: Die Geschichte des Schuster- und des Brücklhäusls

Von Georg Fleischmann · 14. Juli 2024 um 15:00

Wie schnell sich alles Irdische verändert, wird uns Menschen meistens gar nicht bewusst. Unsere Vorfahren würden sich bestimmt nicht mehr zurechtfinden, wenn sie ihre damalige Welt heute sehen könnten. Auch in Wackerling, einem kleinen Ort am Stadtrand von Cham, ist es so, wenn man in die Zeit des vorletzten und letzten Jahrhunderts zurückblickt.

Nicht immer standen dort große und schmucke Bauernhöfe wie heute, sondern man hat dort auch „klein“ angefangen. Wo heute der stattliche „Lex Hof“ mit seiner umfangreichen Umbauung steht, da standen im vorigen Jahrhundert noch drei kleine landwirtschaftliche Anwesen die man im Sprachgebrauch auch Häusler nannte.

Eines davon gehörte dem Landwirt Alois und Katharina Brückl (heute Lex), das andere war im Besitz von Josef und Katharina Schiedermeier (Hausname Schuster) und wurde so auch das (Schusterhäusl) genannt. Etwas abseits stand noch das alte Haus der Familie Laubmeier.

Das alte Brückl-Haus wurde 1890 erbaut, und der damals noch kleine Hof konnte sich gerade noch von der Landwirtschaft ernähren. Der Stall befand sich noch im Haus neben dem Hausflur, was allgemein üblich war.

Backofen am Hofeingang

Die Scheune war angebaut und am Hofeingang stand ein großer Backofen, der zu dieser Zeit unentbehrlich war. Um das Jahr 1910 – so konnte die im letzten Jahr verstorbene, frühere Bäuerin Maria Lex erzählen, ist ein Fotograf des Weges gekommen und hat die Häuser und die Leute fotografiert. Diese Fotos sind glücklicherweise von einer Generation an die folgende weitergegeben worden. So zeigt dieses Foto das damalige Brückl-Haus noch mit den Großeltern, der Tochter Maria und der Nichte Anna, die alle längst verstorben sind. Das Brückl-Haus wurde 1955 umgebaut und im Laufe der Jahre zu einem stattlichen Hof erweitert.

Das „Schuster Häusl“ der Häusler Josef und Katharina Schiedermeier stand um die vorletzte Jahrhundertwende dort, wo später die Hofeinfahrt zum Lexhof führte und die Nebengebäude errichtet wurden. Es war ein kleines und ärmlich aussehendes Häusl.

Nur zwei Kühe im Stall

Die Familie Schiedermeier hatte viele Kinder und konnte von der kleinen Landwirtschaft mit zwei Kühen kaum leben. Wie es früher so war, hatten die armen Leute oft die meisten Kinder, die dann unter ärmlichsten Verhältnissen aufwachsen mussten. Auch vor dem „Schusterhäusl“ stand ein Backofen und das Haus war, wie damals üblich, mit einem hohen „Haniglzaun“ umgeben. Wie ärmlich damals diese Wohnumgebung aussah, zeigt ein Foto aus dem Jahr 1910 mit den Eheleuten Josef und Katharina Schiedermeier mit zwei von ihren Kindern. 1928 verkaufte Josef Schiedermeier sein kleines Anwesen an seinen Nachbarn Xaver Brückl, der damit sein Hofgrundstück erweitern konnte. Die Familie Schiedermeier verzog noch im gleichen Jahr nach Hunderdorf, und das alte Schusterhäusl wurde abgebrochen.

Auch das alte Haus der Familie Laubmeier. das ebenfalls an das Brückl-Haus angrenzte, wurde verkauft, abgerissen und später etwas entfernter neu erbaut. Heute erinnert an diesen Stellen nichts mehr an früher. Auch das „Hütthäusl“, das immer das armseligste an einem Ort war, ist längst verschwunden. So hat sich der kleine Ort Wackerling innerhalb von drei Generationen total verändert und anstelle früherer Armut ist Wohlstand eingekehrt in diesem kleinen Ort.

Das Brückl-Haus um das Jahr 1910 – heute ist es ein stattlicher Hof. Foto: Georg Fleischmann/ Archiv
Wackerling ist längst ein anderer Ort geworden.