Heimische Buche statt Kunststoff aus China: Firma Nemmer aus Miltach macht Sparkasse regionaler

Von Stefan Weber · 11. Juli 2024 um 19:00

Irgendwie ist Sparkassen-Vorstand Theo Schneidhuber über sich selbst überrascht, als er mit seinen Kollegen am Donnerstagvormittag 750 Säcke mit dem bekannten S-Logo bei Spielwaren Nemmer in Miltach abholt: „Wir haben von uns immer gedacht, wir sind eh regional, dabei stimmt das so gar nicht.“ Zumindest nicht in allen Bereichen, und nicht bis zu diesem Tag.

Angefangen habe der Prozess dieser Erkenntnis vor ungefähr zwei Jahren, als die Sparkasse im Landkreis Cham sich nicht nur der Regionalität, sondern auch der Nachhaltigkeit als Themen angenommen hatte. Das seien nicht nur Kernkompetenzen für die Bank, sondern auch Anliegen der Kunden, die immer mehr in den Mittelpunkt gerückt seien.

Zu lange dem Trend gefolgt

Das Geld verdiene die Bank natürlich seit fast 200 Jahren schon in der Region, und zwar mit den Kunden vor Ort. „Aber wir haben uns bis dahin nie Gedanken darüber gemacht, wo unsere Werbeartikel herkommen, das müssen wir uns schon auch selbst vorhalten“, sagt Schneidhuber an diesem Tag.

Schnell zu beschaffen, immer dem Trend auf dem Markt folgend, und darum in der Regel aus Kunststoff und nicht vor Ort, sondern irgendwo auf der Welt produziert – so sahen die Werbeartikel in der Vergangenheit meistens aus. Als sich die Bank darum auf die Suche machte, wo die in der Region zu beschaffen seien, sei die Wahl schnell auf die Holz-Fabrik Nemmer in Miltach gefallen.

Hampelmann bis Vogelhaus

Besonders bekannt ist das Familienunternehmen Nemmer durch Holzspielwaren geworden – doch auch Großkunden wie BMW haben hier schon Werbeartikel bestellt, wie vor einigen Jahren den auch aus der TV-Werbung bekannten Hampelmann. Ein Bereich, der mit rund 30 Prozent heute einen großen Anteil am Umsatz des Unternehmens habe, wie Junior-Chef Lucas Nemmer bei dieser Gelegenheit erklärt. „Der Spielwaren-Markt ist hart umkämpft, und bei den Kunden zählt oft vor allem der Preis“, sagt er. Ein Umfeld, in dem sich das mittelständische Unternehmen nur schwer weiterentwickeln könne, und darum seien Aufträge wie nun der von der Sparkasse sehr wichtig.

In den 750 Säcken befinden sich jeweils 48 Bauklötzchen aus Buche (von denen nur ein einziges jeweils mit dem Sparkassen-Logo versehen ist). Jeweils eines geht in den kommenden Wochen an jeden der 60 Kindergärten im Landkreis – auch das eine Form der Nachhaltigkeit, wie Theo Schneidhuber sagt: „Schließlich sind die Kinder ja die Zukunft.“ Nachhaltig sei aber auch die gesamte Produktion an sich, sagt Lucas Nemmer nicht ohne Freude: „Der Baum wächst in der Region, wird hier vor Ort getrocknet und verarbeitet und kommt über die Sparkassen wieder zurück in die Region.“

Dass mit Nemmer im Landkreis hier ein Partner gefunden werden konnte, sei übrigens nicht nur wegen der Produktion an sich nicht selbstverständlich. Umfangreich seien die Vorgaben an Hersteller, die gerade für die Kleinsten Spielzeug herstellen wollten: Größe, verwendete Materialien (bis hin zur Farbe), das alles müsse geprüft sein, bevor es in Kinderhände gelangen dürfe, weiß Lucas Nemmer. „Dafür reicht es auch nicht, sich einmal damit zu beschäftigen, weil es immer wieder neue Vorgaben gibt.“

Theo Schneidhuber überlegt an diesem Tag bereits, was als nächstes bei Nemmer in Miltach für die Kunden der Sparkasse bestellt werden könnte, nachdem Seniorchef Georg Nemmer weitere Beispiele gezeigt hatte, die von anderen Unternehmen geordert worden sind. Stapelbare Züge aus Holz finden sich darunter, mit denen Kinder im Auftrag einer Krankenkasse die Ernährungs-Pyramide verstehen lernen können. Aber auch für einen großen Geschirr-Hersteller produziert Nemmer, und die Vogelhäuschen zum selbst Zusammenbauen haben es nicht nur dem Sparkassen-Vorstand sofort angetan.

„Vielleicht ziehen ja andere Unternehmen nach“, sagt Schneidhuber, der sich davon überzeugt zeigt, dass nicht nur die Sparkasse, sondern alle Unternehmen von mehr Regionalität und Nachhaltigkeit profitieren würden.

Das Unternehmen Nemmer

Geschichte: Der Familienbetrieb fertigt Holzspielzeug made in Germany, und das mittlerweile in der vierten Generation. Wie schon zur Gründung im Jahr 1952, werden bei der Nemmer Holzspielwaren in Miltach im Bayerischen Wald innovative Spielsachen hergestellt. Nemmer ist ein inhabergeführtes Unternehmen mit eigener Produktentwicklung, eigener Fertigung und eigenem Vertrieb.

Produktion: Die lange Tradition schafft die Grundlage für jahrzehntelange Erfahrung in der Holzverarbeitung. Ständiges Wachstum und Weiterentwicklung zu einem modernen Betrieb mit eigener Fertigung und umfassenden Maschinenpark gehören heute zum Betrieb unweit des Bahnhofes in Miltach. Neben Bürogebäude und Fertigungshallen mit Lackiererei gibt es ein Lager für schnelle Abwicklung und Versand sowie einen Werksverkauf auf dem Gelände. Rund 20 Mitarbeiter arbeiten aktuell hier.