Nittenau: Über den regionalen Tourismus informierte sich MdB Stefan Schmidt am Ferienhof Dirnberger

Mit Geschnatter empfangen Gundula und Gustav die Gäste am Ferienhof Dirnberger. Die freilaufenden Gänse haben ein schönes Leben am Regen in Muckenbach, genau wie Esel Emma oder Kuh Frederike, mit der man gar kuscheln könne. Ochse Franz sei besonders lieb.
Auch die Gäste, die aus ganz Deutschland kommen, fühlen sich in dieser idyllischen Lage und in den komfortablen Ferienwohnungen wohl. Urlaub am Bauernhof habe lange Zeit geboomt und der Umbau vor 30Jahren hätte sich gelohnt, sagt die Inhaberfamilie.
Die Zukunft sehen die Dirnbergers allerdings nicht nur rosig. Vor allem die Pandemie beschäftige sie noch schwer, das ist aus ihren Worten deutlich zu spüren.
Schwalben brüten unter Dach
Ein Bild von ihrem Betrieb machte sich nun der Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt (Grüne), Sprecher für Tourismuspolitik und Mitglied im Tourismusausschuss des Deutschen Bundestags. Zusammen mit kommunalen Vertretern der Grünen sowie Gerda Walser vom Verband Blauer Gockel – Bauernhof- und Landurlaub.
Angeregt wurde diskutiert, wie der Landtourismus gestärkt werden könne. Denn ist die Welt hier wirklich noch völlig in Ordnung? Idyllischer geht es jedenfalls kaum. Schwalben brüten unter dem Dach des Bauernhauses, Angler sitzen am Regenufer und Kinder füttern begeistert die Hühner. Das junge Inhaberpaar Franzi und Martin Dirnberger sowie Seniorchefin Gabi Dirnberger tun alles für einen schönen Urlaub ihrer Gäste. Die Weichen hat die Familie bereits 1993 gestellt, wie Gabi Dirnberger erzählt. Zuvor betrieb man eine Biolandwirtschaft mit 55 Rindern und Milchkuhhaltung. Dann entschlossen sich Gabi Dirnberger und ihr Ehemann, der vor wenigen Jahren unerwartet verstarb, die Bullenmast aufzugeben und den Stall aus dem Jahr 1933, der ein schönes böhmischen Kreuzgewölbe hat, zu sieben Ferienwohnungen umzubauen.
„Schon zu dieser Zeit war damit mehr verdient als mit Landwirtschaft“, so Gabi Dirnberger. Eine Bioland-Zertifizierung hatte man bereits erhalten, und später baute man noch drei Ferienhäuser. „Wir handelten schon immer nachhaltig und naturnah, und das hat sich gelohnt. Die Möbel ließen wir zum Beispiel von örtlichen Schreinern herstellen“, berichtet die Seniorchefin.
Tochter Franzi, die wie ihr Mann im Hotel- und Tourismusmanagement gearbeitet hat und in der Welt unterwegs war, stieg dann ebenfalls mit ein. „Daheim ist es einfach schönsten“, findet die 29-Jährige noch heute – sie ist bereits die zehnte Generation am Hof. Die Baugenehmigung sowie eine Wirtschaftsförderung für den Umbau habe man zum Glück „sehr einfach“ erhalten, das sei nicht selbstverständlich, wie Gerda Walser hinzufügt.
Bereut haben die Dirnbergers den Schritt nie. Natürlich mache der Betrieb viel Arbeit: „Man muss den Gästen immer etwas Neues bieten und dran bleiben. Ausruhen darf man sich nicht“, erklärte die Familie dem Bundestagsabgeordneten ihren Erfolg.
Doch im Jahr 2020 kam Corona und stellte alles auf den Kopf. Nach Ende der Pandemie machten zwar viel mehr Menschen als je zuvor Urlaub am Bauernhof – auch die Dirnbergers wurden mit Anfragen überrollt – aber das sei längst abgeflaut. „Jetzt wollen die Leute auch wieder fliegen“, weiß Franzi Dirnberger und beklagt: „Die Autoindustrie wird viel mehr gefördert als der regionale Tourismus.“ Familie Dirnberger fragt sich oft, ob man in Berlin Lehren und Schlüsse aus der Pandemie gezogen hätte. Denn in dieser Zeit hätten sie sich mehr Unterstützung gewünscht.
Schmidt muss gestehen: „Dies wurde nicht strategisch angegangen.“ Mehr Marketing, mit Auslandsbüros und mit einem größeren Budget, wäre nun angebracht, fordern die Unternehmer. „Andere Länder überholen uns.“
Auch die Infrastruktur vor Ort war Thema. Die B16, die direkt hinter dem Regen entlangführt, ist beim Gespräch im Hintergrund deutlich zu hören. Zu viel Verkehr fließe hier, und der Lärm würde ihnen schaden, so die Dirnbergers. Ihre Gäste hätten ohne Auto jedoch kaum eine Chance, die Gegend zu erkunden. Es fehle an Alternativen, da hapere es noch sehr, geben sie dem Abgeordneten mit auf dem Weg. Außerdem mache ihnen Sorgen, ob die Umsatzsteuer, derzeit sieben Prozent auf Übernachtungen, erhöht werde. Doch Schmidt konnte beruhigen: Das sei nicht geplant.
Stockbrot und Lagerfeuer
Die kleinen Gäste haben inzwischen alle Tiere am Hof gestreichelt und gefüttert. Familie Lorenz aus dem Vogtland ist bereits zum dritten Mal hier und schwärmt: Es herrsche eine besondere Gastfreundlichkeit am Hof und die Gegend sei wunderschön.
Die sechsjährige Tochter Helena, mit einer Hühnerfeder am Kopf, freut sich schon auf das Stockbrotbacken abends am Lagerfeuer – man erlebt ein Abenteuer nach dem anderen. Dennoch sei es erholsam: „Es ist Urlaub, aber doch fast wie zu Hause“, lobt Mutter Michaela Lorenz und macht sich auf zu einem Spaziergang am Regen. Für sie ist die Welt hier in Ordnung.
