Das Benedikt-Stattler-Gymnasium in Bad Kötzting sucht die „Balance für Digitalisierung“

Ab 2028 soll das Tablet in allen fünften Klassen der weiterführenden Schulen im Unterricht dazugehören – solche oder ähnliche Überschriften, die im Moment die Runde machen, lassen Birgit Maier aufhorchen. Denn die Schulleiterin am Benedikt-Stattler-Gymnasium wie auch ihre Kollegen wissen so gut wie wenige andere aus eigener Erfahrung, was „wirklich geht“ bei der Digitalisierung des Unterrichts.
Das hat auch einen guten Grund: Als es vor gut zwei Jahren darum ging, Modellschulen zu suchen, die sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen wollen, da war das BSG ganz vorne mit dabei. Nach zwei Jahren im „Probe-Versuch“ sagt Maier: „Bei uns wird im neuen Schuljahr in der fünften Klasse kein digitaler Unterricht stattfinden.“ Gründe dafür gebe es viele – einer der wichtigsten sei aber, dass die Schule Tablets und Co. nicht im Hauruck-Verfahren überall einführen möchte und auch nicht kann.
Beginn in der neunten Klasse
Angefangen habe alles in den drei neunten Klassen vor zwei Jahren. Um den Unterricht immer weiter digitalisieren zu können, brauche jeder Schüler auch erst einmal ein eigenes Tablet. Die Schule habe zwar auch einige Leihgeräte, aber natürlich nicht genug, um alle knapp 600 Schüler damit auszustatten. 300 Euro – mit Beginn des neuen Schuljahres nach Ende des Probelaufes 350 Euro – schieße der Staat für den Kauf eines eigenen Tablets für Schüler zu.
Das decke ungefähr die Hälfte der Kosten der Geräte, die als „Arbeitsgeräte“ für die Schüler Sinn machten, weiß Anton Schmelmer. Der ist nicht nur Physik- und Geograhpie-Lehrer, sondern auch Koordinator für die Digitalisierung an der Schule. Mit im Team ist Rita Fischl, die für die soziale Kompetenz verantwortlich zeichnet und den Begriff geprägt hat, der im Gespräch sehr häufig fehlt: Den der „digitalen Balance“.
Nicht nur Schreiben auf Glas
Denn 45 Minuten lang nur auf einen Bildschirm zu starren, oder „nur noch auf Glas schreiben“, das sei sicher nicht das, was für die Schüler sinnvoll sei. Es gelte ein Tempo zu finden, dass für „alle sinnvoll“ sei – nicht nur für die Schüler, sondern auch für deren Eltern, und natürlich auch für die Lehrkräfte selbst. Wenn im Unterricht ein Tablet zum Einsatz komme, dann müsse das auch einen Mehrwert für den Unterricht bieten, sagt Fischl, und das sei nicht immer der Fall – auch eine Erkenntnis, die sich in den vergangenen beiden Jahren verfestigt habe.
Das geht sogar so weit, dass neue Tafeln für die Klassen zwar immer noch digital seien, aber eben nicht mehr nur. Wenn die Schule heute neue Tafeln kauft, dann kann nicht nur auf dem Bildschirm in der Mitte mit Kreide geschrieben werden, sondern auch auf den beiden Außenflächen. Das ging mit den noch vor wenigen Jahren angeschafften Boards gar nicht mehr. Kompliziert werde auch bei der Frage, welche Geräte die Schüler sich überhaupt anschaffen sollten. „Wir haben da Mindest-Anforderungen, die erfüllt werden müssen“, sagt Schmelmer. Diese Vorgaben ergäben in Summe ein Gerät, „mit dem man von der neunten Klasse bis zum Abitur gut arbeiten kann“, sagt er. In den vergangenen beiden Jahren sei außerdem auch das Betriebssystem vorgegeben worden, doch davon werde nun abgerückt. „Wir haben auch gesehen, dass es funktioniert, wenn nicht alle dieselbe Technik nutzen“, sagt Direktorin Maier. Das verlange von den Schülern aber natürlich noch mehr Eigenständigkeit. Auch ein Faktor, den Neuntklässler bei dieser Gelegenheit mit lernen könnten.
Natürlich könne sich dann auch kein Lehrer mehr auf das Gerät eines Schülers zuschalten – eine Möglichkeit, die es bei den schuleigenen Leihgeräten schon gebe. Aber auch darum hielten die Lehrer am BSG die neunte Klasse für die beste Möglichkeit, in das Thema einzusteigen, weil von 15-, 16-jährigen Schülern das Mehr an Eigenverantwortlichkeit verlangt werden könne im Unterschied zu Fünftklässlern. Ausschließen wollen die Lehrkräfte nicht, dass bis 2028 auch Fünftklässlern mit Tablets arbeiten, aber der Weg da hin sei weiter, als viele vielleicht annehmen würden. Die Schulaufgaben, die würden übrigens weiter auf Papier gestellt und abgegeben, sagen die Lehrer.
Parallel zur Digitalisierung im Unterricht entwickele sich übrigens aus das Schulbuch weiter. Die gebe es weiterhin immer noch gedruckt, oft aber auch schon in digitaler Form. Doch auch die Verlage hätten da noch einen Weg zu gehen, sagt Birgit Maier, denn mit einer 1:1-Bearbeitung eines gedruckten Buches für ein Tablet sei nichts gewonnen. Der Weg in die Zukunft sei beschritten, aber natürlich noch nicht zu Ende gegangen.
Projekt und Ziele
Zeitraum: In den vergangenen beiden Jahren war das Benedikt-Stattler-Gymnasium eines von acht Gymnasien in der Oberpfalz, an dem die Möglichkeiten der Digitalisierung im Unterricht für alle 34 Gymnasien im Regierungsbezirk ausprobiert wurden. Für die Probe-Schulen hatte das BSG eine Sonderstellung als verbindende Einrichtung für alle Schulen. Die Erfahrungen, die hier gemacht wurden, sollen ab dem kommenden Schuljahr dann allen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden.
Ausblick: Auch nach zwei Jahren des Ausprobierens sei der Prozess natürlich noch nicht abgeschlossen, sagen die an der Schule verantwortlichen Lehrer und auch Schulleiterin Birgit Maier. Während in Bayern angedacht sei, innerhalb der kommenden vier Jahre digitalen Unterricht bereits ab der fünften Klasse einzuführen, sei man in Bad Kötzting aktuell der Überzeugung, dass der Einstieg in diese Form des Unterrichts ab der neunten Jahrgangsstufe am besten sei – doch das könne sich ja noch ändern ...

